Jasmine Myra – Where Light Settles
Die britische Saxophonistin und Komponistin Jasmine Myra hat sich schnell zu einer herausragenden Stimme im modernen Jazz entwickelt. Ihre Musik bewegt sich mühelos zwischen spirituellem Jazz, Ambient und neoklassischen Einflüssen. Nach dem sehr gut aufgenommenen Album “Rising” geht sie mit “Where Light Settles”, das am 15. Mai 2026 erscheint, einen weiteren Schritt in ihrer Entwicklung. Das Album klingt reifer, intimer und noch stärker auf Atmosphäre und Emotion ausgerichtet.
Bereits im Eröffnungsstück “Begin Again” zeigt Myra, dass Stille und Raum genauso wichtig sind wie Melodie. Ihr Saxophon klingt warm und klar, getragen von subtilen Klavierklängen, Bass und einer Rhythmusgruppe, die nie in den Vordergrund tritt. Alles dient der Komposition.
Die erste Single “Sunlit Path” gehört zu den zugänglichsten Stücken des Albums. Die Melodie entfaltet sich langsam und gewinnt an Bedeutung, je mehr sich die Arrangements verdichten. Myra spielt mit bemerkenswerter Zurückhaltung. Sie sucht nicht nach Virtuosität, um zu beeindrucken, sondern nach Klang und Gefühl.
In “Northern Sky” wird die spirituelle Seite ihrer Musik deutlich hörbar. Sanfte Tasteninstrumente und ein repetitiver Rhythmus bilden eine meditative Grundlage, über der Myra ihre Melodien schweben lässt. Der Titeltrack “Where Light Settles” ist das emotionale Zentrum der Platte. Hier verbinden sich Hoffnung, Innenschau und Stille in einer Komposition, die zugleich zerbrechlich und kraftvoll wirkt.
Was dieses Album besonders macht, ist die Selbstverständlichkeit, mit der Jazz mit anderen Stilen kombiniert wird. Die Musik ist zugänglich, ohne oberflächlich zu werden, und vielschichtig, ohne akademisch zu klingen. Myra gelingt es, komplexe Emotionen in klare und oft berührende Melodien zu fassen.
Wer nach ausladenden Soli oder technischer Virtuosität sucht, wird hier nicht sofort fündig. “Where Light Settles” verlangt Aufmerksamkeit und Ruhe. Gerade in dieser zurückhaltenden Herangehensweise liegt die größte Stärke des Albums. Jasmine Myra ist eindeutig eine der interessantesten jungen Komponistinnen im europäischen Jazz. “Where Light Settles” ist ein elegantes und sorgfältig aufgebautes Album, das lange nachhallt. (8/10) (Gondwana Records)

