Soldiers of Forgiveness – The Year of Aquarius: Only Poetry Lives Forever
Soldiers of Forgiveness haben mit “The Year of Aquarius: Only Poetry Lives Forever” ein ambitioniertes drittes Kapitel ihres vielschichtigen musikalischen Epos vorgelegt. Dieses internationale Kollektiv, das sich als Barden aus einer anderen Zeit präsentiert, setzt mit dieser Veröffentlichung seine Konzeptgeschichte fort, in der drei ewige Kräfte, LOVE, HATE und TIME, ein episches Brettspiel mit der Menschheit als Spielfiguren spielen. Nach “The Year of Capricorn” und “The Year of Virgo” markiert dieses Album das Viertelfinale eines geplanten Zwölf-Runden-Zyklus.
Der Ursprung des Projekts liegt in der Frustration des Gründers Mikko Viljamaa über die zunehmende Spaltung der Welt um das Jahr 2020. Was als Schlafzimmerprojekt begann, hat sich zu einer internationalen Produktion mit professionellen Metal-Musikern aus den Vereinigten Staaten, Argentinien, Venezuela, Italien und Portugal entwickelt. Das Ergebnis ist ein Klang, der sich nur schwer in ein einzelnes Genre einordnen lässt. Die Band beschreibt ihren Stil als Metal, geschrieben von Barden aus einer anderen Zeit, die zufällige Fragmente von Metal aus verschiedenen Jahrzehnten gehört haben, ohne Kenntnis von Subgenres oder Produktionserwartungen.
Das Album eröffnet mit dem verträumten “Dystopian Dreams” und führt den Hörer anschließend in einen fünfteiligen poetischen Zyklus, der die Geschichte von Josef erzählt, einem Jungen, der nur Dichter sein wollte, aber zum Anführer der Ausgestoßenen wurde. Die Erzählung wird von Scott Tunnix’ eindrucksvoller Sprecherstimme in “Interlude: The Poet” und weiteren Interludes getragen. Die Spannung zwischen Josefs heroischer Mission und seiner verlorenen Unschuld bildet den emotionalen Kern des Albums.
Musikalisch bietet “The Year of Aquarius” eine breite Palette. Stücke wie “Evil That Men Do”, “Unquenchable Fire” und “Never Die” zeigen die Kraft des internationalen Ensembles, wobei Leonel Silva und Alessandro Medri die männlichen Gesangsparts auf verschiedene Titel aufteilen. Hilda Maria Viljamaa als Aquarius fügt mit ihrem weiblichen Gesang eine zusätzliche Dimension hinzu. Die Instrumentierung ist reich und vielschichtig, mit Manú Lopez an Gitarre und Bass, Hugo Alexandre am Schlagzeug und Ezequiel Marcovecchio, der mit seinen Violinen den theatralischen Charakter verstärkt.
Der absolute Höhepunkt ist das zwölfminütige “Part IV: Where The Madness Reigns”, in dem Tessa Viljamaa mit ihren Klavierkompositionen und Walzerpassagen eine bezaubernde Atmosphäre schafft, die die Grenze zwischen bombastischem Metal und Kammermusik verwischt. Dieser Titel zeigt den Mut des Kollektivs zu stilistischen Risiken und beweist, dass ihr Ansatz mehr ist als bloßer eklektischer Bombast. “Part V: Only Poetry Lives Forever” bietet anschließend einen emotionalen Höhepunkt, der die zentralen Themen des Albums zusammenführt.
Die Produktion von Mikko Viljamaa, mit Co-Mixing und Co-Mastering durch Vincenzo Avallone, atmet eine kindliche Begeisterung, die überraschend gut funktioniert. Die Orchestrierungen sind üppig, ohne überwältigend zu wirken, und die Dynamik sorgt dafür, dass intimere Momente wie “Autumn Winds” und “The Dance of The Owls” zwischen den schwereren Passagen Luft bekommen. Die Vergleiche mit Savatage und einer dunkleren Version von Trans-Siberian Orchestra sind nicht unbegründet, auch wenn Soldiers of Forgiveness ihre eigene Identität geschaffen haben.
Doch nicht alles ist perfekt. Der eklektische Ansatz kann gelegentlich zu einem Mangel an Fokus führen, da einige Stücke stilistisch weit auseinanderliegen. Das kurze “Part III: Welcome To The Madness” wirkt beispielsweise neben den epischen Stücken etwas unterentwickelt. Für Hörer, die die polierte Produktion mainstreamiger Symphonic-Metal-Bands bevorzugen, kann die teilweise raue Produktion amateurhaft erscheinen. Diese Eigenschaften fallen besonders bei den ungewöhnlichen Stücken “Part III: Welcome To The Madness” und “The Dance of the Owls” auf, die von Bedlam Beat, der Hausband von Madness, gespielt werden und bewusst in einem anderen Stil produziert sind, wobei sogar ein vollständiges Bedlam-Beat-Album angedeutet wurde. Außerdem erfordert die komplexe Geschichte erhebliche Aufmerksamkeit vom Hörer, um vollständig gewürdigt zu werden.
Was das Album besonders macht, ist die Aufrichtigkeit, mit der Soldiers of Forgiveness ihre Geschichte erzählen. Das soziale Engagement, bei dem alle Einnahmen an vom Hörer gewählte Wohltätigkeitsorganisationen gespendet werden, verleiht der thematischen Auseinandersetzung mit Liebe, Hass und Vergebung zusätzliches Gewicht. Dass vierzig bis fünfzig Prozent ihres Publikums keine Metal-Fans sind, unterstreicht das Crossover-Potenzial ihrer Arbeit.
Mit diesem dritten Teil haben Soldiers of Forgiveness bewiesen, dass ihr GAME mehr als ein Gimmick ist. Es ist ein reifer Versuch, Metal als Medium für Erzählkunst und soziale Reflexion zu nutzen, mit genügend musikalischem Können umgesetzt, um sowohl Metal-Fans als auch ein breiteres Publikum anzusprechen. (8/10) (Self Produced)

