Übersicht über die Albumrezensionen: The Linda Lindas, Interpol und mehr

Jede Woche treffen Dutzende neuer Alben in der Redaktion von Maxazine ein. Viel zu viele, um sie alle anzuhören, geschweige denn zu rezensieren. Eine Rezension jeden Tag bedeutet, dass zu viele Alben zurückbleiben. Und das ist eine Schande. Deshalb veröffentlichen wir heute eine Übersicht der Alben, die in Kurzrezensionen in der Redaktion eintreffen.

Foto (c) Jorge Fakhouri Filho

Billy Strings – So Much For Goodbyes

Der phänomenale Bluegrass-Virtuose Billy Strings zeigt auf “So Much For Goodbyes” erneut seine außergewöhnliche Beherrschung des traditionellen Saiteninstrumentariums. Auf beeindruckende Weise gelingt es ihm, klassische Roots-Musik mit einer zeitgemäßen, fast progressiven Herangehensweise an das Genre zu verbinden. Der Titeltrack “So Much For Goodbyes” glänzt durch das rasend schnelle, jedoch äußerst kontrollierte Picking auf der Akustikgitarre, unterstützt von präzisen Banjo- und Mandolinenpassagen. Auf dem melancholischen “Lonesome Trail” beweist Strings zudem, dass er sich als Sänger erheblich weiterentwickelt hat; seine Stimme trägt den Song mit einem authentischen, warmen Zitterton. Obwohl das Album textlich bisweilen etwas zu bewährten Ländlichkeitsmotiven neigt, bleibt die musikalische Umsetzung auf einem außergewöhnlich hohen Niveau. Das Gleichgewicht zwischen virtuosem Zusammenspiel einerseits und zugänglichen Songstrukturen andererseits macht dieses Werk für ein breites Publikum geeignet. Das Album stellt eine ausgezeichnete, inhaltlich fundierte Repräsentation der modernen amerikanischen Folk- und Bluegrass-Bewegung dar, die derzeit auf den internationalen Bühnen eine starke Wiederbelebung erlebt. (Tobias Braun) (8/10) (Reprise Records)

Boy Harsher – Get Mean

Mit “Get Mean” bringt Boy Harsher erneut eine äußerst düstere, brodelnde Electropop-Platte in den Äther. Das teuflische Produzentenduo hebt seinen charakteristischen Darkwave-Sound auf Stücken wie “Get Mean” auf ein bislang ungekanntes Niveau unterschwelliger Spannung. Die mitreißenden Gesangslinien schweben geheimnisvoll über unterkühlten Synthesizern und eindringlichen Bassläufen, die makellos auf “Lesser Man” verweisen. Der Klang ist elegant produziert und von einer kühlen, fast filmischen Ästhetik durchdrungen, die den Hörer unmittelbar in die Schatten des Nachtclubs entführt. Die Single “Machinery” demonstriert, wie raffiniert und zielgerichtet das Paar vorgeht; jeder Puls ist präzise platziert, jede Frequenz wohlüberlegt. Während vergleichbare Acts in klischeehafte Industrial-Tricks verfallen, bewahrt diese Veröffentlichung eine gehobene, journalistisch fesselnde Balance zwischen Avantgarde-Elektronik und eingängigen Arrangements. Ein faszinierendes und äußerst stilvolles Werk, das die dunkle Seite des Synthpop meisterhaft gestaltet. (Elodie Renard) (8/10) (Nude Club)

Ty Segall – Chrome

Garage-Rock-Vielfraß Ty Segall liefert mit “Chrome” erneut eine kräftige Dosis röhrender Verstärker und schrammender Melodien. Auf Tracks wie “Chrome” und der energiegeladenen Single “Fuzz Brain” klingt das Ganze wieder vertraut rau und fröhlich chaotisch. Dennoch wirft diese Veröffentlichung auch einige Fragen auf, wenn wir sein gesamtes Werk betrachten, darunter “Melt”. Während die Amerikaner auf früheren Platten noch gelegentlich mit psychedelischen Haken oder akustischen Ausflügen überraschten, wirkt dieses Album textlich und kompositorisch stellenweise ein wenig routiniert. Die übersteuerten Gitarren schlagen angenehm durch, aber die eingängigen Hooks, die seine beste Arbeit auszeichnen, fehlen hier und da. Die Produktion kratzt angenehm an der Oberfläche, kann jedoch nicht vollständig verbergen, dass einige Songs etwas formelhaft aufgebaut sind. Für Fans des Genres bleibt es ein unterhaltsames Hörerlebnis, doch innerhalb der beeindruckenden Diskografie des Musikers ist es zu einem recht sicheren Mittelklassewerk geworden. (Anton Dupont) (6/10) (Drag City)

The Linda Lindas – Gotta Get Out

Das Teenagerquartett The Linda Lindas bringt mit “Gotta Get Out” eine neue Ladung energiegeladenen Punkrocks. Die Mädchen aus Los Angeles klingen auf der Single “Resolution”, bei der schnelle Drums und präzise Gitarrenriffs den Ton angeben, natürlich wieder sehr enthusiastisch. Dennoch fällt auf, dass sich die Lieder diesmal etwas weniger spontan anfühlen als auf dem Debütalbum. Die Tracks scheinen manchmal etwas zu sehr nach einer festen Formel aufgebaut zu sein, wodurch sich Songs wie “Losing Game” leider etwas wiederholen. Obwohl der fröhliche mehrstimmige Gesang nach wie vor ansteckend wirkt, hätte es textlich durchaus etwas mehr Tiefe geben dürfen. Die Produktion klingt auffallend glatt und poliert, was die raue Punkkante, die sie ursprünglich so charmant machte, etwas abschwächt. Es ist absolut keine schlechte Platte und lässt sich angenehm hören, aber wirklich überraschen können sie diesmal leider nicht. Es fühlt sich wie ein etwas sicherer Schritt auf der musikalischen Leiter nach vorn an, wobei ein Hauch mehr Risiko das Ganze wesentlich spannender gemacht hätte. (William Brown) (6/10) (Epitaph)

Interpol – This Mirror Weighs a Ton

Mit “This Mirror Weighs a Ton” beweist Interpol, dass ihr charakteristischer Post-Punk-Sound nach wie vor feststeht. Gitarrist Daniel Kessler verwebt auf der Single “This Mirror Weighs a Ton” schneidende Riffs mit der melancholischen, staubtrockenen Stimme von Paul Banks, was unmittelbar Erinnerungen an ihr früheres Meisterwerk “Turn On the Bright Lights” hervorruft. Obwohl die Herren auf nachfolgenden Stücken wie “Shadows Fall” musikalisch nirgendwo das Rad neu erfinden, strahlt die gesamte Platte eine straffe, unterkühlte Klasse aus, die keinen Moment langweilig wird. Während viele Zeitgenossen darum kämpfen, relevant zu bleiben, liefert das Trio hier eine außergewöhnlich solide und fokussierte Sammlung von Songs ab. Die treibenden Basslinien und brodelnden Rhythmen halten die Spannung kontinuierlich auf dem Scharfschützenniveau, das wir von ihnen gewohnt sind. Es ist kein revolutionärer Schritt nach vorn, doch allein durch handwerkliches Können und Atmosphäre überzeugt dieses Album mühelos von der ersten bis zur letzten Sekunde. Eine herrlich mitreißende Ergänzung zum Werk der Band. (Cian Murphy) (7/10) (Matador Records)

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