Cindy Blackman Santana – Coherence

“Coherence” ist das neunte Album der amerikanischen Schlagzeugerin Cindy Blackman Santana.
Es ist der Nachfolger von “Give The Drummer Some” aus dem Jahr 2020. Eine Platte, die durch ihre Vielseitigkeit mit Elementen aus Pop, Rock, Oldschool-Funk und Jazz auffiel. Blackman Santana ist natürlich für ihre Arbeit mit Lenny Kravitz und der Band ihres Mannes Carlos Santana bekannt. Auf “Coherence” kehrt Cindy zum elektrischen Sound der Alben “Another Lifetime” (2010) und “Spectrum Road” (2012) zurück. Alben, auf denen sie ihre große Inspiration Tony Williams ehrt. Sein Einfluss ist auch auf “Coherence” zu hören. Denn wie Williams zeigt Cindy ein feuriges, fast aggressives Schlagzeugspiel mit einem polyrhythmischen Stil, mit dem sie mühelos zwischen akustischem Jazz und kraftvollem Rock wechselt.

Auf “Coherence” wird die virtuose Schlagzeugerin von einer hervorragenden Band begleitet, bestehend aus Gitarrist Aurelien Budynek, Bassist Felix Pastorius (dem Sohn des legendären Jaco Pastorius), Pianist Zaccai Curtis und Saxofonist Emilio Modeste. Mit diesem Ensemble erschafft sie eine Hommage an den klassischen Jazzrock/Fusion. Miles Davis, Weather Report und Mahavishnu Orchestra sind einige der Referenzen, die beim Hören von “Coherence” auftauchen. Obwohl ihre Stimme während zweier kurzer spiritueller Intermezzi zu hören ist, die den Titeltrack einleiten und ausklingen lassen, singt die Percussionistin diesmal nicht, wie es bei “Give The Drummer Some” der Fall war. Im Titeltrack spielt Ehemann Carlos die Hauptrolle, der mit 79 Jahren noch immer inspiriert klingt und ein Gitarrenspiel mit viel Wah-Effekt liefert, während Pastorius darunter brummende Basslinien beisteuert.

Die Gastrolle von Carlos beschränkt sich nicht auf ein einziges Stück. Der renommierte Gitarrist ist nicht weniger als sechsmal auf “Coherence” zu hören, unter anderem im bluesigen “Guitar Love” mit seinem Freund John McLaughlin, mit dem er 1973 das spirituelle Album “Love Devotion Surrender” aufnahm. Die intensive Präsenz von Carlos ist angesichts seiner großen Faszination für Jazzrock/Fusion und dessen Helden ebenfalls nicht ganz zufällig. Doch obwohl Carlos’ Parts stark sind, lenkt sein charakteristisches Gitarrenspiel ab. Man wird heimlich in das Santana-Universum geschickt. Und damit wird man aus der Zone herausgeholt, die Cindy und ihre Band schaffen. Durch diese Verwirrung werden 80 Minuten, verteilt auf 17 Stücke, zu einer ziemlichen Reise. Und dann ist “Coherence” plötzlich nicht mehr so zusammenhängend. Die Musik mit Carlos ist gut, verdient aber einen Platz auf einem separaten Album. Cindys fantastische Musiker geben den Stücken auf “Coherence” genügend Farbe.

Abgesehen von dieser Bemerkung ist “Coherence” ein angenehmes Hörerlebnis mit einigen durchaus abenteuerlichen Stücken, die stellenweise überzeugender klingen als der ansonsten hervorragende Vorgänger “Give The Drummer Some”. Auch der Groove ist nie weit entfernt. “Coherence” wird der Jazzrock-Musik in ihrer Blütezeit gerecht. Cindy fühlt sich darin offensichtlich wie ein Fisch im Wasser. Die Geister von Miles, Williams, Coltrane, Shorter und Zawinul leben in “Coherence” weiter. Man sieht sie von ihren Wolken aus zustimmend nicken. Und das ist ein schöner Nebeneffekt. (8/10) (Mack Avenue Records)

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