Louis Tomlinson – How Did I Get Here?

“How Did I Get Here?” ist das dritte Studioalbum von Louis Tomlinson. Tomlinson ist seit über zehn Jahren in der Musikszene aktiv, davon inzwischen sechs Jahre als Solokünstler. Der ehemalige One Direction-Superstar besitzt einen eigenwilligen Sound, der sich nur schwer einem einzigen Genre zuordnen lässt. Seine Musik ist überwiegend Pop mit Tendenzen zum Rock, vor allem aber sehr kraftvoll, sowohl in der Instrumentierung als auch in den Texten. Nach “Walls” (2020) und “Faith In The Future” (2022) ist es nun an der Zeit, “How Did I Get Here?” seiner Diskografie hinzuzufügen.

“How Did I Get Here?” fasst Tomlinsons Weg durch seine gesamte Karriere, von One Direction bis heute, perfekt zusammen. Es gibt schwächere Momente und Höhepunkte, doch das Album konzentriert sich vor allem auf die Reise selbst und nicht auf das Ziel. Wertschätzung, aber auch Unsicherheit und Traurigkeit sind zentrale Themen. Verpackt in ein tanzbares Gewand entsteht so das dritte Studioalbum des Sängers aus Doncaster.

Das Album eröffnet mit “Lemonade”, einem Song, der sofort ein sommerliches Gefühl hervorruft. Die markante Basslinie und Tomlinsons britischer Popsound geben direkt die Richtung für den Rest des Albums vor.

“On Fire” ist ein tanzbarer und vorhersehbarer Track. Nach dem Opener “Lemonade” wird schnell klar, dass Tomlinson hier eine andere Richtung einschlägt als bei früheren Veröffentlichungen. Songs wie “Sunflowers” und “Sanity” enthalten auffallend viele wortlose Vocals. Tomlinson singt häufig die Melodie ohne Worte mit, was für ihn neu ist.

Mit dem Song “Palaces” gibt es für Kenner seiner Musik viel Wiedererkennungswert. Der Track erinnert stark an andere Stücke aus seinem Repertoire, die stärker in Richtung Rock gehen. Bei der zweiten Single ist deutlich zu hören, wie viel Aufmerksamkeit der Balance zwischen den Instrumenten gewidmet wurde. Louis ist dafür bekannt, seine Gefühle sehr gut in schöne Texte auf einem passenden Beat zu verpacken, und auch das zeigt er auf diesem Album. Mit einem Song wie “Last Night” fängt er die melancholische Stimmung des Tourlebens perfekt ein und schafft so eine echte Fan-Hymne.

“Imposter” ist der zugänglichste Song des Albums, radiotauglicher Pop ohne viele Eigenheiten. Einfache Zeilen wie ‘I think there’s a stranger in my bed’ entwickeln sich zu einem eigenständigen Moment, wodurch im restlichen Verlauf des Songs wenig Tiefe zu finden ist. Dennoch passt der Track gut zu den anderen Songs des Albums, und die für Tomlinson etwas zu hohe Tonart ergänzt den Song.

Ein wiederkehrendes Element des Albums ist der kräftige Beat und die tanzbare Musik. Anders als bei den ersten beiden Alben bleibt diese fette Produktion über das gesamte Album hinweg bestehen, auch bei “Lazy”. Solche Songs fühlen sich wie eine Mischung aus Arctic Monkeys, 5 Seconds of Summer und Jonas Brothers an. Die Highlights in diesem Bereich sind “Lucid” und “Dark to Light”. Bereits beim ersten Hören wird deutlich, dass es in letzterem um den verlorenen Freund und ehemaligen Kollegen Liam Payne geht.

Die Rauheit dieses Songs ist eine Form von Direktheit, wie man sie von Tomlinson bisher nicht kannte. Die Texte treffen härter als je zuvor und vor allem das Gefühl wird perfekt transportiert, ein echter Tränendrücker. Der Rocker, der schon immer in Tomlinson geschlummert hat, hinterlässt am Ende des Albums mit “Jump The Gun” noch einmal einen starken Eindruck. Ein perfekter Song für Moshpits, Headbanging, Luftgitarren und viel Herumspringen.

Das Gesamtbild des Albums ist es, was es so stark macht. Es ist deutlich zu spüren, dass Louis beim Produzieren dieses Albums enorm an Selbstvertrauen gewonnen hat, und das zahlt sich aus. Mit Abstand sein bestes Werk bisher. (9/10) (BMG)

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