Perlen der Popmusik: Die Geschichte hinter Robbie Nevil – “C’est La Vie”

Manche Songs scheinen aus dem Nichts aufzutauchen und sofort überall gleichzeitig zu sein. “C’est la Vie” von Robbie Nevil ist ein solcher Song. Er klingt leicht, fröhlich und beinahe unbekümmert, doch hinter diesem fröhlichen Gitarrenriff und dem eingängigen Refrain steckt eine Geschichte von jahrelanger harter Arbeit, Zweifel und schließlich einem Durchbruch, den niemand wirklich hatte kommen sehen. Ende 1986 eroberte die Single die Charts von Nordamerika bis Skandinavien, und Jahrzehnte später klingt sie noch immer frisch genug, um auf jeder Achtziger-Jahre-Playlist zu stehen. Dies ist die Geschichte hinter einem der am meisten unterschätzten Popjuwelen dieser Zeit.

Robbie Nevil

Robert S. Nevil wurde am 2. Oktober 1958 in Los Angeles geboren. Als Elfjähriger nahm er zum ersten Mal eine Gitarre in die Hand und spielte schon bald in einer Coverband nach der anderen, aufgewachsen mit der Musik von Stevie Wonder und Earth, Wind & Fire als großen Inspirationsquellen. Diese Einflüsse sind in seinem späteren Werk deutlich zu hören, in dem Funk, Soul und Pop mühelos ineinander übergehen.

Bevor er selbst überhaupt eine Platte veröffentlichte, machte sich Nevil als Songwriter einen Namen. 1983 erhielt er einen Publishing-Vertrag und schrieb Songs für etablierte Künstler wie The Pointer Sisters, Sheena Easton und Melissa Manchester. Es war eine Schule, die seine Fähigkeiten als Texter und Melodienmacher schärfte, doch selbst stand er noch nicht im Rampenlicht.

Erst 1986, nach Jahren im Hintergrund, unterschrieb Nevil einen Plattenvertrag bei Manhattan Records und es wurde beschlossen, dass er auch selbst als Künstler in Erscheinung treten sollte. Es folgte eine kurze, aber intensive Phase des Ruhms. Zwischen 1986 und 1996 stand er als ausübender Künstler im Rampenlicht, während er bis heute als Songwriter und Produzent aktiv blieb, unter anderem mit Beiträgen zum Soundtrack von High School Musical.

C’est la Vie

Das Besondere an “C’est la Vie” ist, dass der Song überhaupt nicht für Nevil selbst geschrieben worden war. Er schrieb den Song gemeinsam mit Duncan Pain und Mark Holding, ursprünglich für Kool & the Gang, doch nachdem diese ablehnten, nahm Beau Williams den Song auf. Der Song war nicht besonders erfolgreich und als das Plattenlabel ihn als Debütsingle für Nevil selbst verwenden wollte, hatte er große Zweifel. Er hielt ihn nicht für eine seiner neuesten oder stärksten Kompositionen und befürchtete, dass er beim Publikum nicht richtig ankommen würde.

Letztlich war es die Beharrlichkeit des ausführenden Produzenten Steve Reed, die den Ausschlag gab. Er war vom Potenzial des Songs überzeugt und bestand darauf, ihn trotzdem als erste Single zu veröffentlichen. Rückblickend erwies sich das als eine der besten Entscheidungen in Nevils Karriere. Der Song wurde von Alex Sadkin und Phil Thornalley produziert, die als Perfektionisten im Studio bekannt waren. Die Aufnahmen sollen sogar Monate gedauert haben, mit zahlreichen wiederholten Takes, um die Gesangsleistung genau richtig hinzubekommen.

Diese Anstrengung zahlte sich aus. “C’est la Vie” kletterte stetig in der amerikanischen Billboard Hot 100 und erreichte im Januar 1987 den zweiten Platz, wo der Song zwei Wochen blieb. Insgesamt verbrachte der Song sechzehn Wochen in den Top 40 und wurde damit Nevils größter amerikanischer Hit aller Zeiten. Auf den Tanzflächen lief es noch besser: Dank eines Remixes von Arthur Baker erreichte die Platte Platz eins der amerikanischen Dance- und Disco-Charts.

Auch außerhalb der Vereinigten Staaten kam der Song enorm gut an. Im Vereinigten Königreich erreichte “C’est la Vie” Platz drei, während er in Kanada und der Schweiz sogar die Nummer eins erreichte. Auch in Deutschland, Irland, Neuseeland und Schweden schaffte es die Single in die Top drei. Damit entwickelte er sich zu einem weltweiten Hit, der in Dutzenden Ländern die Charts erreichte, von Australien bis Spanien.

Musikalisch passte “C’est la Vie” genau zum Zeitgeist der Mitte der Achtzigerjahre, einer Phase, in der tanzbare Popmusik mit einem Hauch von R&B und Funk die Charts dominierte. Der Song teilte diese Atmosphäre mit Zeitgenossen wie Level 42, Wham! und Hall & Oates, Künstlern, die ebenfalls Gitarrenpop mit einer präzisen, tanzbaren Produktion kombinierten. Während sich ein großer Teil dieser Musik damals stark auf Synthesizer stützte, fiel “C’est la Vie” gerade durch den prominenten Gitarrenpart auf, der dem Song einen etwas organischeren Klang verlieh als vielen seiner Synthpop-Zeitgenossen.

Sugar Beats

Ein Song, der sich so tief in das kollektive Gedächtnis einer Generation eingegraben hat, bleibt auch anderen Künstlern nicht verborgen. So veröffentlichte die amerikanische Gruppe Sugar Beats 2008 eine eigene Version von “C’est la Vie”. Sugar Beats ist ein Musikprojekt, das bekannte Popklassiker aus den Achtziger- und Neunzigerjahren in einer zugänglichen, kinderfreundlichen Version neu einspielt, mit dem Ziel, jungen Hörern zeitlose Popmusik näherzubringen.

Ihre Version von “C’est la Vie” behielt die erkennbare Melodie und die fröhliche Grundstimmung des Originals bei, jedoch mit einer leichteren, spielerischeren Interpretation, die zu ihrer Zielgruppe passte. Es ist ein schönes Beispiel dafür, wie ein Song, der einst für die Tanzfläche gedacht war, Jahrzehnte später bei einer völlig anderen Generation von Hörern ein völlig neues Leben bekommen kann, ohne dass der Kern des Liedes verloren geht.

Robbie Nevil

Das gleichnamige Debütalbum “Robbie Nevil” erschien im November 1986, kurz nach dem Erfolg der ersten Single. In den Vereinigten Staaten erreichte das Album Platz siebenunddreißig der Billboard 200 und blieb dort fast ein Jahr lang zu finden, ein Zeichen dafür, dass das Album nicht nur von einer Hitsingle getragen wurde, sondern eine breitere Anziehungskraft besaß.

Im Vereinigten Königreich wurde das Album sogar in “C’est la Vie” umbenannt, nach der Single, die dort so erfolgreich gewesen war, und wurde zu einem kleinen Hit, als es im Juni 1987 Platz dreiundneunzig erreichte. Das Album enthielt zehn Titel, darunter “Just a Little Closer”, “Limousines”, “Back to You” und “Walk Your Talk”, und wurde von demselben Team produziert, das für die gelungene Produktion des Titelsongs verantwortlich war. Insgesamt brachte die Platte drei Singles hervor, die die amerikanischen Top 20 erreichten, eine Leistung, mit der nur wenige Debütalben dieser Zeit mithalten konnten.

Wot’s It to Ya

Nach dem Erfolg von “C’est la Vie” folgte zunächst noch die Single “Dominoes”, die Platz vierzehn der amerikanischen Charts erreichte, und anschließend “Wot’s It to Ya”. Letzterer erwies sich als hervorragender Nachfolger und kletterte auf Platz zehn der Billboard Hot 100, womit er wie seine beiden Vorgänger die Tanzflächen und Radioprogramme eroberte. Auch in den amerikanischen Dance- und Disco-Charts schnitt der Song hervorragend ab und erreichte ebenfalls Platz zehn.

Mit drei Top-20-Hits vom selben Album bewies Nevil, dass sein Debüt kein Zufallstreffer war, sondern das Ergebnis jahrelanger Erfahrung als Songwriter, der endlich seine eigene Stimme gefunden hatte. Dennoch sollte keine seiner späteren Singles jemals den Erfolg von “C’est la Vie” erreichen, etwas, das ihn in den folgenden Jahren vor allem als Künstler mit einem unvergesslichen Durchbruchshit prägte.

“C’est la Vie” kam genau zum richtigen Zeitpunkt heraus. Der Song fasste die Energie einer Ära in weniger als viereinhalb Minuten Musik zusammen und tat dies mit einer Leichtigkeit, die vielen Zeitgenossen fehlte. Die Geschichte hinter dem Song, von einem Songwriter, der sein eigenes Material jahrelang nicht gut genug fand, bis hin zu einem weltweiten Hit, der in Dutzenden Ländern die Charts erreichte, zeigt genau, wie unvorhersehbar der Weg zu einem Popklassiker sein kann.

Fast vierzig Jahre später taucht der Song noch immer auf, auf Compilations, in Coverversionen und auf jeder Party, auf der die Achtziger gefeiert werden. Das ist vielleicht der beste Beweis dafür, dass ein gut geschriebener Popsong, ganz gleich, wie unsicher sein Schöpfer selbst darüber gewesen sein mag, letztlich ein Eigenleben entwickelt.

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