Übersicht über die Albumrezensionen: Kurt Vile, All Them Witches und mehr

Jede Woche treffen Dutzende neuer Alben in der Redaktion von Maxazine ein. Viel zu viele, um sie alle anzuhören, geschweige denn zu rezensieren. Eine Rezension jeden Tag bedeutet, dass zu viele Alben zurückbleiben. Und das ist eine Schande. Deshalb veröffentlichen wir heute eine Übersicht der Alben, die in Kurzrezensionen in der Redaktion eintreffen.

Foto (c) Jorge Fakhouri

David Giesel – Echoes of the Unknown

Jazz bleibt eine wunderschöne Bühne für Schlagzeuger. Man denke an Gene Krupa, Art Blakey und Buddy Rich, um nur einige zu nennen. Sie fanden moderne Nachfolger in Schlagzeugern wie Vinnie Colaiuta und Simon Phillips, von denen nächste Woche “Protocol 6” erscheint. Das Debütalbum “Echoes of the Unknown” des Schlagzeugers und Komponisten David Giesel bewegt sich irgendwo zwischen dieser modernen Arbeit und klassischem Jazz. Giesel setzt nicht auf technisches Muskelspiel am Schlagzeug, ist aber eindeutig der Bandleader, in dessen Formation zahlreiche Gastmusiker viel Raum zur Improvisation erhalten. Der Einstieg “Trial and Error” ist in dieser Hinsicht ein sofortiger Treffer. Das Album enthält keinerlei schwache Titel, auch wenn das Titelstück eindeutig den absoluten Höhepunkt darstellt. Der Aufbau, das Arrangement, die perfekte Ausführung, bei der man hört, wie die Band im Verlauf der Aufnahmen immer besser zusammengefunden hat. Die Platte wurde live im Jazzcampus Studio Basel aufgenommen, ein gewagter, aber vor allem gelungener Ansatz für neue Kompositionen. Giesel scheut sich zudem nicht, die Grenzen des Genres auszuloten, unter anderem mit einem Beitrag der Spoken-Word-Künstlerin Dae Bryant in “Moods”. Ein ausgezeichnetes Debüt. (Jeroen Mulder) (8/10) (Double Moon Records)

Karmamoi – Eternal Mistake

“Eternal Mistake” ist eine Liebesgeschichte und philosophische Reflexion zwischen einem Menschen und einem Humanoiden. Atmosphärische Elemente werden mit kraftvollen Gitarrenriffs und orchestralen Passagen vermischt. Zu Beginn brauche ich etwas Zeit, um mich an den Gesang und die gesprochenen Worte zu gewöhnen, die teilweise verzerrt klingen, sowie an die teils rau wirkende Klangästhetik der Musik. Doch es passt zum Text. Gesang und Musik sind zunächst eher ruhig, im dritten Stück kommt mehr Rock hinzu. Die Atmosphäre verändert sich, auch innerhalb eines einzelnen Tracks, vom Surrealen und Traumhaften bis hin zum Hektischen. Es gibt zahllose überraschende Wendungen in Gesang und Musik. “Nothing But” ist eine sehr abwechslungsreiche EP. Der Gesang ist in einem Moment ruhig, im nächsten leidenschaftlich. Immer wieder werde ich von Gesang und Musik berührt. Das gilt auch für “The Mirror – No Soul”, besonders durch das Zusammenspiel von Gitarren und Klavierklängen. Auch ohne ein Wort Englisch zu verstehen, spürt man die Emotion im Gesang. “The Question – We Are Going Home” ist ein schön aufgebautes Duett, in dem leicht klassische Elemente in hektische Musik eingewoben sind. Alle Stücke sind komplex und sorgfältig aufgebaut. “Eternal Mistake” ist ein sehr vielfältiges und besonderes Album. (Esther Kessel – Tamerus) (8/10) (Eigenproduktion)

Dogstar – All In Now

Dogstar kehrt mit “All In Now” zurück, dem vierten Studioalbum des kalifornischen Trios bestehend aus Bassist Keanu Reeves, Gitarrist und Sänger Bret Domrose und Schlagzeuger Rob Mailhouse. Nach ihrem Comeback mit “Somewhere Between the Power Lines and Palm Trees” im Jahr 2023, der ersten Platte seit zwei Jahrzehnten, klingt die Band auf diesem Nachfolger selbstbewusster und zielgerichteter denn je. Produziert von Nick Launay, dem Mann hinter Alben von IDLES und Nick Cave & The Bad Seeds, erhält “All In Now” eine schärfere Kante, die dem Material gut tut. Titel wie “This Sphere”, “Joy” und “Punch the Sky” rufen Erinnerungen an Alternative Rock der 90er Jahre wach, mit Anklängen an Bands wie Better Than Ezra und Toad the Wet Sprocket, wirken dabei aber keineswegs nostalgisch. Der herausragende Titel “The Whisper” zeigt die dramatische Kraft eines Klassikers im Stil von Echo & The Bunnymen. Es herrscht eine gewisse Lockerheit in der Umsetzung, die das Album menschlich wirken lässt. Dogstar spielt nicht für die Bühne, sondern aus echter Überzeugung, und diese Chemie ist in jedem Song hörbar. Mit “All In Now” beweist das Trio, dass sein Comeback mehr ist als eine einmalige Neugier. (Anton Dupont) (7/10) (Dillon Street Records)

All Them Witches – House of Mirrors

All Them Witches kehren nach sechs Jahren Stille mit “House of Mirrors”, ihrem siebten Studioalbum und ihrer ersten Veröffentlichung bei einem Major Label, zurück. Die Nashville-Band nahm das Album in weniger als einer Woche im Blackbird Studio in ihrer Heimatstadt auf, zusammen mit Produzent Eddie Spear, bekannt für seine Arbeit mit Zach Bryan. Das Ergebnis ist das geradlinigste Rockalbum ihrer Karriere, in dem psychedelische und bluesige Elemente zu einem dichteren, rockigeren Sound verwoben sind. Der Opener “Red Rocking Chair”, eine Bearbeitung eines traditionellen Appalachian Folk Songs, setzt sofort den Ton mit einem schleppenden, düsteren Riff, das an Cathedral erinnert, ein. “Culling Line” trieft vor Unheil und zeigt Gitarrenarbeit, die zugleich an David Gilmour und Carlos Santana erinnert. Die Besetzung hat sich nach dem Ausstieg des Gründungsdrummers Robby Staebler verändert, und der Einstieg von Christian Powers hat der Band spürbar neue Energie gegeben. Der vorletzte Titel “The Welterweight”, geschrieben zu Ehren des Großvaters von Sänger Charles Michael Parks Jr., gehört zu den eindrucksvollsten Stücken ihres Katalogs. “House of Mirrors” beweist, dass All Them Witches noch lange nicht am Ende sind. (William Brown) (8/10) (BMG)

Kurt Vile – Philadelphia’s Been Good to Me

“Philadelphia’s Been Good to Me” ist das zehnte Studioalbum von Kurt Vile und ein offener Liebesbrief an die Stadt, die ihn geprägt hat. Das Album wurde zwischen 2023 und Anfang 2026 geschrieben und aufgenommen, größtenteils in seinem Heimstudio im Stadtteil Mt. Airy in Philadelphia, ergänzt durch Sessions in Memphis, Athen und Los Angeles. Die zwölf Songs sind unverkennbar Vile, entspannt, vielschichtig und bewusst unperfekt. Singles wie “Chance to Bleed” und das verträumte “Avalanches of Snow” zeigen seine Fähigkeit, Gitarrenlinien zu weben, die sich erst beim dritten Hören vollständig erschließen. Die Umsetzung ist rauer und direkter als in früheren Arbeiten, und die Vocals haben eine Präsenz, die er zuvor so deutlich nicht gezeigt hat. Musiker wie Ethan Buckler von Slint und Greg Cartwright von Reigning Sound verleihen dem Ganzen zusätzliche Farbe. Das Jahr 2026 markiert auch das 250-jährige Bestehen der Vereinigten Staaten, mit Philadelphia als Zentrum der Feierlichkeiten, und Vile nimmt diesen Kontext auf, ohne ihn zu beschweren. Ein zugängliches und konsistentes Album eines Künstlers, der genau weiß, was er machen will. (Anton Dupont) (8/10) (Verve Forecast)

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