Übersicht über die Albumrezensionen: Hilary Duff, James Brandon Lewis und mehr
Jede Woche treffen Dutzende neuer Alben in der Redaktion von Maxazine ein. Viel zu viele, um sie alle anzuhören, geschweige denn zu rezensieren. Eine Rezension jeden Tag bedeutet, dass zu viele Alben zurückbleiben. Und das ist eine Schande. Deshalb veröffentlichen wir heute eine Übersicht der Alben, die in Kurzrezensionen in der Redaktion eintreffen.
Dorea – O Que Mais Você Quer Saber De Mim
Was willst du noch mehr über mich wissen? Diese Frage stellt der brasilianische Singer-Songwriter Dorea auf seinem zweiten Studioalbum. Einen besseren Titel hätte er kaum wählen können. Seine tiefsten Gefühle bilden die äußerst verletzlichen Themen der elf Stücke. Für viele Hörer bleiben Fragen, Zweifel und Intimität im brasilianischen Portugiesisch verborgen, doch die Musik spricht dennoch Bände, auch wenn diese Intimität mit flüsterndem Gesang gelegentlich beklemmend wirkt. Dennoch lohnt es sich weiterzuhören: Mit “O Que Mais Você Quer Saber De Mim” liefert Dorea ein abwechslungsreiches Album, von zurückhaltendem Folk bis zu Rock- und Blues-Einflüssen, bei denen Stimme und Gitarre stets im Mittelpunkt stehen. Die (vielleicht zu) zerbrechliche Stimme und das feine Gitarrenspiel bestehen in subtilen Arrangements mit Percussion und Bläsern. Diese Musik braucht keinen Schmuck, er würde nur die Authentizität mindern. Man hört die tieferen Ebenen und fragilen Nuancen, auch in schnelleren Stücken wie “Maria Milhões” und “Essa Pressa”, besonders aber im reduzierten “Sem Ancorar” und “Meu Lugar”. Letzteres enthält zudem eine technisch sehr anspruchsvolle Gesangslinie, in der Dorea eine Art Duett mit einem Saxophon eingeht. In solchen Momenten hört man, dass der Brasilianer ein hervorragender Komponist ist. Eine schöne Platte für träge Sommerabende. Sie werden sicher wiederkommen. (Jeroen Mulder) (7/10) (AJABU!)
The Messthetics & James Brandon Lewis – Deface the Currency
Nach 150 Konzerten in einem Jahr kehren The Messthetics und der Saxophonist James Brandon Lewis mit “Deface the Currency”, ihrer zweiten Zusammenarbeit beim legendären Label Impulse, zurück. Records. Die Band, gebildet aus der Rhythmussektion der Post-Hardcore-Pioniere Fugazi, Bassist Joe Lally und Schlagzeuger Brendan Canty, ergänzt durch Gitarrist Anthony Pirog, klingt nun wie eine perfekt geölte Maschine, die Genres mit Freude zertrümmert. Der Titelsong eröffnet mit Pirogs schneidender Gitarre und Lewis’ skronkendem Saxophon im hitzigen Duell; “Gestations” legt eine Bebop-Melodie über einen straffen Funk-Groove und das walzerartige “Universal Security” driftet genüsslich in kosmisches Chaos. “Serpent Tongue (Slight Return)” beendet das Album mit der Erinnerung, dass Punk hier ebenso präsent ist wie Jazz. Mit nur sieben Songs und 36 Minuten ist “Deface the Currency” knapp, aber explosiv, ein Album, das die Balance zwischen Komposition und Improvisation souverän hält. (Elodie Renard) (8/10) (Impulse!)
Megan Moroney – Cloud 9
Auf ihrem dritten Studioalbum “Cloud 9”, erschienen bei Columbia Records, zeigt Megan Moroney, dass sie ihren Platz in der Countrymusik gefunden hat. Zuvor gelang ihr der Durchbruch mit “Tennessee Orange” und “Am I Okay?”; nun klingt sie selbstbewusster denn je. Der Titelsong beginnt mit einem sanften Midtempo-Schimmer, während “Change of Heart” vor Pop-Punk-Energie explodiert. “Bells & Whistles” mit Kacey Musgraves ist ein feines Messer: zugleich einfühlsam und scharf. Ed Sheeran ist im rootsigen, herzzerreißenden “I Only Miss You” zu hören. “Liars & Tigers & Bears” reflektiert die unmöglichen Erwartungen an Frauen in der Musikindustrie, und der Abschlusstrack “Waiting on the Rain” endet mit einem filmischen Streicherarrangement und Hintergrundgesang von Jamey Johnson. Das Songwriting ist mitunter weniger konkret als auf früheren Arbeiten, doch die emotionale Treffsicherheit und breite Zugänglichkeit von “Cloud 9” machen es zu ihrem bislang vollständigsten Album. (William Brown) (8/10) (Columbia)
Vinyl Floor – Balancing Act
“Balancing Act” ist das sechste Album dieser dänischen Pop-Rock-Band. Das Album erscheint auf ihrem eigenen Label Karmanian Records. Vinyl Floor besteht aus den Brüdern Daniel und Thomas Charlie Pedersen. Auf “Balancing Act” werden sie von verschiedenen Gastmusikern unterstützt, darunter der schwedische Multiinstrumentalist Bebe Risenfors, bekannt von Tom Waits, der dänische Geiger Christiaan Ellegaard und der amerikanische Gitarrist Daniel Hecht. In den Presseinformationen steht, dass Vinyl Floor melodischen Rock mit progressiven und symphonischen Elementen spielt. Dem stimme ich nicht ganz zu. Das einzig Progressive oder Symphonische ist der Einsatz von Instrumenten, die im Pop-Rock selten zu hören sind. Erwartet keine komplizierten Taktarten oder ausgedehnten Kompositionen. “Balancing Act” ist ein angenehmes Pop-Rock-Album, das Fans der B-52’s, von Weezer, Radiohead und sogar Liebhaber von Singer-Songwritern wie Simon and Garfunkel ansprechen wird. (Ad Keepers) (7/10) (Karmanian Records)
Hilary Duff – luck… or something
Nach mehr als zehn Jahren Stille ist die Amerikanerin Hilary Duff mit ihrem sechsten Studioalbum “luck… or something” zurück, veröffentlicht bei Atlantic Records und mitproduziert von ihrem Ehemann Matthew Koma. Das Album umfasst elf Songs und markiert einen deutlichen Wandel von der glänzenden Electropop-Ästhetik von “Breathe In. Breathe Out.” hin zu ehrlicherer, singer-songwriter-geprägter Popmusik. Die Leadsingle “Mature” behandelt mit Selbstironie das Muster älterer Männer, junge Frauen als für ihr Alter reif zu bezeichnen, während “Roommates” die schleichende Langeweile in einer Ehe mit treffenden Bildern beschreibt. “We Don’t Talk” verarbeitet die schmerzhafte Entfremdung von ihrer Schwester Haylie in einem emotionalen, aber nie theatralischen Stück, und “Growing Up” zitiert ein Blink-182-Sample, um die Millennial-Generation zu spiegeln. Der Schlusstrack “Adult Size Medium” beendet das Album introspektiv. Duff klingt zugleich selbstsicher und verletzlich, auch wenn nicht jeder Song gleich stark ist und dem Album stellenweise der Funke fehlt, der ihre frühen Werke so einprägsam machte. (William Brown) (6/10) (Atlantic Records)






