Übersicht über die Albumrezensionen: Bloc Party, Artvark und mehr
Jede Woche treffen Dutzende neuer Alben in der Redaktion von Maxazine ein. Viel zu viele, um sie alle anzuhören, geschweige denn zu rezensieren. Eine Rezension jeden Tag bedeutet, dass zu viele Alben zurückbleiben. Und das ist eine Schande. Deshalb veröffentlichen wir heute eine Übersicht der Alben, die in Kurzrezensionen in der Redaktion eintreffen.
Sylvan Esso – Ow ∞
Sylvan Esso selbst nennen ‘Ow ∞’ einen freien Fall, und nach ein paar Stücken fühlt sich das bereits richtig an. Amelia Meath und Nick Sanborn haben sich vier Jahre Zeit genommen, und das ist in der Fülle an Ideen zu hören, die manchmal gemeinsam, manchmal getrennt voneinander hervortreten. ‘Hot Slob’ präsentiert das Album als chaotisch und schamlos, während ‘Concrete Glen’ um ein Sample von Sigur Rós herum eine nächtliche Benommenheit aufbaut. Auffällig ist, dass viele Songs bewusst unfertig klingen, mit Stimmen, die sich als der erste Take herausstellten, und Rhythmen von nicht weniger als sechs verschiedenen Schlagzeugern, die miteinander vermischt wurden. Die Idee ist interessanter als die Umsetzung, denn nicht jeder Song gewinnt durch diesen lockeren Ansatz. ‘Right to Left’ und ‘On & On’ überzeugen jedoch, mit einer Klarheit, die an anderer Stelle fehlt. An anderen Stellen versinkt das Album in Wiederholungen, ohne etwas Neues hinzuzufügen. Sylvan Esso bleibt ein faszinierendes Duo, aber ‘Ow ∞’ hätte durch etwas mehr Zurückhaltung im Studio an Schärfe gewonnen. (William Brown) (7/10) (Psychic Hotline)
Ibibio Sound Machine – Chopping Mountain
Auf ‘Chopping Mountain’ baut Ibibio Sound Machine auf dem Sound auf, der die Londoner Band bereits seit sechs Alben prägt, einer Mischung aus Afrobeat, Disco, Funk und Post-Punk. Produzent Max Grunhard, innerhalb der Gruppe auch Saxofonist und Keyboarder, übernimmt zum ersten Mal seit ‘Doko Mien’ wieder selbst die Leitung, und das funktioniert gut. Sängerin Eno Williams wechselt mühelos zwischen Englisch und Ibibio, was ‘Return to Sender’ eine zusätzliche Ebene der Dringlichkeit verleiht. Der Song, der aus einem Autounfall entstand, den sie als Angriff unsichtbarer Kräfte beschreibt, ist einer der stärksten Momente des Albums. ‘Concept of Love’ beginnt mit einer Frage, die der Vocoder wiederholt, bis sie sich festsetzt, getragen von einem Afro-Disco-Rhythmus, dem nur schwer zu widerstehen ist. ‘Give Me Peace’, mit einem Gastauftritt von Dele Sosimi, lebt von einer einfachen, aber wirkungsvollen Refrainzeile. Das Album verliert gegen Ende hier und da etwas an Schwung, aber die Energie der Band bleibt weitgehend erhalten. Ibibio Sound Machine zeigt erneut, dass Gemeinschaftssinn und Tanzbarkeit einander nicht ausschließen müssen. (Tobias Brown) (8/10) (Merge Records)
Adrian Younge – Afro-Disco Makossa
Auf ‘Afro-Disco Makossa’ stellt Adrian Younge eine Frage, die sofort neugierig macht, was hätte ein ghanaischer Produzent 1976 gemacht, wenn er eine amerikanische Disco-Platte für sein eigenes Publikum hätte aufnehmen wollen. Die Antwort ist kompakt, sechs Stücke lang und atmet die analoge Wärme, die Younge über sein Label Jazz Is Dead bereits in Zusammenarbeiten mit Tony Allen und Ebo Taylor gezeigt hat. Der Opener ‘Feel The High Life’ gibt mit strahlenden Bläsern und einer Rhythmusgruppe, die sich geschmeidig mitbewegt, den Ton an. ‘Shake Down’ und ‘Number One’ treiben das Ganze noch weiter auf die Tanzfläche, mit Bassläufen, die wie Gummi zurückfedern. ‘Fire In The Disco’ fügt mit Keyboards, die ebenso gut in einen Soundtrack passen würden, eine filmische Ebene hinzu. Der Titeltrack beendet alles ruhig, wie ein letzter Tanz, bevor die Lichter angehen. Younge verbindet Makossa, Afrobeat und Disco, ohne einen dieser Stile zu einem bloßen Hintergrund zu reduzieren. Ein kurzes, zielgerichtetes Album, das genau weiß, was es sein will, und das auch einlöst. (Elodie Renard) (8/10) (Linear Labs)
Artvark – Four Fathers
Der Kern von Artvark sind nach wie vor die vier Saxophone. Trotzdem klingt das Artvark Saxophone Quartet auf ‘Four Fathers’ etwas anders, aber auch auf diesem Album zeigen Rolf Delfos, Bart Wirtz, Mete Erker und Peter Broekhuizen, wie reich die Klangpalette des Saxophons ist. War das vorherige Album ‘Mother of Thousand’ eine Hommage an die Mutterschaft, stehen nun in fünfzehn Kompositionen die vier Väter im Mittelpunkt. Vier unterschiedliche Väter, und das ergibt ein vielseitiges Album, das trotz der sparsamen Besetzung keine Sekunde langweilig wird. Im Gegenteil, man hört in den Stücken ständig etwas Neues. Vom zurückgenommenen ‘The Persistent Hum’ geht es beispielsweise zum frivoleren ‘Slidin’ and Ridin’’, auf dem Artvark übrigens zusätzliche Instrumentierung in Form von Elektronik und Percussion einsetzt. Der Schwerpunkt auf ‘Four Fathers’ ist das Triptychon ‘Give Me Quiet’. In diesen drei Stücken hört man, was die Musik von Artvark einzigartig macht: Atem. Alles hat Raum zum Atmen, und diesen Atem hört man. Mit jedem Atemzug entsteht die Spannung des Wartens darauf, welcher Ton auf diesen Atemzug folgt. Die Stille zwischen Ein- und Ausatmen ist mindestens genauso wichtig wie der Ton selbst. Artvark wagt es, diese Stille bestehen zu lassen, ohne sie sofort füllen zu wollen. Vier Saxophonisten atmen, hören auf den Atem der anderen, reagieren darauf und lassen manchmal bewusst etwas Unfertiges in der Luft hängen. Dadurch wird ‘Four Fathers’ beinahe körperlich spürbar. Man hört nicht nur die Instrumente, sondern auch die Menschen dahinter. Und vielleicht liegt genau darin die Stärke dieses Albums: Musik entsteht hier nicht nur aus Tönen, sondern auch aus dem Bruchteil einer Sekunde, in dem diese Töne noch nicht da sind. (Jeroen Mulder) (8/10) (Dox Records)
Bloc Party – Anatomy Of A Brief Romance
Bloc Party klingt auf ‘Anatomy Of A Brief Romance’ hungriger als seit Jahren. Die Band liefert ein Album ab, das den Verlauf einer Beziehung genau verfolgt, vom ersten Funken bis zu den Folgen, und das ohne Umschweife. Produzent Trevor Horn verleiht den Gitarren von Russell Lissack mehr Glanz, aber die scharfen Kanten bleiben erhalten. Der Opener ‘Coming On Strong’ gibt mit einem bedrohlichen Bass und einem Refrain, der einem die Kehle zuschnürt, sofort den Ton an. ‘Love Bombs’ baut auf Synthesizern auf, die wie ein Kurzschluss knistern, während Kele Okereke über eine Liebe singt, die zu schnell zu groß wird. Weiter hinten schlägt die Stimmung um. ‘Worst Birthday Ever’ ist bitter und direkt, ‘Now We Can’t Be Friends’ bringt den Schmerz dagegen auf die Tanzfläche. Nicht jeder Song hält das gleiche Tempo, und gegen Ende lässt die Spannung etwas nach. Trotzdem bleibt dies ein Album, das sich musikalisch und emotional zu reiben wagt. Bloc Party beweist, dass die Band nach sieben Alben noch immer etwas zu sagen hat und dass sie dies lieber ungeschliffen als sicher tut. (Anton Dupont) (7/10) (cOnTAGIOUS LTD)






