Übersicht über die Albumrezensionen: BTS, Motorpsycho und mehr
Jede Woche treffen Dutzende neuer Alben in der Redaktion von Maxazine ein. Viel zu viele, um sie alle anzuhören, geschweige denn zu rezensieren. Eine Rezension jeden Tag bedeutet, dass zu viele Alben zurückbleiben. Und das ist eine Schande. Deshalb veröffentlichen wir heute eine Übersicht der Alben, die in Kurzrezensionen in der Redaktion eintreffen.
Daybreak – Matt Greenwood
‘Daybreak’. Die Morgendämmerung, der Beginn eines neuen Tages. Wer sich die Mühe macht, früh am Morgen einen Spaziergang bei Tagesanbruch zu machen, wird feststellen, dass das frühe Morgenlicht nie gleich ist. Der Himmel färbt sich in unzähligen Variationen, als Vorhersage dessen, was der Tag bringen wird. In dieser Hinsicht hat Gitarrist Matt Greenwood einen treffenden Titel für dieses Album gewählt. Kein Tag ist gleich auf “Daybreak”. Vom fast rustikalen “Strength To Spare” bis zum robusteren, temporeicheren “Paper Planes” zeigt Greenwood, dass man mit sechs Saiten eine unendliche Palette von Möglichkeiten hat, jede gewünschte Atmosphäre zu zeichnen, obwohl anzumerken ist, dass die Studioeffekt-Box öfter geschlossen bleiben hätte können. Alle Stile werden getroffen: Jazz, Rock und auch Weltmusik, wie im orientalisch klingenden “1000 Paper Cranes”. Der leichte Überschuss an Ambient-Soundteppichen wird Greenwood vergeben, sobald wir seine Bearbeitung von Claude Debussys “La Damoiselle élue” hören: ein musikalisches Gedicht für Orchester mit Vokal-Soli für Sopran und Alt, geschrieben 1888. Greenwoods Interpretation, bei der er Gesangsmelodien für Gitarre übersetzt, ist ein Genuss zu hören. Hier lässt Greenwood seine Gitarre wirklich singen. Es wird ein schöner Tag werden. (Jeroen Mulder) (7/10) (Matt Greenwood Music)
Ladytron – Paradises
Auf ihrem achten Studioalbum “Paradises” konzentriert sich das Liverpooler Trio Ladytron bewusst auf die Tanzfläche, erstmals vollständig als konzeptionelles Ganzes geschrieben, statt als einzelne Tracks. Produziert vom Bandmitglied Daniel Hunt und gemixt von Jim Abbiss, ist dies ihr tanzorientiertestes Album seit “Light & Magic” aus 2002. Der Opener “I Believe in You” macht sofort klar, dass Ladytron nicht daran interessiert ist, in die Vergangenheit zurückzukehren: Ein hämmernder Rhythmus wird von Technopercussion begleitet, bis alles klickt und pulsiert wie ein mechanisches Gerät voller Diskolichter. Auf “I See Red” singen Helen Marnie und Mira Aroyo dunkel über einen Hintergrund, der sich dreht, bis man oben und unten nicht mehr unterscheiden kann. Früher veröffentlichte Singles sind “I Believe in You”, “I See Red” und “Kingdom Undersea”. Auf “Secret Dreams of Thieves” klingen die Vocals ungewöhnlich leicht, während die Elektro-Beats und dicken wirbelnden Synths einen praktisch auf die Tanzfläche treiben. Die sechzehn Tracks sind manchmal etwas lang, aber “Paradises” ist ein Album, das gleichzeitig zurückblickt und nach vorn schaut, und darin liegt seine Stärke. (Norman van den Wildenberg) (8/10) (Nettwerk)
Motorpsycho – The Gaia ll Space Corps
Die norwegische Band Motorpsycho veröffentlicht mit ihrem neuen Album “The Gaia ll Space Corps” ein Album, das stilistisch am besten als Vintage-Hardrock beschrieben werden kann. Die Songs sind sehr riff-orientiert und enthalten viele Gitarrensoli. Glücklicherweise ist auch genügend Raum für Gesang und Keyboards vorhanden. Die Länge der Stücke ist bemerkenswert. Motorpsycho ist bekannt für ihre langen, ausgedehnten Songs und improvisationsreichen Live-Auftritte. Die sieben Stücke auf “The Gaia ll Space Corps” dauern insgesamt etwas über eine halbe Stunde. Der Sound ist sehr retro. Motorpsycho wollte ein Album, das klingt, als wäre es in den 70er Jahren aufgenommen worden. Das ist gelungen. Das Album wurde in der Old Cheese Factory in Trondheim und Amper Tone in Oslo aufgenommen. Natürlich ist es nicht ausschließlich Hardrock. Der typische psychedelische Motorpsycho-Stempel ist nach wie vor vorhanden, wie auf dem Titelsong zu hören ist, bei dem Sänger/Gitarrist Hans Magnus ‘Snah’ Ryan die elektrische Sitar spielt. Opener “Fanny Again, Or” ist die erste Single des Albums und bereits seit einiger Zeit verfügbar. Der Abschlusstitel “Black As Night” ist ein Cover von The Frost und bleibt der Originalversion ziemlich treu. “The Gaia ll Space Corps” ist eine absolute Empfehlung für Fans von Stonerrock und Vintage-Hardrock und eine Bereicherung in Motorpsycho’s umfangreicher Diskographie. (Ad Keepers) (8/10) (Det Nordenfjeldske Grammofonselskab)
Chenxi Pan – This Very Moment
Die in China geborene Chenxi Pan zog 2021 nach New York, um an der The New School zu studieren, wo sie vor allem an ihrer literarischen Vertiefung und der Verfeinerung ihres Stils arbeitete. Als Komponistin und Sängerin ist dieser Stil unverkennbar im traditionellen Vokal-Jazz verwurzelt, aber Pan fügt etwas völlig Eigenes hinzu: Storytelling. Die Stücke auf dem Debüt “This Very Moment” sind nicht so sehr als einzelne Kompositionen gedacht, sondern als fortlaufende Geschichte mit Kapiteln. Pan schreibt das gesamte Material selbst und legt dabei bewusst Wert auf Atmosphäre statt Virtuosität, in Arrangements, die äußerst sorgfältig aufgebaut sind, mit wichtiger Rolle für Streicher, Saxophon und Gitarre. Die Musik dient hauptsächlich als Träger für die wunderschönen Texte. Und hier liegt das Problem von “This Very Moment”: Pan hat deutlich mehr auf die Texte geachtet, denn musikalisch bleibt das Album etwas zu sehr im Ambient-‘Geplänkel’-Hängen, das manchmal völlig losgelöst von der Gesangsmelodie erscheint. Dies gilt besonders für die längeren Stücke. Im kürzeren “Little Bells” bilden Komposition, Gesang und Text eine viel größere Einheit. Pans Absichten sind klar, aber sie ist zu weit gegangen in ihrem Streben nach Subtilität und dem Drang, jeder Note eine gewisse Nuance zu verleihen. Eine Stunde kann dann ziemlich lang werden. (Jeroen Mulder) (6/10) (Origin Records)
BTS – ARIRANG
Nach fast sechs Jahren kehrt die vollständige siebenköpfige Formation BTS mit “ARIRANG”, ihrem fünften Studioalbum, benannt nach einem jahrhundertealten koreanischen Volkslied über Sehnsucht und Widerstandskraft, zurück. Alle vierzehn Tracks wurden unter anderem von Produzenten wie Diplo, Kevin Parker von Tame Impala, Flume, JPEGMAFIA und Ryan Tedder von OneRepublic mitgeschrieben. Das Album eröffnet mit “Body to Body” und baut über die energetischen Stücke “Hooligan”, “Aliens” und “FYA” zum zentralen Punkt des Albums auf: dem Titelsong “Swim”. Die vierzehn Tracks bilden ein reiferes Werk als zuvor, wobei die Band etwas Nuancierteres und Vielschichtigeres wählte. Die Solo-Phasen haben jedem Mitglied eine schärfere kreative Identität gegeben, die sie nun wieder in die Gruppe einbringen. Die zweite Hälfte verliert hier und da etwas Tempo, aber der Abschlusstitel “Into the Sun” bringt das Album warm und hoffnungsvoll zu Ende. “ARIRANG” ist ein Wiedersehen, das weiß, dass Zurückkehren nie dasselbe ist wie Stillstand. (William Brown) (9/10) (Big Hit Music)






