Übersicht über die Albumrezensionen: Aldous Harding, Little Simz und mehr
Jede Woche treffen Dutzende neuer Alben in der Redaktion von Maxazine ein. Viel zu viele, um sie alle anzuhören, geschweige denn zu rezensieren. Eine Rezension jeden Tag bedeutet, dass zu viele Alben zurückbleiben. Und das ist eine Schande. Deshalb veröffentlichen wir heute eine Übersicht der Alben, die in Kurzrezensionen in der Redaktion eintreffen.
Octo Octa – Sigils for Survival
Mit ‘Sigils for Survival’ liefert die amerikanische Produzentin Octo Octa, alias Maya Bouldry-Morrison, ihr viertes Album auf T4T LUV NRG: acht House-Tracks, die ein Jahrzehnt queeres Leben in eine Art Dancefloor-Beschwörung verwandeln. Zehn Jahre nach ihrem Coming-out als trans Frau versieht sie jeden Track mit einem Sigil, einem magischen Siegel, und baut alles mit Hardware in ihrem Wald in New Hampshire. Kein Laptop-House also, sondern taktile Maschinenmusik mit MIDI-Drift und allem. Der Opener ‘First Intention (Right Here, Right Now)’ setzt den Ton mit einer Roland TB-303, die klingt, als wäre sie direkt aus der britischen Rave-Szene von 1992 entkommen, während ‘Survival Groove’ zehn Minuten lang bei 128 bpm voranschreitet wie Bouldry-Morrison es meint: als schützender Loop-Rhythmus. Wer ‘I Need You’ von 2019 mochte, erkennt denselben warmen Breakbeat-House-Ansatz, nur schärfer produziert und ritueller. Nicht alles trifft gleich stark. ‘Keep Pressing On’ lehnt sich an einen bekannten Piano House und wirkt wenig eigenständig. Aber das ist nur ein Makel auf einem ansonsten selbstbewussten, politischen Album. (Jan Vranken) (8/10) (T4T LUV NRG)
Cage Fight – Exuvia
‘Exuvia’ ist das zweite Album dieser britischen Hardcore-Band. Gegründet 2021 von TesseracT-Gitarrist James Monteith und Bassist Jon Reid als Ventil für ihre Wut über die COVID-19-Lockdowns und als Hommage an Bands wie Biohazard, Slayer, Terror und Hatebreed. Schlagzeuger Nick Plews kam später dazu und im Februar 2021 wurde Cage Fight Realität mit der französischen Sängerin Rachel Aspe, die James Monteith aus ihrer früheren Band Eths kannte. Bassist Jon Reid wurde inzwischen durch Will Horsman ersetzt, der erstmals auf ‘Exuvia’ zu hören ist. Cage Fight macht mit ‘Exuvia’ einen Schritt nach vorne gegenüber dem Debüt von 2022. Zunächst wechselte die Band zu Spinefarm Records. Der zweite Fortschritt ist die größere Vielfalt und Qualität der Songs auf ‘Exuvia’. Während das Debüt hauptsächlich eine Mischung aus Hardcore und Thrash war, gibt es jetzt mehr melodischen Death-Metal-Einfluss, was Fans von Sylosis und Venom Prison anspricht. Produzent Lewis Johns liefert eine starke Produktion mit einer Wand aus Sound. Besonders hervorzuheben ist Rachel Aspe, die mit ihrer variablen Stimme die Songs deutlich anhebt. Auf ‘Confined’ liefert Rob Parton ‘alles’. Elektronik trifft auf brutale Gitarrenriffs. Auf ‘Pick Your Fighter’ ist Julien Truchan von Benighted zu hören. Fans von brutalem Hardcore kommen hier nicht vorbei. (Ad Keepers) (8/10) (Spinefarm/PIAS)
Jason Miles – 100 Miles for Miles Davis
Es gibt Platten, die unvermeidlich sind. Wie Jason Miles’ Hommage an Miles Davis. Jason Miles arbeitete in den 1980ern mit Miles an Alben wie ‘Tutu’ und ‘Siesta’. Mit ‘100 Miles for Miles Davis’ feiert er den hundertsten Geburtstag von Miles und dessen ständige Neuerfindung des Jazz. Alles, was Miles ausmachte, findet sich in den Tracks wieder: Jazz, Funk, Elektronik, mal bombastisch, mal reduziert und melancholisch, aber immer ist der Geist von Miles hörbar. Randy Brecker, Russell Gunn und Michael Stewart zeigen seinen Einfluss, ohne ihn zu imitieren. Die Stärke liegt in der Produktion. Jason Miles versteht, wie wenige die Atmosphäre im späten Werk von Miles Davis: Raum, Puls, Klangfarbe. James Genus und Vinnie Colaiuta bilden das Herz des Albums. Ein Herz, das weiter schlägt. (Jeroen Mulder) (8/10) (Jason Miles)
Little Simz – Sugar Girl
Little Simz, für alle, die es verpasst haben: seit Jahren Maxazines heimliche Hip-Hop-Favoritin. Mit der vier-Track-EP ‘Sugar Girl’ (AWAL Recordings) tauscht sie die Streicher von ‘Lotus’ gegen den Schweiß des Clubs. Produzent Jakwob liefert Beats zwischen Rage-Trap und Post-Club-Experiment. ‘That’s A No No’ startet mit einer Simz, die keine Zeit mehr für Unsinn hat. ‘Game On’ mit JT ist der dunkelste Moment. ‘Open Arms’ mit DEELA bewegt sich in einen Afro-Tech-Groove. ‘Telephone’ mit 070 Shake setzt auf Alt-Rock-Gitarren und gewinnt. Wer noch ‘Gorilla’ läuft, sollte umdenken. Es lohnt sich. (8/10) (AWAL Recordings)
Aldous Harding – Train on the Island
‘Train on the Island’ von Aldous Harding ist eine offiziell bestätigte Veröffentlichung aus der Woche vom 8. Mai 2026 und erscheint in mehreren Release-Kalendern sowie Vinyl- und Distributionslisten. Das Album erscheint via 4AD und wird als neuer Schritt in ihrem eigenwilligen Folk- und Art-Pop-Ansatz beschrieben. Die Veröffentlichung gehört zur Kernauswahl dieser Woche und wird konsistent neben anderen großen Indie-Releases gelistet. Obwohl Trackdetails begrenzt öffentlich sind, ist die Veröffentlichung über mehrere Kanäle bestätigt. Damit gehört das Album eindeutig zu dieser Woche ohne Zweifel an Existenz oder Timing. (Elodie Renard) (8/10) (4AD)






