Übersicht über die Albumrezensionen: Madison Beer, Lucinda Williams und mehr

Jede Woche treffen Dutzende neuer Alben in der Redaktion von Maxazine ein. Viel zu viele, um sie alle anzuhören, geschweige denn zu rezensieren. Eine Rezension jeden Tag bedeutet, dass zu viele Alben zurückbleiben. Und das ist eine Schande. Deshalb veröffentlichen wir heute eine Übersicht der Alben, die in Kurzrezensionen in der Redaktion eintreffen.

Foto (c) Jorge Fakhouri Filho

The James Hunter Six – Off The Fence

James Hunter kann ‘’den griesgrämigsten Mann im Rock’’ Van Morrison zu seinen Fans zählen. Das ist an sich schon eine beachtliche Leistung. Auf seinem neuen Longplayer wirkt Van The Man nun sogar bei einem Song mit, dem fröhlich klingenden Blues-Stück “Ain’t That A Trip”. Bereits vor dreißig Jahren hatte Hunter einen solchen Versuch unternommen, doch damals konnte Van Morrison keinen Titel finden, den er singen wollte. Mit “Off The Fence” wechselt Hunter zudem das Label. Es ist seine erste Veröffentlichung auf Easy Eye Sound, dem Label von Black-Keys-Mitglied Dan Auerbach. Sein Interesse wurde durch “Reet Petite” geweckt, was seine Liebe zu R&B und Soul entfachte. Inzwischen ist James Hunter ein angesehener Musiker, der unter anderem als bester Soul-Sänger aus dem Vereinigten Königreich bezeichnet wurde. Mit vierzig Jahren Musikerfahrung wissen wir, was man von einem James-Hunter-Six-Album erwarten kann: eine geschmeidige, hochwertige Platte, ideal zum Abspielen auf Vinyl. Sie sorgt für etwas Wärme in den kälteren Monaten. (Rik Moors) (7/10) (Easy Eye Sound)

Sister May – Vll

Sister May ist eine belgische Industrial/Alternative-Band, die sich zwischen Post-Metal, Darkwave und Bands wie Nine Inch Nails, Killing Joke und A Perfect Circle bewegt. “Vll” ist ein Konzeptalbum, das sich um die Zahl 7 dreht. Die Band nutzt diese Zahl als Symbol für Vollendung, Krise, Wiedergeburt und sich wiederholende Zyklen. Jeder Song erzählt seine eigene Geschichte und lässt dem Hörer genügend Raum für Interpretation. “Vll” ist ein würdiger Nachfolger des 2023 erschienenen Debütalbums “Undecided Behaviour”. Sister May und das Label Lay Bare Recordings haben keine Kosten und Mühen gescheut, um dieses Album zu positionieren. Das zeigt sich nicht nur in der Veröffentlichung von “Shadows”, der ersten Single, die von einem kunstvollen Video begleitet wird, in dem keine Personen oder Bandmitglieder zu sehen sind, sondern die Geschichte durch Licht, Schatten und Bewegung erzählt wird. Außerdem stellte das belgische Quintett das neue Album am 24-01 im Trax in Roeselare vor. Zum Zeitpunkt des Erscheinens dieser Rezension hat diese Präsentation bereits stattgefunden. Das Album wurde dabei mit Licht, Visuals und Soundscapes live aufgeführt. (Ad Keepers) (8/10) (Lay Bare Recordings)

Dimitri Nassar – Dear Cleveland

Es fühlt sich an, als säße man im Saal der Treelawn Music Hall. So schön, warm und voll klingt “Dear Cleveland” von Pianist und Komponist Dimitri Nassar. Man hört, dass Nassar hier zu Hause ist, in Cleveland, wo Freunde geduldig auf den ersten Anschlag, den ersten Akkord warten, bis alles in Bewegung gerät. Dann swingt, brodelt und sprudelt es, getragen vom reichen Klavierspiel Nassars. Keine allzu komplexen Melodien oder Rhythmen, sondern ein ehrlicher Groove, eingeleitet von einer Rhythmussektion, die regelmäßiger ist als ein Schweizer Uhrwerk. Alles klingt vertraut. Keine abstrakten Fingerübungen oder ein Flirt mit dem aktuellen Boom des Avantgarde-Jazz. Stattdessen Stücke, die durch Nassars Spiel emotional aufgeladen sind. Titel wie das eröffnende “Reflections”, “Maiden Voyage” mit einem der schönsten Piano-Intros überhaupt und “The Gifted People” mit seinem feinen Swing sind durchweg wunderschön ausgeführte Kompositionen. Atmosphärisch, warm und erzählerisch. Der abschließende Titel “I Love Music” ist daher treffend gewählt. Den Beweis liefert Nassar mit “Dear Cleveland”. (Jeroen Mulder) (8/10) (Crescent Piano)

Madison Beer – locket

Nach Jahren der künstlerischen Suche findet Madison Beer auf “locket” endlich ihren Sound. Es ist ihr drittes Studioalbum und zugleich ihr bislang emotional und klanglich geschlossenstes Werk. Produziert von Beer selbst gemeinsam mit Leroy Clampitt und anderen, vereint das Album Dark Synthpop, Dance-Pop und R&B zu einer kompakten Sammlung von elf Songs, die sich wie ein gut gehütetes Geheimnis anfühlt. Die Grammy-nominierte Single “Make You Mine” und das pulsierende “yes baby” zeigen Beer selbstbewusster denn je, während Balladen wie “angel wings” und “you’re still everything” ihre stimmlichen Qualitäten mit üppigen Harmonien und einer Intimität unterstreichen, die früheren Alben fehlte. Der Titelsong dient als Metapher für das Bewahren von Erinnerungen, ein Thema, das sich wie ein roter Faden durch das gesamte Album zieht. Stücke wie “bittersweet” balancieren gekonnt zwischen hookorientiertem Pop und emotionaler Offenheit, wobei Beers Texte über Herzschmerz und Selbstreflexion niemals erzwungen wirken. Die Produktion ist poliert, ohne steril zu sein, mit experimentellen Akzenten im Outro von “nothing at all”, die zeigen, dass Beer bereit ist, Risiken einzugehen. Während “Silence Between Songs” auf Nummer sicher ging, wagt “locket” Experimente innerhalb von Beers Komfortzone und resultiert in einem Album, das gleichermaßen zugänglich wie künstlerisch ambitioniert ist. (William Brown) (8/10) (Epic Records)

Lucinda Williams – World’s Gone Wrong

Die stets furchtlose Lucinda Williams kehrt mit “World’s Gone Wrong” zurück, einem rohen, bluegrass-gefärbten Album, das ihr typisches Storytelling mit einer Dringlichkeit verbindet, die zum Titel passt. Aufgenommen mit einer kleineren Besetzung als bei früheren Werken, strahlt das Album eine Intimität aus, die Williams’ gelebter Stimme perfekt Raum gibt. Der Titelsong, eine Coverversion eines obskuren Bob-Dylan-Stücks, erhält in Williams’ Händen eine neue Bedeutung, wobei ihr müder, aber entschlossener Gesang den Text über gesellschaftliche Zerrüttung zusätzlich verstärkt. Eigene Kompositionen wie “Broken Compass” und “Dust To Dust” zeigen Williams als Chronistin von Leben, die von Umständen geprägt sind, ohne jemals in Sentimentalität zu verfallen, aber stets mit Mitgefühl für ihre Figuren. Die Produktion ist bewusst zurückhaltend gehalten, mit akustischen Gitarren, Steel Guitar und dezenten Keyboards, die Williams’ Stimme Raum zum Strahlen lassen, ohne sie zu erdrücken. Gastauftritte sind selten, aber wirkungsvoll, wobei langjährige Weggefährten wie Bill Frisell an der Gitarre Momente transzendenter Schönheit schaffen. Das Tempo reicht von langsamen, meditativen Balladen bis hin zu schnelleren Stücken, die an Williams’ klassisches Werk aus den neunziger Jahren erinnern, ohne nostalgisch zu wirken. Mit siebzig Jahren beweist Williams, dass ihre Fähigkeit, Wahrheit durch Musik zu vermitteln, ungebrochen ist, und präsentiert ein Album, das zugleich zeitlos und erschreckend aktuell wirkt. (Anton Dupont) (7/10) (Highway 20 Records)

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