Mike Spohr – A Dreamer Still
Das Debütalbum von Mike Spohr trägt einen Titel, der die Essenz seiner musikalischen Reise perfekt zusammenfasst. „A Dreamer Still“ ist kein hastig produziertes Werk eines jungen Künstlers, der die Welt sofort erobern möchte, sondern das Ergebnis von drei Jahrzehnten sorgfältiger Beobachtung und persönlicher Reflexion. Obwohl Spohr eine lange und erfolgreiche Karriere im digitalen Medienbereich aufgebaut hat, hielt er seine Leidenschaft für das Songwriting über dreißig Jahre weitgehend für sich. Nun, aus einem umfangreichen Archiv schöpfend, das bis zu seinem achtzehnten Lebensjahr zurückreicht, präsentiert er endlich eine Sammlung, die sowohl wie eine bewahrte Zeitkapsel als auch wie ein frischer Anfang wirkt. Dieses Album ist ein Zeugnis dafür, dass kreative Samen, egal wie lange sie ruhen, irgendwann zu etwas Substanziellem erblühen können.
Musikalisch ist Spohr fest in der Tradition des klassischen Pop und Rock der sechziger und siebziger Jahre verwurzelt. Der Einfluss von The Beatles und The Beach Boys ist unverkennbar im Schwerpunkt auf Melodie und Harmonie, dennoch schimmert oft eine melancholische Unterton durch, der an die emotionale Ehrlichkeit des Blues erinnert. Die Produktion ist organisch und warm, mit Instrumentierung, die die Songs unterstützt, ohne die zentrale Botschaft zu überlagern. Der Fokus liegt auf dem Handwerk des Songwritings selbst, nicht auf flüchtigen aktuellen Produktionsmoden. Die Arrangements sind funktional und geschmackvoll, und bieten dem Hörer den nötigen Raum, sich auf narrative Texte über Zeit, Erneuerung und Ausdauer zu konzentrieren.
In Tracks wie „Old Songs“ dient die Musik als Meta-Kommentar zum Album selbst und vermittelt ein Gefühl von Nostalgie, ohne in billige Sentimentalität abzugleiten. Er singt über die Kraft der Musik, Erinnerungen lebendig zu halten, und sagt ‘Oh, how things change, yet some things remain/‘Cause Lord knows I’ve changed, but I’m still the same,’ eine Zeile, die bei jedem ankommt, der jemals ein Lied benutzt hat, um in der Zeit zurückzureisen. „Betty Blue“, das Album eröffnet, zeigt, wie Spohr einen eingängigen Hook mit einem vielschichtigen Arrangement verbinden kann. Die Pop-Version am Ende des Albums bietet einen interessanten Kontrast und hebt die inhärente Vielseitigkeit seiner Kompositionen hervor. In „A Home Is Not a Place“ behandelt er tiefere, philosophische Themen wie Sicherheit und Identität, was einen der emotionalsten Momente auf dem Album schafft.
Später im Album zeigen „The Walking Dead“ und „Stuck on a Landline“ Spohrs Fähigkeit, moderne Beobachtungen in einen klassischen Klangrahmen zu integrieren. „The Walking Dead“ bewegt sich in einem stetigen, rhythmischen Tempo, das die Erschöpfung des Themas unterstreicht, während „These Chords“ wie ein verletzlicher Einblick in die Beziehung des Songwriters zu seinem Instrument wirkt. Durchgehend bleibt die Instrumentierung geerdet und setzt auf akustische Texturen und saubere E-Gitarren, die die sonnenverwöhnte Atmosphäre seiner kalifornischen Wurzeln heraufbeschwören.
Obwohl das Album ein beeindruckendes Zeugnis von Spohrs Können ist, wird an einigen Stellen die Länge der Trackliste spürbar. Mit sechzehn Tracks fordert „A Dreamer Still“ die Konzentration des modernen Hörers stark. Einige Tracks, wie „Flies“, sind charmant, tragen jedoch weniger zum thematischen Bogen des Albums bei als die resonanteren Balladen. Eine etwas strengere Auswahl oder eine kürzere Abfolge hätte die Wirkung der verbleibenden Kompositionen verstärken können. Außerdem bleiben Spohrs Vocals während des gesamten Albums eher zurückhaltend. Dies trägt zwar zu einer aufrichtigen und zugänglichen Atmosphäre bei, aber gelegentliche Ausbrüche roher Emotionen hätten einigen intensiveren Songs den zusätzlichen Schub geben können, den sie verdienen.
Letztlich überwiegt die Bewunderung für dieses Projekt. „A Dreamer Still“ ist eine mutige Aussage darüber, dass es nie zu spät ist, einen kreativen Traum zu verwirklichen. Spohr beweist, dass er ein scharfes Auge für die kleinen, oft übersehenen Momente des Lebens hat und diese in universelle Songs übersetzen kann. Das Album strahlt eine Ruhe aus, die nur aus jahrelanger Lebenserfahrung und der völligen Abwesenheit eines Trendszwangs entsteht. Es ist ein Album für den Kenner, der Handwerkskunst und Aufrichtigkeit über auffällige Produktion stellt. Für alle, die zeitlose Songs mit menschlichem Herzen suchen, ist diese Veröffentlichung eine angenehme Überraschung. (7/10) (Spohr Media)

