Übersicht über die Albumrezensionen: Howling Bells, Liz Young und mehr

Jede Woche treffen Dutzende neuer Alben in der Redaktion von Maxazine ein. Viel zu viele, um sie alle anzuhören, geschweige denn zu rezensieren. Eine Rezension jeden Tag bedeutet, dass zu viele Alben zurückbleiben. Und das ist eine Schande. Deshalb veröffentlichen wir heute eine Übersicht der Alben, die in Kurzrezensionen in der Redaktion eintreffen.

Foto (c) Jorge Fakhouri Filho

Aleph Aguiar – Sugar On My Blackbeans

Eine Zeitmaschine. Legt man dieses dritte Album des venezolanischen Gitarristen Aleph Aguiar auf, reist man sofort zurück in die 1960er, die Zeit, in der Latin seinen Einzug in den Jazz hielt. Die Samba-Rhythmen ließen sich hervorragend mit einer traditionellen Combo kombinieren, wobei die Rolle der E-Gitarre immer prominenter wurde, was den Jazzpuristen ein Graus war. Die Entwicklung konnte nicht mehr gestoppt werden: mit Salsa gewürzter Jazz wurde es enorm populär, bis heute. Auch dieses “Sugar On My Blackbeans” ist einfach ein herrliches Album, nicht zuletzt dank des Quintetts, das Aguiar begleitet, inklusive Flügelhorn und Hammond. Der Titelsong “Sugar On My Blackbeans” fasst den Geist des Albums zusammen: rhythmisch funkelnd, fröhlich und mit einem unwiderstehlichen Groove. In einigen Stücken verarbeitet der Gitarrist sogar Einflüsse seiner venezolanischen Wurzeln, wie den ‘joropo’, einen Rhythmus eines Nationaltanzes, zu hören in ‘Blue Tourpials’. Natürlich nimmt Aguiar gelegentlich auch Tempo heraus, wie im ruhigen ‘Little Daisy’. Eine zusätzliche Dimension ergibt sich daraus, dass das Album live auf Band in nur zwei Tagen aufgenommen wurde. Diese Energie hört und spürt man. Aguiar selbst ist in Topform: melodisch, rhythmisch scharf, virtuos. “Sugar On My Blackbeans” wird viele Liebhaber des Latin Jazz ansprechen. (Jeroen Mulder) (7/10) (Aleph Aguiar)

Joseph Carré – Ultrason

Mit “Ultrason” liefert Joseph Carré (das Alter Ego von Marc Lavigne) ein ambitioniertes drittes Album, das den Zuhörer auf eine kosmische Reise voller emotionaler Tiefe mitnimmt. Das Album beginnt mit dem Instrumental ‘l’Opéra de l’Espace’ und endet mit ‘Mission : Voyage’, wodurch das Weltraumthema als roter Faden durch das Album läuft. Musikalisch balanciert Carré zwischen raffinierter Popmusik und roher Intensität. Lieder wie ‘Ultralégal’ und ‘Le Phénomène’ erforschen Beziehungen und soziale Dynamik mit Humor und scharfen Beobachtungen, während ‘Super Bossa Nova (Charlotte)’ und ‘Une Étoile Populaire’ Ruhm, Sehnsucht und den Verlust von Intimität behandeln. Das kurze, fragmentarische ‘Système I Système II’ bildet eine interessante Atempause. Die Produktion von Nicolas Roberge und die Arrangements von Carl Bastien verleihen “Ultrason” einen reichen, geschichteten Klang. Synthesizer, Streicher, Saxophon und modulare Synths schaffen ein üppiges Klanguniversum, in dem Lavignes charakteristische Stimme im Mittelpunkt steht. Ein Album, das wiederholtes Hören verlangt. (Elodie Renard) (8/10) (CentreVille)

IREKE – Ayô Dele

Der Opener ‘Tout Est Bizarre’ schmeckt nach allem: Afrobeat, Zouk; alles ist da. Gespielt von Musikern, die ihr Handwerk verstehen, sauber produziert, nichts zu beanstanden. Aber auch nicht genug, um richtig loszulegen. Es ist zu ordentlich. Diese Produktion hat keinen Grit. Alles quantisiert, alles an seinem Platz. Bravo. ‘Laissez Passer’ erzählt die gleiche Geschichte: Groove, gut gespielt, alles vorhanden, Vocals, die ihren Job machen, aber man hört mehr die Technik als die Musik, die einen packt. Nayel Hóxò singt in Yoruba, Agnès Hélène auf Französisch, Olivya fügt Kreol hinzu; die Stimmen sind da, bleiben aber höflich. Diese Qualität ist gut, trägt aber wenig zur Palette moderner auf Zouk und Afrobeat basierender Clubmusik bei. Tanzmusik, das ist es. Man kann in seinen weißen Baumwoll-Capris tanzen, ohne etwas zu verschütten. (Jan Vranken) (7/10) (Underdog Records)

Liz Young and the Black Slacks – Rumble Rhythm

Top Cats, Reckless Ones, Reverend Horton Heat, Pepita Slappers. Ab und zu erscheinen Rockabilly-Platten, die hörenswert sind, obwohl viele Bands in diesem Genre stark auf das Erbe von Elvis, Carl Perkins und, viel später aber unübersehbar, Brian Setzer und seinen Stray Cats setzen. Ist das schlimm? Keineswegs. Auch die Drenther Liz Young and the Black Slacks bauen eifrig auf diesem Erbe auf. Dennoch klingt diese Band anders als viele Rockabilly-Gruppen. Zum einen verfügt Liz Young (Nathalie Vroon) über eine Stimme, die die Tapete kräuseln könnte. Dann gibt es die grenzenlose treibende Energie von Schlagzeuger Bart Schouwink und Bassist Freddy Vaanholt, man fragt sich, ob deren Batterien jemals leer werden. Das Geheimnis der Band liegt jedoch in Bas van Dombergs Gitarre, der zudem alle Tracks schrieb. Sein Spiel verleiht “Rumble Rhythm” eine völlig eigene Atmosphäre mit gnadenlosen Riffs und giftigen Soli. Nach ein paar Hördurchgängen bemerkt man, dass er seine Einflüsse nicht nur aus Rockabilly, sondern auch aus Metal zieht und die Gitarre gelegentlich in Drop-D stimmt. Hört besonders auf das Einzige zurückhaltende Stück ‘Mysterious Stranger’ und dann auf das Abschließende ‘Zombie Night’. Vielseitiger kann ein Gitarrist in diesem Genre nicht sein. Brian Setzer, Platz machen. (Jeroen Mulder) (8/10) (Liz Young)

Howling Bells – Strange Life

Wir mussten lange auf das fünfte Album der australischen Indie-Band Howling Bells warten. Ganze 12 Jahre liegen zwischen dem letzten Album “Heartstrings” und dieser Veröffentlichung. In dieser Zeit stellten die Geschwister Juanita und Joel Stein sowie Schlagzeuger Glenn Moule die Musik in den Hintergrund, um sich anderen Dingen zu widmen, wie Familie gründen, andere Jobs annehmen und persönliche Ereignisse verarbeiten. Alle Titel sind sehr persönlich. Einer der Singles, ‘Sweet Relief’, handelt von einem Freund mit Suchtproblemen. Der persönlichste Song auf “Strange Life” ist ‘Melbourne’, geschrieben von Sängerin Juanita Stein nach dem Tod ihres Vaters. Juanita Stein hat eine angenehme Stimme, die gut zur melancholischen Musik der Band passt. Der beste Song ist ‘Angel’, auf dem Juanita Stein wie ‘unsere’ Anneke van Giersbergen klingt. Wer rauen Indie-Rock mag, der sich wie ein Filmsoundtrack anhört, für den ist “Strange Life” genau das richtige Album. (Ad Keepers) (7/10) (Nude Records)

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