Übersicht über die Albumrezensionen: Megadeth, Van Morrison und mehr
Jede Woche treffen Dutzende neuer Alben in der Redaktion von Maxazine ein. Viel zu viele, um sie alle anzuhören, geschweige denn zu rezensieren. Eine Rezension jeden Tag bedeutet, dass zu viele Alben zurückbleiben. Und das ist eine Schande. Deshalb veröffentlichen wir heute eine Übersicht der Alben, die in Kurzrezensionen in der Redaktion eintreffen.
The Inter Section Going Places
Abenteuerliche Fusion mit Einflüssen aus Prog, Jazz und Elektronik. Das ist The Inter Section: keine traditionelle Band, sondern ein internationales Kollaborationsprojekt mit nicht weniger als 25 Musikern aus zehn verschiedenen Ländern, das mit “Jazz and All That” im Jahr 2024 dennoch ein solides Album abgeliefert hat. Nun folgt der Nachfolger “Going Places”. Wohin die Gruppe gereist ist, bleibt unklar, doch besonders inspirierend war es offenbar nicht. Das Album eröffnet mit “We Have Liftoff”, und sofort fällt der sterile Klang auf. Als käme alles aus einem MIDI-Keyboard, einem Gerät, das am Königstag Überstunden macht, wenn es als automatische Begleitung für wohlmeinende Blockflötenmelodien dient, mit denen Kinder ein paar Euro verdienen. Das Kollektiv um Komponist und Produzent Steve Ehrlich weiß dabei kaum je zu überraschen. Die melodische Fusion mit Anklängen von Funk und Soul als Schmelztiegel wird durch eine viel zu klinische Produktion regelrecht zunichtegemacht, sodass alles gleichförmig und flach klingt. Hört man sich “Soul Much Love” an, fühlt man sich an eine billige Hochzeitskapelle erinnert, eines Projekts wie The Inter Section unwürdig. Und das ist schade, denn hört man durch die Produktion hindurch, wird deutlich, dass es nicht an den Kompositionen selbst liegt: Sie sind durchdacht und gut aufgebaut. Der einzige wirkliche Lichtblick auf dem Album ist “Blouberg Blues”. Ansonsten ist dies vor allem eine verpasste Chance. (Jeroen Mulder) (4/10) (Inter Section Music)
The Paper Kites If You Go There, I Hope You Find It
Die australische Indie-Folk-Formation The Paper Kites veröffentlicht mit “If You Go There, I Hope You Find It” ein stimmungsvolles und träumerisches Meisterwerk. Die Band ist bekannt für ihren ätherischen Sound, der auf diesem neuen Album mit wunderschönen Arrangements und Harmonien weiter vertieft wird. “If You Go There, I Hope You Find It” nimmt den Hörer mit auf eine ruhige Reise durch melancholische Landschaften und intime Gedanken. Singles wie “The Sweet Sound Of You” und “June’s Stolen Car” zeigen die vertraute Stärke der Band, wobei das Zusammenspiel der verschiedenen Stimmen eine beinahe magische Wirkung entfaltet. Die Gitarrenarbeit ist subtil und feinfühlig, sodass der Fokus ganz auf den Texten und der Gesamtatmosphäre liegt. Die Produktion ist weitläufig und vermittelt das Gefühl einer Live-Aufnahme in einer abgelegenen Hütte, was die Authentizität des Projekts zusätzlich unterstreicht. Ein stetiger Fluss beruhigender Melodien zieht sich durch das Album, ohne je erzwungen zu wirken, und lädt zum wiederholten, stillen Hören ein. Diese Platte ist der ideale Begleiter für frühe Morgenstunden oder späte Abende, in denen die Zeit kurz stillstehen darf. Ein wunderschöner Beweis von Handwerkskunst. (Norman van den Wildenberg) (7/10) (Nettwerk Music Group)
The Mel Outsider Reformation Mel Goes Funky
The Mel Outsider Reformation ist die Band um Sänger und Produzent Adrian Melling. Melling hat als Produzent und Techniker mit Künstlern und Bands wie Peter Gabriel, Cat Stevens, Wishbone Ash und Michael Chapman gearbeitet, um nur einige zu nennen. Außerdem arbeitete er mit dem alten Bluesmusiker David ‘Honeyboy’ Edwards zusammen, mit Plänen, im Laufe des Jahres Aufnahmen zu veröffentlichen. Doch das nur am Rande. Neben seiner Produzententätigkeit war er jahrelang Mitglied von The Outsiders UK, nicht zu verwechseln mit der niederländischen Band um Wally Tax, daher der Zusatz UK. Seit einigen Jahren ist er Frontmann von The Mel Outsider Reformation, einer elfköpfigen Band. Nach dem erfolgreichen “Miss Victory V” von vor einigen Jahren ist nun das zweite Album erschienen, betitelt “Mel Goes Funky”. Auf dem Album finden sich zehn selbstgeschriebene Stücke. Es ist kein reines Funkalbum geworden. Funk ist vorhanden und es groovt, doch die Wurzeln liegen eindeutig im Blues, Soul und Rock. Bassist Matt Pawson, der nebenbei auch Dobro, Dulcimer und Keyboards spielt, sowie Schlagzeuger Karl Francis halten alles zusammen und sorgen für ein solides Fundament. Die übrigen Musiker an Gitarre, Keyboards, Bläsern und Gesang können darauf den Rest der Struktur aufbauen. Auffällig ist, dass jedes Stück im Grunde eine kleine Geschichte erzählt, die vertont wurde. Der Opener “I’ve Been Unfriended” liefert sofort eine fröhlich klingende Visitenkarte. Ein besonders schönes Detail findet sich in “Consider The Waitress”, in dem auch die besagte Kellnerin in Gestalt der Sängerin Helen May zu hören ist. Weitere Stücke, die meiner Meinung nach besondere Erwähnung verdienen, sind das orchestrale “Backroads Again”, ein gelungenes Duett mit Helen May, sowie das über sieben Minuten lange “Jet Black”. “Mel Goes Funky” ist ein sehr gelungenes Album geworden. Abwechslungsreich, gut geschrieben und hervorragend gespielt. Eine klare Empfehlung. (Eric Campfens) (8/10) (Planet Records)
Megadeth Megadeth
Mit ihrem siebzehnten und letzten Studioalbum tut Megadeth das, was nur wenige Bands wagen oder können: sich zu ihren eigenen Bedingungen zu verabschieden, während sie noch auf höchstem Niveau agieren. Produziert von Frontmann Dave Mustaine und Chris Rakestraw, beweist dieses selbstbetitelte Album, dass die Thrash-Metal-Pioniere auch nach vier Jahrzehnten nichts von ihrer technischen Brillanz oder ihrer Fähigkeit verloren haben, rasend schnelle und komplexe Riffs zu schreiben. Die Lead-Single “Tipping Point” eröffnet explosiv mit einem donnernden Gitarrensolo, bevor Mustaines ikonische Stimme einsetzt, ein klares Statement, dass dieser Abschied ernst gemeint ist. Stücke wie “I Don’t Care”, “Let There Be Shred” und “Puppet Parade” zeigen die Band im vollen Thrash-Modus, wobei Neuzugang Teemu Mäntysaari an der Gitarre und der zurückgekehrte Bassist James LoMenzo solide Leistungen abliefern. Der besondere Bonustrack “Ride The Lightning”, gemeinsam von Mustaine mit Metallicas James Hetfield, Lars Ulrich und dem verstorbenen Cliff Burton geschrieben, fungiert als emotionale Brücke zu den Anfängen und als respektvolle Verneigung vor seinen Wurzeln. Auch wenn einige Songs etwas sicherer klingen mögen als in den experimentellen Hochphasen, gleicht die Band dies mit einer Konstanz und Professionalität aus, die Veteranen ihres Kalibers würdig ist. Das Albumcover, entworfen vom Filmemacher Tim Burton und mit einem brennenden Vic Rattlehead, fasst die apokalyptische Stimmung perfekt zusammen. Für Fans ist dies kein selbstmitleidiger Schwanengesang, sondern ein würdiger Abschluss einer legendären Karriere, gespielt mit der Überzeugung einer Band, die weiß, wann es Zeit ist aufzuhören. (Anton Dupont) (8/10) (BLKIIBLK)
Van Morrison Somebody Tried To Sell Me A Bridge
Mit achtzig Jahren bleibt Van Morrison eine unermüdliche Kraft in der Musik, und mit “Somebody Tried To Sell Me A Bridge” kehrt er zum Blues zurück, dem Genre, das sein musikalisches DNA prägt. Dieses zwanzig Titel umfassende Album ist eine Liebeserklärung an den klassischen Blues und bietet frische Interpretationen von Standards, die durch B.B. King, Buddy Guy, Lead Belly und John Lee Hooker berühmt wurden. Aufgenommen im historischen Studio D in Sausalito, Kalifornien, wird Morrison von einer beeindruckenden Riege an Blues-Legenden begleitet, darunter Taj Mahal, Buddy Guy selbst und Elvin Bishop, neben seiner festen Band der letzten Jahre. Das Album eröffnet mit “Kidney Stew Blues” und nimmt die Hörer mit auf eine Reise durch die Geschichte des Blues, wobei Morrisons charakteristische Stimme und seine multiinstrumentalen Fähigkeiten im Mittelpunkt stehen. Zu den Höhepunkten zählen eine radikal umgearbeitete Version von Fats Dominos “Ain’t That A Shame”, verlangsamt auf Balladentempo und angereichert mit gospelartigen Gesangspassagen, sowie eine mitreißende Version von John Lee Hookers “Deep Blue Sea” mit Gitarrenarbeit von Elvin Bishop. Die Zusammenarbeit mit Taj Mahal bei “On A Monday” und “Delia’s Gone” fügt zusätzliche Farben hinzu, ohne Morrisons unverwechselbare Handschrift zu überdecken. Die Produktion ist warm und organisch, bewahrt die Spontaneität von Live-Aufnahmen und klingt dabei nie unaufgeräumt. Auch wenn einige Titel in dieser umfangreichen Tracklist wie Füllmaterial wirken mögen, überwiegen die Momente, in denen Morrisons tiefe Kenntnis und Leidenschaft für den Blues voll zur Geltung kommen. Dies ist kein bahnbrechendes Album, aber ein Beweis dafür, dass Morrison auch im hohen Alter noch relevant und vital sein kann, wenn er zu der Musik zurückkehrt, die ihn geprägt hat. (Elodie Renard) (7/10) (Orangefield Records)






