Übersicht über die Albumrezensionen: Ludovico Einaudi, Earl Sweatshirt und mehr

Jede Woche treffen Dutzende neuer Alben in der Redaktion von Maxazine ein. Viel zu viele, um sie alle anzuhören, geschweige denn zu rezensieren. Eine Rezension jeden Tag bedeutet, dass zu viele Alben zurückbleiben. Und das ist eine Schande. Deshalb veröffentlichen wir heute eine Übersicht der Alben, die in Kurzrezensionen in der Redaktion eintreffen.

Foto (c) Jorge Fakhouri

Ludovico Einaudi & Leo Einaudi – Einaudi Vs Einaudi

Die Zusammenarbeit zwischen Vater Ludovico und Sohn Leo Einaudi resultiert in einer überraschend intimen Neubearbeitung des erfolgreichen „The Summer Portraits”. Leo hat acht Tracks aus seinem Vaters 13. Nummer-eins-Album in eine persönliche Reise durch Erinnerungen an sommerliche Momente verwandelt. Die Produktion kombiniert Ludovicos charakteristischen minimalistischen Klavier-Ansatz mit Leos moderneren elektronischen Texturen. Bei Nummern wie „Rose Bay (Reworked)” durchdringen treibende Rhythmen die ursprüngliche Stille, während „Pathos (Reworked)” neue Schichten der Jugendlichkeit enthüllt. Die Synthese zwischen beiden Generationen Einaudi sorgt für eine natürliche Chemie, die niemals erzwungen wirkt. Das Album gelingt darin, den ursprünglichen Geist der Kompositionen zu bewahren, während es gleichzeitig eine frische Interpretation bietet. Für diejenigen, die mit „Nuvole Bianche” vertraut sind, wird der Ansatz erkennbar aber erneuert sein. Die 34-minütige Reise fühlt sich wie ein intimes Konzert zwischen Vater und Sohn an, bei dem persönliche Erinnerungen und künstlerische Vision zu etwas verschmelzen, das beide Generationen übersteigt. (Jan Vranken) (8/10) (Decca Records)

Earl Sweatshirt – Live Laugh Laugh

Earl Sweatshirt beweist mit seinem fünften Studioalbum, dass Glück nicht auf Kosten der künstlerischen Tiefe gehen muss. Nach Jahren introspektiver Dunkelheit zeigt diese 24-minütige Veröffentlichung einen Rapper, der Frieden mit der Vaterschaft, der Ehe und dem Erwachsensein gefunden hat. Der ironische Albumtitel erweist sich als aufrichtig gemeint. Musikalisch bleibt Earl seinem charakteristischen abstrakten Hip-Hop-Stil treu, wobei Theravada und Black Noi$e hypnotische, staubige Beats liefern. Bei „Static” klingt er hungriger als seit Jahren, während „Crisco” seine neue Rolle als Vater erforscht. Die Produktion reicht von funk-getriebenen Eröffnungen bis hin zu träumerischen Klanglandschaften, die seinen sich entwickelnden Geisteszustand widerspiegeln. Textlich zeigt Earl eine Verfeinerung, die nur mit echter persönlicher Entwicklung kommt. Für Fans, die ihn von depressiven Klassikern wie „I Don’t Like Shit, I Don’t Go Outside” kennen, bietet dieses Album den Beweis, dass auch Optimismus Teil seiner künstlerischen Palette sein kann. Wer „Grief” oder „Solace” schätzte, wird dies als willkommene Evolution erfahren. (Elodie Renard) (9/10) (Tan Cressida/Warner Records)

Pino Palladino & Blake Mills – That wasn’t a Dream

Die zweite Zusammenarbeit zwischen Bassgitarren-Legende Pino Palladino und Produzent-Gitarrist Blake Mills beweist, dass Instrumentalmusik immer noch emotionale Geschichten erzählen kann. Diese sieben Tracks umfassende Reise kombiniert akustische Instrumente mit elektronischen Manipulationen zu einer faszinierenden Klanglandschaft. Album-Eröffnung „Contour” setzt sofort den Ton mit einem 5/8-Ostinato auf Nylonsaiten-Gitarre, während „I Laugh in the Face of the Lion” Palladinos seltenes Spiel am Kontrabass in einem Bossa-Nova-Setting zeigt. Gastmusiker Sam Gendel fügt mit seiner bearbeiteten Flöte und seinem Saxophon zusätzliche Texturschichten hinzu, die das Ganze in unerwartete Gebiete führen. Das fast vierzehnminütige „Heat Sink” bildet das Epizentrum des Albums, wo Palladinos stoische Basslinie von Synthesizer-Clustern umgeben wird. Ihr Zusammenspiel fühlt sich mühelos an trotz der musikalischen Komplexität. Für Liebhaber von D’Angelos „Voodoo” (auf dem Palladino auch spielte) bietet dieses Album eine ebenso reiche, aber experimentellere Erfahrung. (Jan Vranken) (8/10) (New Deal/Impulse! Records)

Essex Honey – Blood Orange

Nach sieben Jahren der Stille kehrt Devonté Hynes mit seinem persönlichsten „Blood Orange”-Album zurück. „Essex Honey” entstand während der Trauerverarbeitung nach dem Tod seiner Mutter, wobei Hynes über seine Jugend in Essex und Musik als Trost reflektierte. Dieses fünfte Album wählt bewusst Intimität über tanzbare Funk. Musikalisch dreht sich alles um das Klavier, ergänzt durch Cello, sanfte Breakbeats und organische Instrumentierung. Die Gästeliste—Caroline Polachek, Lorde, Daniel Caesar, Mustafa—bildet ein privates Orchester, das Hynes’ Vision unterstützt. Höhepunkt „The Field” kombiniert Polacheks bezaubernde Vocals mit Drum-‘n’-Bass-Elementen, während „The Last of England” Familiengeräusche von einem letzten Weihnachtsfest verarbeitet. Einige Nummern verfallen in zu große Abgeschlossenheit, wodurch die zweite Hälfte etwas an Zugänglichkeit verliert. Dennoch bietet das Album für Liebhaber der melancholischen Schönheit von „Charcoal Baby” eine ebenso bewegende, aber kontemplativere Erfahrung. (Anton Dupont) (8/10) (RCA Records)

Myd – Mydnight

Nach vier Jahren des Wartens kehrt der französische Produzent Myd mit seinem zweiten Album „Mydnight” zurück, einer Dancefloor-orientierten Evolution, die seine Ed-Banger-DNA intakt lässt. Geboren aus drei Jahren intensiver Tourneen und DJ-Sets weltweit, markiert dieses Album eine bewusste Verschiebung zu mehr Club-orientierter Energie, ohne seine charakteristische Wärme und seinen Humor zu verlieren. Die Geschichte hinter der Entstehung ist bereits legendär: Als Myd seine Festplatte verlor, schloss er sich eine Woche lang in seinem Studio ein und streamte den gesamten kreativen Prozess live auf Twitch. Diese chaotische Entstehung übersetzt sich in ein Album, das House, Funk und Pop nahtlos verschmilzt. Höhepunkt „All That Glitters is Not Gold” zeigt Myd in seiner stärksten Form, mit Channel Tres und Trueno in einer bassreichen Zusammenarbeit, die sowohl im Club als auch in Ihren Kopfhörern perfekt funktioniert. „The Wizard” bestätigt sein Gespür für die Umwandlung von Dancefloor-Energie in eigenwillige Pop-Musik, während „Song for You” seine sensiblere Seite zeigt. Für Liebhaber seines viralen Hits „The Sun” bietet „Mydnight” eine reifere, aber zugängliche Version dieser sonnigen elektronischen Magie, jetzt mit mehr BPM und weniger Introvertiertheit. (Elodie Renard) (7/10) (Ed Banger Records/Because Music)

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