Übersicht über die Albumrezensionen: Robin Trower, Florrie und mehr
Jede Woche treffen Dutzende neuer Alben in der Redaktion von Maxazine ein. Viel zu viele, um sie alle anzuhören, geschweige denn zu rezensieren. Eine Rezension jeden Tag bedeutet, dass zu viele Alben zurückbleiben. Und das ist eine Schande. Deshalb veröffentlichen wir heute eine Übersicht der Alben, die in Kurzrezensionen in der Redaktion eintreffen.
Nick Fletcher – An Unfolding Of Miracles
Nick Fletcher ist ein vielseitiger Gitarrist. Er spielt unter anderem (Prog-)Rock, Jazz und Fusion. Ausserdem spielt er Gitarrensynthesizer und erweitert damit seine Palette an Klangfarben. Auf einen ruhigen Auftakt folgt ‘To be seen, to be heard’, in dem die Musik manchmal gegeneinander zu arbeiten scheint. Es gibt viel zu hören, ohne dass das Ganze zu komplex wird. Die Vielfalt ist in allen neun Instrumentalstücken zu hören. Selbst wenn sehr schnell gespielt wird, bleibt die Dynamik erhalten. Die Loops sorgen manchmal für (etwas zu viele) Wiederholungen in Melodie und/oder Rhythmus. Der Bass spielt regelmässig eine wichtige Rolle und wechselt sich mit den hohen Tönen der Keyboards ab oder verschmilzt mit ihnen. Das Schlagzeugspiel ist sehr schön, das Spiel auf den Becken äusserst detailreich. Der wortlose Gesang verschmilzt subtil mit der Musik. In mehreren Stücken spürt man die Emotionen, mit denen Nick spielt. In ‘The Path of fire’ hätte sein Gitarrenspiel etwas stärker im Vordergrund stehen dürfen. Eigentlich sollte man ‘An Unfolding Of Miracles’ selbst hören. Denn es ist beinahe unmöglich, ein derart abwechslungsreiches Album in weniger als 200 Wörtern zu beschreiben. (Esther Kessel-Tamerus) (8/10) (Eigenproduktion)
Ella Thompson – Triumphs and Sadness
Soul der Sechzigerjahre, vom Beginn der Siebzigerjahre. Daran erinnert die Musik der australischen Sängerin Emma Thompson auf “Triumphs and Sadness”. Und das ist nicht weiter verwunderlich. Thompson wuchs mit Nina Simone und Billie Holiday auf. Dabei besteht die Gefahr, dass eine Sängerin versucht, zu einer Kopie zu werden und mit demselben Timbre und Timing singen möchte. Das Problem ist jedoch, dass Thompsons Stimme dafür eigentlich zu dünn ist und ihr die nötige Lebenserfahrung fehlt. Tatsächlich passt ihre Stimme nicht ganz zum ansonsten herrlichen Sound einer Band, die wie die Dap-Kings klingt. Dass alles auf analogem Band aufgenommen und von Wayne Gordon (Daptone, Womack Sisters) gemischt wurde, hilft dabei enorm. Natürlich gibt es Höhepunkte, etwa das zurückhaltendere “Change of Heart”, auch wenn hier ebenfalls die Bläser die Show stehlen. Es muss unbedingt gesagt werden, dass es ganz sicher nicht an den Songs liegt, die größtenteils von Thompson selbst geschrieben wurden und teilweise wunderschöne Texte enthalten. Durchweg hervorragende Soulsongs. Hört euch “My Weakness” oder das energiegeladene “Dandelion” an: schöne Kompositionen, die zudem anspruchsvolle Gesangslinien bieten. Unbeabsichtigt ist vor allem ein Album entstanden, das uns bewusst macht, wie sehr wir Amy und Sharon Jones vermissen. Damit ist “Triumphs and Sadness” sicherlich kein schlechtes Album, doch ihm fehlt jene raue Kante, die Soul erst zu echtem Soul macht. (Jeroen Mulder) (6/10) (Mr. Bongo)
Andy Grammer – Big Stupid Heart
Der amerikanische Entertainer Andy Grammer feiert auf “Big Stupid Heart” das Leben und die Gefühle mit einer Überdosis an spritziger und furchtloser Popmusik. Der Sänger fährt alle Geschütze auf und liefert eingängige Melodien, die sofort im Kopf bleiben. Bei Songs wie “Love Showed Up” und “I Do” zeigt er, dass er ein Meister darin ist, grosse, mitreissende Mitsingrefrains mit einer ausgesprochen positiven Grundhaltung zu schaffen. Die gesamte Produktion strahlt Energie und Dynamik aus, wobei moderne Beats nahtlos mit mitreissenden Arrangements verschmelzen. Gelegentlich droht die ständige Flut grosser Gefühle, das Album zu überladen, doch Grammers pure Leidenschaft und Überzeugung bringen das Ganze mühelos wieder auf Kurs. Dieses Album zieht den Hörer vom ersten Ton an in seinen Bann und lässt ihn nicht mehr los. “Big Stupid Heart” ist der ultimative Soundtrack für alle, die wieder einmal unverfälscht gross angelegte, mitreissende Radiohymnen geniessen möchten, die garantiert ein riesiges Lächeln auf ihr Gesicht zaubern. (Daniel Harris) (8/10) (S-Curve Records)
Florrie – Magic For A While
Für alle, die Florries beeindruckende Karriere seit Jahren verfolgen, fühlt sich ihr neues Studioalbum wie ein fröhlicher Triumph über die Musikindustrie an. Auf “Magic For A While” weiss die britische Schlagzeugerin und Sängerin genau, worin ihre Stärken liegen, nämlich in spritzigem, rhythmusbetontem Elektropop. Songs wie “Magic For A While” und “Personal” sind vollgepackt mit schimmernden Synthesizerlinien und präzisem Schlagzeugspiel, die unverkennbar die Handschrift ihrer langjährigen Zusammenarbeit mit der Pop-Hitfabrik Xenomania tragen. Dennoch lässt sich nicht leugnen, dass viele Songs nach demselben vertrauten Rezept aufgebaut sind. Wer auf grosse Überraschungen oder innovative Arrangements hofft, wird hier kaum fündig. Alles klingt äusserst ausgefeilt und professionell produziert, doch stellenweise fehlt es an roher Emotion und Spannung, um wirklich einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. “Magic For A While” ist ein äusserst angenehmes und sorgfältig ausgearbeitetes Popalbum, auch wenn Florrie sich gelegentlich etwas zu sehr innerhalb der vertrauten Grenzen bewegt. (William Brown) (7/10) (BMG)
Robin Trower – Shine
Der 81-jährige Gitarrist Robin Trower kann inzwischen auf eine beeindruckende Karriere zurückblicken. Von 1967 bis 1971 gehörte er zu den erfolgreichen Jahren von Procol Harum. Anschliessend baute er mit seiner eigenen Robin Trower Band ein eigenes Werk auf. Mit “Shine” erscheint bereits sein 29. Studioalbum. Viel Neues gibt es nicht unter der Sonne: Trower spielt Gitarre mit einer Selbstverständlichkeit, mit der wir Menschen atmen. Diesen Freiraum nutzt er auch auf “Shine”. Mit fundierter Subtilität dosiert er seine Klänge innerhalb der Kompositionen. Den Gesang übernimmt bei den meisten Stücken Richard Watts, unter anderem bei “Faith” und “Without You”. Jess Haye ist auf “Truth” zu hören. Obwohl das Album nie wirklich spannend wird und das Spiel mitunter etwas routiniert wirkt, bleibt das Ganze unterhaltsam. Wer erwartet, dass der inzwischen 81-jährige Trower seine Gitarre bis an die Grenzen treibt, wird von “Shine” etwas enttäuscht sein. Ein kleiner Kritikpunkt ist, dass die Kompositionen so deutlich seinem Gitarrenspiel untergeordnet sind, dass sie stellenweise etwas anonym klingen. Dennoch ist “Shine” vor allem ein entspanntes Album geworden, das sich bestens dazu eignet, sich in Ruhe hinzusetzen und es zu geniessen. (Bart van de Sande) (7/10) (Provogue Records)






