Backstreet Boys lassen Düsseldorf in die Millennium Ära zurückkehren

Nach einer langen Reihe von Shows in Las Vegas war nun Düsseldorf an der Reihe. Die Backstreet Boys brachten ihre ‘Into The Millennium’ Show in die Merkur Spiel Arena und gaben dort gleich zehn Konzerte. Die Tour stand ganz im Zeichen des Jubiläums des Albums “Millennium”, das 1999 erschien. Die Gruppe holte dafür nicht nur die großen Hits dieser Zeit zurück, sondern auch die Choreografien, Outfits und Erinnerungen, die damit verbunden waren.
Auf dem Weg zur Merkur Spiel Arena wurde Düsseldorf am Samstagabend immer weißer. Eine ganze Schar von Fans war auf dem Weg zum Stadion, fast alle in Weiß gekleidet, hier und da ergänzt durch einen ‘Touch of Baby Blue’. Diesen Dresscode hatten die Backstreet Boys im Vorfeld vorgegeben und die Fans hatten sich offensichtlich daran gehalten. Unter den Besuchern waren alle Altersgruppen vertreten. Von Teenagern, die die Backstreet Boys vor allem aus den Geschichten und der Musik ihrer Eltern kannten, bis hin zu Frauen, die die Gruppe bereits in den neunziger Jahren als Teenager verfolgt hatten. Dazwischen lief auch der eine oder andere etwas verloren wirkende Partner mit. Einige offensichtlich mitgeschleppt, andere vermutlich insgeheim wegen ihres eigenen Guilty Pleasures dabei.
Schon beim Betreten der Arena fiel vor allem die Größe der Produktion auf. Hinter der Hauptbühne hing eine riesige Leinwand, die nahezu die gesamte Breite der Arena einnahm. Von der Hauptbühne führte ein langer Catwalk tief in die Halle und endete in einem großen Fünfeck. Dort befand sich eine zweite Bühne, die eigentlich kaum noch als gewöhnliche Bühne bezeichnet werden konnte. Verschiedene Teile konnten einzeln nach oben gefahren werden, sodass die Backstreet Boys während der Show mehrmals aus der Höhe über dem Publikum auftauchten.
Auffällig war, dass die Hauptbühne unter der großen Leinwand nur eine untergeordnete Rolle spielte. Der größte Teil der Show fand auf der Bühne am Ende des Catwalks statt. Dadurch standen die fünf Männer einen großen Teil des Abends mitten im Publikum. Auch der Catwalk wurde immer wieder genutzt und die verschiedenen Konstruktionen sorgten für ordentlich Bewegung in der Höhe.
Die Show begann mit “Larger Than Life”. Aus dem Dach der Arena kamen die fünf Männer auf futuristisch wirkenden Spaceboards herunter und bewegten sich damit in Richtung Bühne. Ein spektakulärer Einstieg, mit dem gleich der erste große Hit des Abends gesetzt wurde. Danach folgten “It’s Gotta Be You” und “As Long as You Love Me”. Am Ende dieses Songs wurden fünf Stühle auf die Bühne gestellt, die anschließend Teil einer gemeinsamen Choreografie wurden. Danach nahmen sich die fünf ausführlich Zeit, das deutsche Publikum zu begrüßen und sich bei Deutschland für den großen Empfang zu bedanken.
Für AJ McLean bekam dieser Moment noch eine persönliche Note. Er erzählte, dass er genau seit fünf Jahren nüchtern sei. Ein besonderer Moment, der AJ sichtlich viel bedeutete und von der gesamten Arena mit lautem Applaus aufgenommen wurde.
Bei “I Want You Back” erschienen fünf Metallklettergestelle auf der mittleren Bühne. Die fünf Männer kletterten hinein und sangen von dort aus weiter. Das gab dem Song noch ein zusätzliches Showelement, ohne dabei von der Musik abzulenken.
Die Bandmitglieder verließen anschließend die Bühne für einen ersten Outfitwechsel. Während dieser kurzen Pause wurden auf den großen Leinwänden Bilder der Band aus den neunziger Jahren gezeigt. Danach kehrten die fünf Männer für “Show Me the Meaning of Being Lonely” auf die Bühne zurück.
Die Stimmung in der Arena war bestens. Nicht nur auf dem Innenraum wurde mitgesungen und getanzt, auch auf den Sitztribünen hielt es viele Fans nicht auf ihren Plätzen. Es wurde gesungen und gekreischt, und als während des Refrains von “I’ll Be the One” der Ton bewusst ausgeblendet wurde, übernahmen zehntausende Stimmen den Gesang.
Während eines Intermezzos blickten die Backstreet Boys auf ihre erste Deutschlandtour zurück. Sie erzählten, dass das Schlafen in den Hotels damals nicht immer ganz einfach gewesen sei. Fans hatten sich nachts vor den Hotels versammelt und immer wieder gesungen: ‘Open the Window’. Für die Jungs bedeutete das vor allem, dass die Nachtruhe regelmäßig etwas später begann als geplant.
Es folgte ein Medley mit Songs des Albums “Millennium”, die nie als Singles veröffentlicht worden waren. Kevin Richardson setzte sich ans Klavier, wodurch dieser Teil der Show deutlich ruhiger wurde. Die große Produktion machte für einen Moment Platz für fünf Männer, ein Klavier und die Musik.
Danach folgte “Drowning”, bevor das Tempo wieder anzog. Für “All I Have to Give” flogen fünf Hüte über den Catwalk in Richtung der Backstreet Boys. Einen Hut kann man natürlich einfach aufheben oder sich reichen lassen. Wenn man aber ein Backstreet Boy ist, lässt man ihn eben durch eine ganze Arena fliegen. Jeder der fünf fing seinen Hut auf und setzte ihn auf, bevor der Song begann. Am Ende folgte erneut eine Choreografie, bei der natürlich auch die Hüte wieder eine Rolle spielten.
Nach einem weiteren Outfitwechsel folgte “Quit Playing Games (With My Heart)”. Ab diesem Moment reihte sich ein großer Hit an den nächsten. Mit “Shape of My Heart”, “I Want It That Way”, “Get Down (You’re the One for Me)”, “We’ve Got It Goin’ On” und “The Call” ging es in hohem Tempo weiter. Es war der Teil des Abends, bei dem eigentlich keine Zeit blieb, auf den nächsten Song zu warten. Noch bevor ein Lied richtig vorbei war, dröhnte bereits die nächste bekannte Melodie durch die Arena.
Die Kombination aus den Songs von 1999, den alten Choreografien und der aufwendigen Produktion machte die Show zu einer gelungenen Zeitreise zurück in die neunziger Jahre. Natürlich sind die fünf Männer inzwischen ein paar Jahrzehnte älter und das war hier und da auch zu sehen. An Energie, Gesang und Bewegung fehlte es ihnen jedoch kaum. Die Choreografien wurden nach wie vor sauber ausgeführt und auch stimmlich stand das Quintett weiterhin sicher auf der Bühne. Mit dem Catwalk, der großen Bühne und den verschiedenen beweglichen Teilen der Konstruktion gab es zudem den ganzen Abend über genug zu sehen.
Für den letzten Song öffnete sich das bewegliche Dach der Merkur Spiel Arena. Die Backstreet Boys starteten mit “Everybody (Backstreet’s Back)” und über der Bühne brach ein Feuerwerk los. Die letzten Töne gingen im Jubel der Arena unter.
Damit war Show Nummer zwei von zehn in Düsseldorf vorbei. Das Publikum hatte den Abend sichtlich genossen. Mehr als 25 Jahre nach “Millennium” wurden die Songs noch immer problemlos aus Tausenden Kehlen mitgesungen. Die Backstreet Boys hatten ihre Vergangenheit ordentlich abgestaubt. Nach diesem Abend war jedoch vor allem eines klar: Im Schrank wird sie so schnell nicht wieder verschwinden.
