Übersicht über die Albumrezensionen: Love Ghost, Squarepusher und mehr
Jede Woche treffen Dutzende neuer Alben in der Redaktion von Maxazine ein. Viel zu viele, um sie alle anzuhören, geschweige denn zu rezensieren. Eine Rezension jeden Tag bedeutet, dass zu viele Alben zurückbleiben. Und das ist eine Schande. Deshalb veröffentlichen wir heute eine Übersicht der Alben, die in Kurzrezensionen in der Redaktion eintreffen.
People in Orbit – Viewpoints
Ein Blick auf die Titel genügt, um zu erkennen, dass man es mit einem Konzeptalbum einer Band zu tun hat, die sich selbst nicht allzu ernst nimmt, auch wenn das Interpretationssache sein mag. Damit ist auch das Thema des Albums klar: Perspektive und Interpretation. Wir sehen die Dinge nicht so, wie sie sind, sondern so, wie wir sind. Oder wie wir hören. People in Orbit, ein Quintett aus dem schwedischen Malmö, verpackt diese philosophische Fragestellung in eine Mischung aus Jazzrock und Elektronik mit Einflüssen aus dem traditionellen Jazz. Das Rückgrat von “Viewpoints” bildet “Cycles”, inklusive des Präludiums, eine fünfteilige Suite. Ein Titel wie “Bombastic and Majestic Introduction” weckt große Neugier und wirft die Frage auf, ob er hält, was er verspricht. Gründer und Trompeter Adam Sass sowie Saxofonist Edin Ekman können sich in den Improvisationen voll entfalten. Dieser Freiraum ist vorhanden, doch alles bleibt sauber strukturiert. Die Kompositionen auf “Viewpoints” sind durchdacht, ebenso die Arrangements. Die Schweden halten die Spannung aufrecht, indem sie ständig mit Dynamik spielen, innerhalb und zwischen den Tracks. Der Vergleich mit Weather Report drängt sich auf, auch wenn die Schweden weniger flamboyant und eher zurückhaltend sind. Ein möglicher Kritikpunkt ist, dass People in Orbit manchmal etwas zu sehr auf der Bremse stehen. (Jeroen Mulder) (7/10) (April Records)
Squarepusher – Kammerkonzert
Mit “Kammerkonzert” wagt sich Tom Jenkinson, besser bekannt als Squarepusher, erstmals vollständig in die Welt der Kammermusik. Der Titel ist Programm: vierzehn Stücke, aufgebaut auf Streicher, Fortepiano, Vibrafon, Holzbläser und Live-Schlagzeug, alle von Jenkinson selbst über ein MIDI-Gitarrensystem gespielt und programmiert. Die bekannte IDM-Struktur bleibt erkennbar, doch die üblichen elektronischen Klänge wurden durch akustische Instrumente ersetzt, was zu einem zugleich intellektuellen und lebhaften Album führt. “K7 Museum” ist der eingängigste Moment, mit einem Zusammenspiel aus Cembalo und Slapbass, das zwischen Mozart und Miles Davis schwebt. Auf “K5 Fremantle” treffen unheimliche Drones auf Pizzicato-Klänge. Die Singles “K2 Central” und “K13 Vigilant” zeigen Jenkinsons Fähigkeit, überraschende Texturwechsel zu schaffen, ohne den Kern seines Sounds zu verlieren. “Kammerkonzert” ist nicht sein experimentellstes Werk, aber es ist präzise und intelligent umgesetzt. (Tobias Braun) (7/10) (Warp)
El Ten Eleven – Nowhere Faster
Das Post-Rock-Duo El Ten Eleven aus Los Angeles veröffentlicht mit “Nowhere Faster” sein sechzehntes Werk nach der längsten Pause in 23 Jahren Zusammenarbeit. Thematisch ist das Album von Unruhe und Vergänglichkeit geprägt, was in den acht Tracks von Kristian Dunn und Tim Fogarty deutlich hörbar ist. Neu sind Live-Streicher und Klavier, die erstmals in ihrer Diskografie auftauchen und Stücken wie dem Titeltrack und “You Against You” eine filmische Note verleihen. Das Album ist in zwei Hälften unterteilt: Die ersten vier Stücke drehen sich um elektrische Basslinien, die zweite Hälfte um akustischen Bass mit Effektpedalen. “Uncanny Valley Girl” beginnt mit einem Delay-Effekt, den Dunn seit Jahren nicht mehr verwendet hatte, während “Last Night in the Kitchen” die Energie eines klassischen Bond-Themas heraufbeschwört. Der Abschlusstrack “So It Goes” bezieht sich auf Kurt Vonneguts “Slaughterhouse-Five” und endet als Americana-gefärbtes Lamento. Sie klingen weder nach Vergangenheit noch übermäßig risikofreudig. (Anton Dupont) (7/10) (Joyful Noise)
Love Ghost – Anarchy And Ashes
“Anarchy And Ashes” ist das neueste Werk dieser produktiven Alternative-Rock-Band aus Los Angeles. Sänger und Gitarrist Finnegan Bell ist die treibende Kraft hinter Love Ghost. Es ist seine zweite Zusammenarbeit mit Tim Sköld, der dieses Mini-Album produziert hat, jedoch nicht als Musiker beteiligt ist. Ende 2024 veröffentlichte Love Ghost das hochgelobte Album “Love Ghost x Skold”. Zudem arbeitet die Band regelmäßig mit mexikanischen Künstlern wie Wiplash und Adán Cruz zusammen. In diesen grenzüberschreitenden Kooperationen verschmelzen Genres und Sprachen. Die Songs auf “Anarchy And Ashes” sind alle auf Englisch und enthalten neben fünf neuen Titeln zwei Versionen von “Rock Me Amadeus” von Falco. Wer alles sammeln möchte, an dem Finnegan Bell beteiligt ist, braucht wohl eine zweite Hypothek. Fans im Stil von Marilyn Manson und Skold sollten eher zu anderen und längeren Alben greifen. Dieses Mini-Album wirkt eher überflüssig. (Ad Keepers) (6/10) (Metropolis Records)
Blaudzun – The Best Of
Johannes Sigmond ist seit fast 20 Jahren unter dem Namen Blaudzun aktiv und hat seit 2008 neun Alben veröffentlicht. Eine Compilation war also längst überfällig. Man kann sich fragen, ob solche Veröffentlichungen im Jahr 2026 noch relevant sind, da Streamingdienste Playlists ermöglichen. Dennoch ist es wertvoll, wenn der Künstler selbst auswählt, was zu seinem Werk gehört. Blaudzun bemerkte zudem, dass er The Beatles und The Cure selbst über Compilations kennengelernt hat. Sie dienen auch als Einstieg. Nun gibt es also “The Best of Blaudzun”. Es bietet einen schönen Überblick, von “Wolf’s Behind The Glass” bis zu größeren Produktionen wie “Bonfire” vom Album “Latter Days”. Alle 17 Songs sind hochwertig. Einziger Kritikpunkt ist das Fehlen des Hits “Who Took The Wheel”. (Peter van Cappelle) (9/10) (V2 Records)






