Rob Lalain – The Way We Were
Rob Lalain ist nicht die Art von Künstler, die man in der heutigen Musikwelt erwartet. Der Singer-Songwriter aus Michigan legte 1999 seine Gitarre beiseite, um sich ganz der Erziehung seiner Kinder zu widmen, und kehrte erst während der Lockdowns im Jahr 2020 ins Studio zurück. Seitdem hat er eine bemerkenswerte Reihe von Alben veröffentlicht, darunter das gut aufgenommene “Life” aus dem Jahr 2024. Mit “The Way We Were”, erschienen am 23. Januar 2026, setzt Lalain seine Renaissance mit einem Werk fort, das möglicherweise sein persönlichstes bisher ist.
Das Album basiert auf einem melodischen Rockfundament, das deutlich der Songwriting-Tradition von The Beatles und Paul McCartney verpflichtet ist. Lalain spielt fast alle Instrumente selbst: Epiphone- und Martin-Gitarren, Hofner-Bass, Klavier und Keyboards bilden den Kern, ergänzt durch sparsam, aber wirkungsvoll eingesetzte Streicher und Bläser. Die Produktion ist klar und aufgeräumt, frei von unnötigem Glanz. Das passt zu einem Künstler, der den Song über den Klang stellt.
Die Klarheit der Produktion gibt seinem ehrlichen Gesang den Raum, das emotionale Gewicht des Materials zu tragen. Dieser Ansatz funktioniert besonders gut beim Opener “Day or Night”, der mit schimmernden Gitarren und einer selbstbewussten Gesangslinie eine warme Stimmung erzeugt, die zwischen nachdenklichen Strophen und einem energiegeladenen Refrain wechselt. “Fire”, gemeinsam mit Sean Weyers geschrieben, ist der leichteste Moment des Albums: ein sommerlicher Track mit eingängiger Basslinie und pizzicato gespielten Streichern, die den Groove sofort verankern.
Songs wie “No More”, “A Song For You” und “Since You’ve Been Gone” tragen ein größeres emotionales Gewicht und entstanden in der Zeit, als Lalain mit der Krankheit und dem späteren Tod seines Vaters konfrontiert war. Er begegnet dieser Trauer mit Zurückhaltung statt Dramatik, und genau das verleiht diesen Liedern ihre Stärke. “A Song For You” ist das ruhige, intime Juwel des Albums, während der Titelsong als Höhepunkt hervorsticht, in dem sich seine Stimme mit der einer Sängerin in einem Frage-Antwort-Spiel verbindet, das den Song über die anderen erhebt.
“A Thousand Times” beginnt mit einer zarten Klaviereinleitung, die sich allmählich zu einem breiten harmonischen Höhepunkt mit dem gesamten Ensemble aufbaut, während “I Want to Tell You” durch seine inspirierte Komposition und emotionale Aufrichtigkeit hervorsticht. Der Abschlussstrack “All You Need is to Believe in Love” setzt bewusst auf Optimismus und bildet einen sanften Abschluss einer zutiefst persönlichen Geschichte.
Es gibt jedoch auch Einschränkungen. Das Album verlässt selten vertrautes Pop-Rock-Terrain und bietet wenig Überraschungen für Hörer, die mit dem Genre vertraut sind. Die Songstrukturen sind zuverlässig, aber vorhersehbar, und wer musikalische Risiken sucht, wird hier wenig Herausforderung finden. Lalains Stimme trägt das Material konstant, fehlt jedoch gelegentlich die markante Ausdruckskraft, die aus einem guten Song einen Unvergesslichen macht. Die zweite Hälfte des Albums ist zwar solide, hält aber nicht immer das emotionale Niveau der ersten Stücke.
Dennoch ist “The Way We Were” ein ehrliches und gelungenes Album. Es wirkt weniger wie eine klassische Studioveröffentlichung als wie ein persönliches Dokument, geprägt von Erinnerung, Verlust und der stillen Beharrlichkeit der Hoffnung. Für Liebhaber von melodischem, aufrichtigem Rock mit einem Bezug zu den Klassikern ist es empfehlenswert. Lalain zeigt, dass eine Rückkehr nach mehr als zwei Jahrzehnten kein Trick sein muss, sondern eine zweite Chance, die er mit beiden Händen ergriffen hat. (7/10) (Lalain Songs)

