Übersicht über die Albumrezensionen: Paris Paloma, Airbourne und mehr

Jede Woche treffen Dutzende neuer Alben in der Redaktion von Maxazine ein. Viel zu viele, um sie alle anzuhören, geschweige denn zu rezensieren. Eine Rezension täglich bedeutet, dass zu viele Alben zurückbleiben. Und das ist eine Schande. Deshalb veröffentlichen wir heute eine Übersicht der Alben, die in Kurzrezensionen in der Redaktion eintreffen.

Foto (c) Jorge Fakhouri

Slug Comparison – Cold In Cold Out

Slug Comparison ist das Soloprojekt von Doug Harrison, dem Sänger von Fen. Seine Solomusik konzentriert sich auf den Grunge und Alternative Rock, die in den neunziger Jahren aufkamen, mit einer deutlichen akustischen Note. Harrisons Stimme kann rein und beruhigend klingen, hat aber auch eine rauere, Cobain-artige Note. Mit ‘Cold In Cold Out’ serviert er eine Vorspeise in Form einer EP mit sechs neuen Titeln. Der Opener ‘Tongue of the Hollow’ strahlt eine wehmütige Atmosphäre aus, die direkt aus den frühen neunziger Jahren zu stammen scheint. Der typische Anschlag auf der Akustikgitarre versetzt einen zurück in die Teenie-Jahre, inklusive Pickeln und Problemen eines jungen Erwachsenen. Wie anders ist ‘To Whom Would You Answer’, das mit Wah-Wah-Gitarre einen bedrohlichen, beklemmenden Unterton bekommt. Ein erwarteter Ausbruch bleibt jedoch aus. ‘Back to the Word’ bringt eine dunkle Counting Crows-Stimmung und zeigt den vielseitigen Gesang von Harrison. Das Stück sticht daher heraus. Die verhaltene Instrumentierung wird in ‘Burden of Life’ fortgesetzt, woraufhin der Titeltrack etwas vielschichtiger und weniger akustisch klingt. ‘No Healer’ schließt die EP ab. Vergleiche mit Alternative-Bands aus den neunziger Jahren gibt es wie Sand am Meer, aber genau darin liegt der Charme. Harrison beweist, dass er außerhalb von Fen noch genug draufhat. Her mit diesem Album! (Bart van de Sande) (8/10) (Eigenproduktion)

Severoth – Waves

Severoth ist ein ukrainisches Einmannprojekt des Multiinstrumentalisten Illia Rafalskyi. Das Projekt wurde ursprünglich 2012 in Dnipro gegründet, operiert mittlerweile jedoch von Wrocław, Polen aus. ‘Waves’ ist das siebte Album und enthält lange Stücke. Fünf der sechs Stücke dauern um die zehn Minuten oder länger. Nur das abschließende ‘Glacial Dreams’ hat eine “normale” Länge und kommt auf 3:41. Das Konzept von ‘Waves’ stammt aus dem Jahr 2023, als Severoth an einem der vielen schwarzen Strände in Grettislaug, Island saß. Das Geräusch eines rauschenden Meeres bildet den Übergang zwischen den Titeln und fungiert als roter Faden durch das Album. Die Musik ist eine Mischung aus atmosphärischem Black Metal und Ambient. ‘Waves’ enthält eine ziemlich große Dosis reinen Ambient, wodurch es sich für Black-Metal-Liebhaber vielleicht etwas langatmig anfühlt. ‘Waves’ ist (noch) nicht das Meisterwerk von Severoth, aber mit jedem Album kommt er dem einen Schritt näher. Eine sehr starke 7 für dieses schöne Album. (Ad Keepers) (7/10) (Avantgarde Music)

Peter Gall – Drum Seeds

Der Schlagzeuger Peter Gall gewann letztes Jahr den German Jazz Prize Best Album mit ‘Love Avatar’. Aber anstatt eines Nachfolgers im gleichen Stil liefert Gall mit ‘Drum Seeds’ ein Album ab, das dem Vorgänger in nichts gleicht. Mehr noch: Gall wählt einen radikal anderen Ansatz, indem er aus Electronica, Hip-Hop, Ambient und sogar Kraut schöpft. In den Kompositionen stehen die Drums im Mittelpunkt und das ist genau so, wie Michael Reinboth es meinte. Denn dieses Album wurde eigentlich von dem großen Mann hinter dem Label Compost Records erdacht: Reinboth überzeugte Gall, dass ein echtes Drum-Album kommen musste. Drums und eine bunte Sammlung von allerlei Vintage-Synthesizern. Auf dem Opener ‘Groove Receiver’ hören wir zwei Drumkits, über die Gall einen bewusstseinserweiternden psychedelischen Teppich legt, der aus einem Mellotron stammt. Die Titel verraten oft schon viel über das verwendete Instrumentarium. ‘Prophet Juno’ ist zum Beispiel um Sounds aus einem Roland Juno-60 von 1983 herum aufgebaut. Jazz? Dafür muss man bei ‘Drum Seeds’ Geduld haben; ‘Zombie Satellite’ ist einer der wenigen Tracks, die Galls Jazz-Vergangenheit verraten. Nach dem Trip-Hop im abschließenden ‘Love Lost Bits’ bleiben wir doch mit der Frage zurück, wem wir da in Gottes Namen zugehört haben. Einem Drum-Album. Aber aus einem anderen Universum. (Jeroen Mulder) (7/10) (Compost Records)

Paris Paloma – The Fatal Flaw

Mit ‘The Fatal Flaw’ präsentiert Paris Paloma ihr zweites Studioalbum, den Nachfolger des erfolgreichen ‘Cacophony’ aus dem Jahr 2024. Während dieses Debüt vor allem gesellschaftlich aufgeladen war, verlagert die britische Singer-Songwriterin hier den Fokus auf die Vielseitigkeit der Liebe, von künstlerischer Beseelung bis zur politischen Tat. Der Opener ‘I Cry in Front of Paintings’ setzt mit der Zeile ‘I have something to say’ sofort den Ton, ein Statement, das das gesamte Album prägt. In ‘Rothko’ vergleicht sich Paloma mit einem Gemälde, dessen Schichten sichtbar werden, während ‘Good Boy’ mit scharfer Produktion einen kritischen Blick auf patriarchalische Erwartungen wirft. Die Western-Atmosphäre von ‘Silhouette on the Hill’ und die verhaltene Verletzlichkeit von ‘get her the fucking flowers’ zeigen die Bandbreite des Albums, das sich auf Referenzen an Kunst, Mythologie und Literatur stützt, ohne gezwungen zu wirken. Das Schlussstück ‘Beautiful Birds’ bietet nach zehn intensiven Songs einen Ruhepunkt. Musikalisch und textlich versteht es Paloma, ihr früheres Werk weiter auszubauen, mit einer Stimme, die mühelos zwischen Falsett und einem tieferen, raueneren Klang wechselt. ‘The Fatal Flaw’ bestätigt ihre Position als eine der auffallenden Stimmen innerhalb des zeitgenössischen Singer-Songwriter-Genres. (William Brown) (9/10) (Nettwerk)

Airbourne – Airbourne

Mit ihrem sechsten und gleichnamigen Album ‘Airbourne’ treten die australischen Rocker die Tür sofort ein. Der Opener ‘Gutsy’ knallt ohne Umschweife aus den Lautsprechern, eine Hommage an Lemmy Kilmister und Bon Scott, die sofort hören lässt, wofür diese Band steht. Keine Umwege, keine Studioperfektion, einfach knallharte Riffs und eine Rhythmusgruppe, die voll auf den Putz haut. ‘Kid In A Candy Store’ ist purer satter Rock n Roll, frech und ohne jede Genierlichkeit, während ‘Sky High’ das Volumen noch weiter in Richtung Stadionformat aufdreht. Auf ‘Alive After Death (Last Plane Out)’ klingt Joel O’Keeffe zum ersten Mal verletzlicher, ein Song, der die Erinnerung an Lemmy ehrt, ohne feierlich zu werden. Weiter hinten halten ‘Christmas Bonus’ und ‘Here She Comes’ die Energie mühelos aufrecht, und ‘Rock N Roll Ya’ schließt die Platte ab, wie es sich gehört, hart, verschwitzt und ohne Entschuldigungen. Airbourne macht auf diesem Album exakt das, was es immer schon tat, nur lauter und mit mehr Überzeugung. Wer AC/DC und Motörhead im Haus hat, hört hier einen würdigen Nachfolger. Keine Überraschungen, aber ein Mordsfest. (Anton Dupont) (8/10) (Spinefarm)

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