Übersicht über die Albumrezensionen: Joey Bada$$, Sabrina Carpenter und mehr

Jede Woche treffen Dutzende neuer Alben in der Redaktion von Maxazine ein. Viel zu viele, um sie alle anzuhören, geschweige denn zu rezensieren. Eine Rezension jeden Tag bedeutet, dass zu viele Alben zurückbleiben. Und das ist eine Schande. Deshalb veröffentlichen wir heute eine Übersicht der Alben, die in Kurzrezensionen in der Redaktion eintreffen.

Foto (c) Jorge Fakhouri

Joey Badass – Lonely at the Top

Nach drei Jahren Stille kehrt Joey Badass mit “Lonely at the Top” zurück, einem kompakten aber vielseitigen Album, das sein künstlerisches Wachstum beweist. Der Brooklyn-Rapper, bekannt für Klassiker wie “Paper Trail$”, beweist, dass er in der heutigen Hip-Hop-Landschaft noch immer relevant ist. Das Album, in sechs Monaten mit einer ‘Mixtape-Mentalität’ entstanden, zeigt einen Künstler, der sowohl mit seinen Boom-Bap-Wurzeln als auch mit modernen Experimenten komfortabel umgeht. Produktionstechnisch überrascht Joey mit eleganten, soulvollen Beats, die über seinen üblichen grauen East Coast-Sound hinausgehen. “Dark aura” und “Underwater” zeigen sein Vermögen, verschiedene Gesangsstile zu handhaben, von Don Toliver-ähnlichen Melodien bis hin zu J. Cole-ähnlicher Introspektion. Die Gastbeiträge von Ab-Soul, Rapsody und Westside Gunn fügen Textur hinzu, ohne seine eigene Geschichte zu überschatten. Das Album hätte von mehr Fokus auf Joeys Solomaterial profitieren können, angesichts seines lyrischen Potenzials auf Tracks wie dem cineastischen Titelsong. “Lonely at the Top” beweist, dass Joey Badass noch immer weiß, wie er traditionellen Hip-Hop modernisiert. Eine solide Rückkehr, die sowohl alte Fans als auch Neuankömmlinge bezaubern wird. (Elodie Renard) (7/10) (Columbia Records)

Gabriel Alegría Afro-Peruvian Sextet – El Muki

Einst war ‘Taqui’ wahrscheinlich die einzige Musik, die hoch und nasal zwischen den Bergkämmen der Anden widerhallte. Bis die Spanier kamen, die zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert Tausende von Afrikanern als Sklaven nach Peru brachten und damit andere musikalische Einflüsse mitbrachten. Das sorgte für eine besonders reiche Mischung aus indigenen, spanischen und afrikanischen Einflüssen. Gabriel Alegría fügt dieser Mischung ein weiteres Element hinzu: Mit seinem Afro-Peruvian Sextet macht er seit über zwanzig Jahren ‘Festejo’, bereichert mit dem Jazz, den er in New York aufschnappte. Wir hören afrikanische Rhythmen, kombiniert mit treibendem südamerikanischem Temperament und der ‘Coolness’ der amerikanischen Jazz- und Bop-Rhythmen, von Alegría kunstfertig miteinander verflochten. Jedes Arrangement sitzt, das unverwechselbare Werk eines Handwerkers, der seinen Zuhörer mitnimmt, überwältigt und eintaucht wie die majestätischen Wellen des Pazifiks, auf denen sich Surfer vom Mancora Beach anmutig, aber gewagt mittragen lassen. Das ist Alegrías Musik: sie wogt, manchmal intensiv, dann wieder zurückhaltend. “Luciérnagas/Fireflies” ist einer der ruhigeren Titel, eingeleitet von wunderschönem akustischem Gitarrenspiel von Jocho Velásquez. Die Energie kehrt danach im Quadrat zurück in “Mala Señal/Bad Sign”. Einer der Höhepunkte ist das funkige “La Zafira/The Harvest”, das zur Apotheose aufgebaut wird, in der man die reiche Ernte tatsächlich fühlen, riechen und schmecken kann. Das Cover des Police-Hits “Walking on the Moon” droht kurz ein sehr enttäuschender Abschluss des Albums zu werden, aber auch hier lässt uns Alegrías Handwerkskunst nicht im Stich, indem er eine besondere Pause als Auftakt zu einem großartigen Schluss einlegt. Festejo-würdig. (Jeroen Mulder) (8/10) (Saponegro Records)

Brad Mehldau – Ride into the Sun

Der Jazzpianist Brad Mehldau wagt sich erneut an Interpretationen von Popmusik, diesmal mit einer ausführlichen Hommage an den tragisch verstorbenen Singer-Songwriter Elliott Smith. Auf “Ride into the Sun” verwandelt Mehldau zehn Smith-Kompositionen in intime Jazzarrangements, ergänzt um vier eigene Kompositionen, die dessen Geist atmen. Das Album eröffnet wunderschön mit “Better Be Quiet Now”, wo Mehldaus reiche Pianotöne von einem 18-köpfigen Orchester unter der Leitung von Dan Coleman unterstützt werden. Gäste wie Daniel Rossen (Grizzly Bear) und Chris Thile fügen texturale Schichten hinzu, besonders hörbar auf dem mitreißenden “Tomorrow Tomorrow”. Mehldaus Neubearbeitung von Smiths bekanntem “Between the Bars” zeigt sein Vermögen, Melancholie zu sublimieren, ohne die ursprüngliche Emotion zu verlieren. Der Pianist schafft es, Smiths verletzliche Lieder aus ihrem depressiven Kontext zu heben, wobei er den Schmerz anerkennt, aber auch Hoffnung bietet. Höhepunkte sind die Solo-Klavierstücke “Sweet Adeline” und “Sweet Adeline Fantasy”, wo Mehldaus Virtuosität voll zur Geltung kommt. Das fast zehn Minuten dauernde Titelstück schließt das Album meisterhaft ab als kontemplative Reise durch Smiths musikalisches Vermächtnis. (Jan Vranken) (7/10) (Nonesuch Records)

Eric Gales – A Tribute to LJK

Eric Gales liefert mit “A Tribute to LJK” eine herzzerreißende und zugleich mitreißende Hommage an seinen 2002 verstorbenen Bruder Manuel ‘Little Jimmy King’ Gales. Dieser Memphis-Bluesmann versammelt eine beeindruckende Besetzung um sich: Buddy Guy, Joe Bonamassa, Christone ‘Kingfish’ Ingram und Josh Smith tragen alle zu dieser emotionalen Tour de Force bei. Das Album platzt von der Eröffnung “You Shouldn’t Have Left Me” vor Energie, mit Gales’ linkshändigem Gitarrenspiel, das vor Leidenschaft brennt. “Don’t Wanna Go Home” mit Bonamassos schneidendem Solo hat diesen geschmeidigen Groove, der an Princes “Kiss” erinnert – sofort erkennbar und unwiderstehlich eingängig. Die Zusammenarbeit zwischen drei Generationen von Blues-Legenden auf “It Takes a Whole Lotta Money” demonstriert die Kameradschaft innerhalb der Blueswelt. Gales schafft es wunderbar, seinem Bruders Vermächtnis neues Leben einzuhauchen, ohne die ursprünglichen Songs zu verraten. Die Produktion von Bonamassa und Smith klingt warm und voll, mit genug Raum für jedes Instrument. Das Album endet kraftvoll mit “Somebody”, wo Buddy Guys erfahrene Stimme perfekt mit Roosevelt Colliers Slide-Gitarre harmoniert. Ein Meisterwerk, das Manuel Gales ehrt und Erics Status als einer der besten Gitarristen der Welt bestätigt. (Jan Vranken) (9/10) (Provogue)

Sabrina Carpenter – Man’s Best Friend

Nach dem kommerziellen Erfolg von “Short n’ Sweet” kehrt Sabrina Carpenter schnell mit “Man’s Best Friend” zurück, einem Album, das hauptsächlich durch seine sexuell aufgeladenen Wortspiele und kontroverse Albumhülle auffällt. Mit Produzent Jack Antonoff am Ruder navigiert sie durch 38 Minuten Poprock, die sowohl unterhalten als auch irritieren. Das Album beginnt stark mit dem Hit “Manchild”, einer Country-getönten Anklage gegen unreife Männer, die sofort im Ohr bleibt. “Tears” zeigt Carpenters komödiantisches Talent, wenn sie darüber singt, wie attraktiv es ist, wenn ein Mann IKEA-Möbel zusammenbaut – denken Sie an Alanis Morissettes “Ironic”, aber bewusst lustig gemeint. Die Disco-inspirierte Produktion funktioniert perfekt mit ihrer spielerischen Wortwahl. Leider wird das Konzept durch zu viel Wiederholung der gleichen Themen ausgehöhlt. Tracks wie “Sugar Talking” und “We Almost Broke Up Again Last Night” fühlen sich wie Füllmaterial an, während die konstanten sexuellen Anspielungen durch Überfluss ihre Wirkung verlieren. “Go Go Juice” bringt die Energie mit seinem ansteckenden Refrain über betrunkene Ex-Freunde, die texten, zurück. Carpenter zeigt unverkennbar ihr Vermögen für cleveren Pop und komödiantisches Timing, aber “Man’s Best Friend” fühlt sich eher wie ein hastiger Nachfolger als ein durchlebter artistischer Schritt vorwärts an. (Jan Vranken) (6/10) (Island Records)

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