Übersicht über die Albumrezensionen: Beth Orton, Tarja und mehr
Jede Woche treffen Dutzende neuer Alben in der Redaktion von Maxazine ein. Viel zu viele, um sie alle anzuhören, geschweige denn zu rezensieren. Eine Rezension jeden Tag bedeutet, dass zu viele Alben zurückbleiben. Und das ist eine Schande. Deshalb veröffentlichen wir heute eine Übersicht der Alben, die in Kurzrezensionen in der Redaktion eintreffen.
Belushi Speed Ball – Toxik Waste Was Everywhere In The ‘80s
“Toxik Waste Was Everywhere In The ‘80s’” ist das vierte Album dieser amerikanischen Crossover- und Thrash-Metal-Band. Belushi Speed Ball nehmen sich selbst nicht allzu ernst und heben sich erfolgreich von anderen Genrevertretern ab, indem sie absurde Merchandising-Produkte verkaufen und chaotische Liveshows mit ebenso chaotischen Texten und Musik liefern. Die Musik ist weitgehend gleich aufgebaut: schnelle Songs, in denen Vinny Castellano auf jedem Track aus voller Kehle schreit. Der beste und originellste Song ist Belushi Speed Ball, eine Parodie auf Iron Maiden, was man deutlich an den Gitarrenriffs hört, die unverkennbar nach Iron Maiden klingen, hier jedoch doppelt so schnell gespielt werden. Wieder ein starkes Album dieser amerikanischen Crossover- und Thrash-Komiker. (Ad Keepers) (7/10) (Eigene Produktion)
Glorious Wolf – Elements Of Hope
“Elements Of Hope’” ist das dritte Album des Studioprojekts Glorious Wolf (gegründet vom Komponisten und Gitarristen Ruud Dielen). Das Konzept folgt dem Lebensweg ins Erwachsenenalter in einer chaotischen Welt mit Klimawandel, KI, Kriegen und vielem mehr. Die Hoffnung auf eine bessere Zukunft bleibt bestehen. Die Lead-Vocals stammen von Frank van der Borg und Jyoti Verhoeff. Der Titeltrack (Eröffnungstitel) besteht aus fünf Teilen und beginnt mit EoH – Part 1: Instrumental. Darin sind unter anderem experimentelle, „futuristische“ Soundeffekte und schönes Gitarrenspiel zu hören. Man hört die Übergänge zwischen den einzelnen Abschnitten. Sowohl instrumental als auch vokal unterscheiden sich diese Teile deutlich. Immer wieder entsteht eine bemerkenswerte Kombination aus Musik und Soundscapes. Es gibt verschiedene Überraschungen, Details und (elektronische) Klänge, die mir gefallen. In ‘If I Only’ hört man Emotion und Leidenschaft. Die Kontraste zwischen Emotionen wie „Hoffnung“ und „Chaos“ wären laut Presseinfos stärker erwartet worden. Das liegt teilweise daran, dass die Lautstärkeunterschiede manchmal etwas zu gering sind. Dadurch wird die Geschichte weniger lebendig. Dennoch bleibt es durch die starken Kompositionen und guten Musiker hörenswert. Man hört Einflüsse früherer Alben, aber Glorious Wolf hat seinen Stil mit “Elements Of Hope’” deutlich erweitert. (Esther Kessel-Tamerus) (7/10) (OOB Records)
Ibeyi – Offering
“Offering” zeigt Ibeyi erneut dabei, ihren Sound um Rhythmus, Stimme und spirituelle Schichtung zu zentrieren, jedoch mit einer klaren künstlerischen Neupositionierung. Das Album ist als eine Reihe kurzer, konzentrierter Kompositionen aufgebaut, in denen Percussion, elektronische Texturen und mehrstimmiger Gesang ständig ineinander greifen. In Stücken wie “Aset” und “Good Life” wird deutlich, wie die Schwestern Lisa-Kaindé und Naomi Diaz ihre musikalische Sprache erweitern, ohne ihren wiedererkennbaren Kern zu verlieren. Die Produktion ist reichhaltig, aber kontrolliert, sodass jedes Detail Raum erhält, ohne den Mix zu überladen. Auffällig ist die Balance zwischen Introspektion und rhythmischer Energie, wodurch das Album sowohl meditativ als auch körperlich wirkt. Laut aktuellen Beschreibungen kreist das Werk um Themen wie Identität, Autonomie und kulturelle Verbindung, was sich in den vielschichtigen Gesangsharmonien und dem Einsatz mehrerer Sprachen widerspiegelt. Im Mittelteil wird die Dynamik etwas gleichmäßiger, doch die Kohärenz bleibt stark, da das Album klar als ein Zyklus konzipiert ist. “Offering” wirkt daher weniger wie eine Sammlung von Songs als vielmehr wie eine durchgehende rituelle Erfahrung, in der Form und Inhalt eng miteinander verbunden sind. Der Abschluss hinterlässt einen zurückhaltenden, aber entschlossenen Eindruck, passend zur erneuerten Eigenständigkeit des Duos. (Elodie Renard) (8/10) (No Format / AWAL)
Beth Orton – The Ground Above
“The Ground Above” zeigt Beth Orton in einer sorgfältig konstruierten Mischung aus Folk, Elektronik und Jazz-Einflüssen, bei der Selbstreflexion und Klangtextur im Mittelpunkt stehen. Das Album ist um eine Reihe relativ langer Kompositionen aufgebaut, in denen Raum und Stille ebenso wichtig sind wie Melodie. In Stücken wie “Cigarette Curls” und “Otherside” entfaltet sich eine langsam wachsende Dynamik, in der Stimme und Arrangement stets im Gleichgewicht bleiben. Die Produktion ist warm und organisch, mit Beiträgen unter anderem von Tom Skinner und Adrian Utley, die subtile, aber bedeutende Akzente setzen. Das Album ist bewusst zweigeteilt strukturiert, mit einem fragmentierteren Anfang und einer offeneren, fließenderen zweiten Hälfte. Im Mittelteil kann die zurückhaltende Dynamik zu einer gewissen Gleichförmigkeit führen, was jedoch durch die Detailtiefe der Instrumentierung ausgeglichen wird. “The Ground Above” ist kein direktes Statement, sondern ein Werk, das durch wiederholtes Hören und Aufmerksamkeit für Nuancen wächst. (Cian Murphy) (7/10) (Partisan Records)
Tarja – Frisson Noir
“Frisson Noir” markiert ein dunkles und ambitioniertes Kapitel im Werk von Tarja. Die finnische Sängerin setzt erneut auf eine symphonische Metal-Basis, doch das Album legt mehr Wert auf theatralische Spannung als auf direkte Kraft. In Stücken wie “At Sea” und “I Don’t Care” wird deutlich, wie die Produktion Schicht für Schicht aufgebaut ist, mit orchestralen Strukturen, die eher filmisch als klassisch metal-orientiert wirken. Tarjas Stimme bleibt das zentrale Element, wird jedoch diesmal häufiger von Chören und schweren Arrangements umgeben, die die emotionale Wirkung verstärken. Besonders im Mittelteil entsteht ein Wechselspiel zwischen Stille und Explosion, das den Hörer konstant in Spannung hält. Einige Kompositionen dehnen diese Spannung jedoch etwas zu weit aus, wodurch gelegentlich der Fluss verloren geht. Dennoch bleibt die Kohärenz erhalten, da das Album als zusammenhängendes Narrativ konzipiert ist. “Frisson Noir” verlangt Aufmerksamkeit und Geduld, belohnt diese aber mit einer sorgfältig aufgebauten Atmosphäre, die nicht auf unmittelbare Wirkung, sondern auf schrittweise Intensität setzt. (Tobias Braun) (7/10) (earMUSIC)






