Übersicht über die Albumrezensionen: Ryan Adams, Cast und mehr
Jede Woche treffen Dutzende neuer Alben in der Redaktion von Maxazine ein. Viel zu viele, um sie alle anzuhören, geschweige denn zu rezensieren. Eine Rezension jeden Tag bedeutet, dass zu viele Alben zurückbleiben. Und das ist eine Schande. Deshalb veröffentlichen wir heute eine Übersicht der Alben, die in Kurzrezensionen in der Redaktion eintreffen.
Jordan Ward – Backward
Der aus St. Louis stammende Künstler Jordan Ward bringt mit “Backward” einen erfrischenden Sound in die Welt des zeitgenössischen R&B und Hip-Hop. Das Album folgt auf den Erfolg seiner vorherigen Veröffentlichungen und zeigt eine klare künstlerische Entwicklung. Mit Singles wie ‘Mustard’ und ‘White Dress’ schafft Ward eine entspannte Atmosphäre, die sowohl modern als auch zeitlos wirkt. Die Texte auf “Backward” sind persönlich und reflektieren seine Reise in der Musikindustrie sowie sein eigenes Wachstum. Musikalisch stützt sich das Album auf geschmeidige Beats und traumhafte Synthesizer, die seine sanfte Stimme unterstützen. Die Harmonien sind vielschichtig und bieten ein reichhaltiges Hörerlebnis, bei dem bei jedem Durchgang neue Details auffallen. Ward gelingt es, verschiedene Genres mühelos zu verbinden, sodass das Album nie eintönig wird. Der Fluss der Songs auf “Backward” sorgt für ein konsistentes Hörerlebnis, das zum Wiederhören einlädt. Es ist ein Album, das Ruhe ausstrahlt, dabei aber lyrisch herausfordert und den Hörer in seine Erlebniswelt mitnimmt. (Elodie Renard) (8/10) (Interscope Records)
Ryan Adams – Self Portrait
Ryan Adams’ 31. Studioalbum ist eine Lo-Fi-Sammlung von 24 Tracks, die Coverversionen von R.E.M. und New Order mit neuen Originalen mischt. Self Portrait wirkt wie ein Skizzenbuch, roh und ungefiltert, aufgenommen in Adams’ Schlafzimmer. Nach Jahren der Kontroversen und einem Comeback mit Blackhole 2024 entscheidet er sich für Intimität statt Bombast. Virginia in the Rain eröffnet mit akustischer Zerbrechlichkeit, Please Shut the Fuck Up bringt Punk-Energie, während Blue Monday New Orders Klassiker durch Adams’ Linse interpretiert. Die Coverversion von R.E.M.’s The One I Love zeigt Respekt, aber auch Adams’ Unfähigkeit, nicht er selbst zu sein. Honky Tonk Girl und Saturday Night Forever liefern Country-Twang, während I Am Dracula und I Am a Rollercoaster experimenteller sind. Das Problem ist, dass 24 Tracks über 72 Minuten zu viel Rauschen erzeugen. Einige Songs wirken halbfertig, die Produktion bewusst primitiv. Für Heartbreaker-Fans enttäuschend, für Adams-Puristen eine kuriose Fußnote. Ein Album für diejenigen, die an seinem kreativen Prozess interessiert sind, nicht an Klassikern. (Anton Dupont) (6/10) (Pax Am)
Negative Press Project – Cycles I
‘Berghain’ von Rosalía definierte Ende letzten Jahres einen neuen Stil in der Popmusik, indem ein explosives klassisches Stück mit Chorarbeit, Pop und Hip-Hop kombiniert wurde. Negative Press Project wird keine solche Schockwelle auslösen, doch mit “Cycles I” setzt dieses amerikanische Ensemble, unterstützt vom Streichquartett Friction Quartet, ein Statement, indem es Jazz, Kammermusik und Soundscapes zusammenführt. Negative Press Project entstand in Oakland, Kalifornien, aus einer Gruppe von Musikern um Pianistin/Komponistin Ruthie Dineen und Bassist/Komponist Andrew Lion. Letzterer glänzt besonders auf diesem Album, das nicht einfach als Jazz bezeichnet werden kann – es ist weit mehr. In zwölf Kompositionen erzählt das Ensemble eine Geschichte, bei der das Perspektiv ständig gewechselt wird und musikalisch zwischen verschiedenen Stilen schwebt. Die Eröffnung mit Streichern in ‘Shoten Zenjin (Morning Arrives for Aya)’ ist wunderschön. Das Album hat praktisch keine schwachen Momente. Die Dynamik zwischen Jazz und sogar Bop mit Orchesterarrangements liefert ein herrliches, filmisches Klangspiel, in dem die einzelnen Mitglieder von Negative Press Project Raum zum Exzellenz zeigen haben. Ein schönes Beispiel sind die Bass- und Gitarrensoli auf ‘Cycles Brilliant’. Und das Beste kommt noch: ‘Hold and Keep this Flower’, das mit einem Streichervorspiel beginnt, und ‘Miles To Go’, in dem Orchester- und Jazzmusiker in einem wirklich sublimen Arrangement ineinanderfließen. Zuletzt hörte man dieses handwerkliche Können in den besten Zeiten von Burt Bacharach, der diese Art des Arrangierens zur Kunst erhob. Ein großes Kompliment. (Jeroen Mulder) (9/10) (Envelopmental Music)
Emily Scott Robinson – Appalachia
Emily Scott Robinson, Songwriterin für John Prine’s Oh Boy Records, präsentiert auf ihrem dritten Album ihre bisher beste Arbeit. “Appalachia”, aufgenommen in den 130 Jahre alten Dreamland Recording Studios in den Wäldern von Kingston, New York, ist ein intimes Porträt von Resilienz, Verlust und Gemeinschaft, verwurzelt in den Blue Ridge Mountains von North Carolina. Produzent Josh Kaufman (Bonnie Light Horseman) ermutigte Robinson zu Experimenten, was im Eröffnungssong ‘Hymn for the Unholy’ gipfelt, in dem sie ihre Gitarre beiseitelegt und a cappella über ein karges Orgelarrangement singt. Es ist eine Hymne für alle, die jemals gescheitert sind, gesungen mit kristallklarer Stimme, die sofort das Herz berührt. Robinsons Stärke liegt darin, menschliche Geschichten mit scheinbar einfachen, aber lebendigen Bildern zu erzählen. In ‘Time Traveler’ beschreibt sie den schmerzhaften Prozess der Demenz ihrer Großmutter mit präzisen Details, die den Hörer in den langsamen Abbau von Erinnerungen hineinziehen. ‘Cast Iron Heart’, ein Duett mit Grammy-Gewinner John Paul White, feiert die Art von Liebe, die mit Narben und Alter kommt, mit der Zeile ‘People think we’re past our prime but I say we got here just in time’, die wie eine Hommage an zweite Chancen wirkt. Der Titeltrack ist sowohl eine Ode an die Appalachen als auch ein Statement der Widerstandskraft nach der Verwüstung durch den Hurrikan Helene 2024 im Westen North Carolinas. ‘Dirtbag Saloon’ ist ein scharfes Kommentar zu Gentrifizierung und wirtschaftlicher Ungleichheit, verpackt in einen leichten Country-Walzer. Robinson verwandelt alltägliche Szenen, unbezahlte Rechnungen und Schultern zum Weinen in Poesie, die an ihren Mentor John Prine erinnert. “Appalachia” beweist, warum Robinson zwei 9+ bewertete Alben vorzuweisen hat und zeigt, dass amerikanische Roots-Musik in besten Händen ist. (Jan Vranken) (9/10) (Oh Boy Records)
Cast – Yeah Yeah Yeah
Die britischen Britpop-Veteranen Cast kehren mit dem Album “Yeah Yeah Yeah” zurück und liefern genau die Energie, die Fans des Genres erwarten. John Power und seine Band beweisen, dass ihr Sinn für Melodie noch immer lebendig ist. Singles wie ‘Love Is The Call’ und der Titelsong ‘Yeah Yeah Yeah’ setzen sofort den Ton mit klingelnden Gitarren und mitsingbaren Refrains. Obwohl die Band keinen neuen Sound erfindet, wirkt die Produktion frisch und dringend. Die Texte auf “Yeah Yeah Yeah” sind optimistisch und strahlen wiederentdeckte Spielfreude aus, die ansteckend ist. Im Vergleich zu ihrer Arbeit in den 1990er Jahren klingt die Band jetzt reifer und ausgewogener. Der Aufbau der Songs folgt klassischen Gitarrenpop-Prinzipien, wobei jeder Vers organisch in einen großen Refrain übergeht. Das Album bildet ein solides Ganzes ohne schwache Momente. Für treue Fans ist dies eine willkommene Ergänzung zur Diskografie einer Band, die noch lange nicht ausgelöscht ist. (William Brown) (7/10) (Cast Recordings)






