Kasabian – Act III
Kasabian ist eine dieser Bands, die man aus der britischen Rockszene kaum noch wegdenken kann, auch wenn sich das Line-up seit ihren Anfangstagen stark verändert hat. Seit dem Weggang des ehemaligen Sängers Tom Meighan im Jahr 2020 ist Serge Pizzorno der unangefochtene Kapitän des Schiffes, und mit “Act III” schließt er eine Trilogie ab, die er selbst als eine Art Minioper bezeichnet, beginnend mit “The Alchemist’s Euphoria” und fortgesetzt mit “Happenings”.
Das Album wurde ursprünglich für Juli erwartet, aber Kasabian beschloss, es für einige letzte Anpassungen noch einmal auf den Operationstisch zu legen. Diese Verschiebung hat zumindest nicht zu einem kompromisslosen Rockalbum geführt, denn “Act III” fühlt sich eher wie eine Reise durch all die Richtungen an, die Kasabian im Laufe der Jahre gezeigt haben. Von Gitarrenrock über Psychedelia, Dance und Elektronik bis hin zu einem Hauch Hip-Hop, all das wird in weniger als dreiunddreißig Minuten geboten.
“Hippie Sunshine” eröffnet das Album mit wuchtigen Bässen, die an Black Rebel Motorcycle Club erinnern, während “Great Pretender” vielmehr ein sonniger, festivaltauglicher Sommerhit über das Hochstapler-Syndrom ist, ein Gefühl, das Pizzorno eigenen Angaben zufolge bereits während seiner gesamten Karriere mit sich herumträgt. “Superpowers” ist vielleicht die größte Überraschung des Albums, mit einem vom G-Funk inspirierten Sound, der auf Pizzornos Teenagerjahre zurückgeht, als er Snoop Dogg zum ersten Mal entdeckte. Es ist ein Abstecher, der nicht jeden überzeugen wird, aber dennoch zeigt, dass die Band weiterhin den Mut zum Experimentieren hat.
Zwischen den Songs befinden sich drei kurze Interludes, von denen “mind palace 2m7” das seltsamste ist, eine düstere Ambient-Atmosphäre, die für sich genommen wenig darstellt, im Kontext des Albums aber durchaus als Übergang zu dem funktioniert, was folgt. Das ist zugleich der Kern dieses Albums: Es ist kein Album, aus dem man einfach ein paar Songs herauspicken kann, es funktioniert am besten, wenn man es von Anfang bis Ende hört.
Dennoch bleibt etwas, das nicht ganz stimmig ist. Während frühere Kasabian-Alben wie “West Ryder Pauper Lunatic Asylum” die tanzbaren Ausflüge als süße Sauce über rohem Rock and Roll einsetzten, fühlt sich “Act III” häufiger umgekehrt an, wobei die tanzbare Seite manchmal die Oberhand über die erkennbare, aggressive Energie gewinnt, für die die Band einst bekannt wurde. Das sorgt dafür, dass sich das Album angenehm hören lässt, lässt einen aber auch fragen, wofür Kasabian jetzt genau stehen.
Es ist ein angenehmes Album, voller Energie und mit dieser charakteristischen Kasabian-Würze, aber es fühlt sich nicht wie der Abschluss an, den eine Trilogie verdient. Fans, die die verspieltere, tanzbare Seite der Band mögen, werden hier viel Spaß haben, aber wer auf der Suche nach dem rauen Rock von einst ist, kommt hier nur teilweise auf seine Kosten. (6/10) (Columbia Records)

