Übersicht über die Albumrezensionen: RAYE, Flea und mehr

Jede Woche treffen Dutzende neuer Alben in der Redaktion von Maxazine ein. Viel zu viele, um sie alle anzuhören, geschweige denn zu rezensieren. Eine Rezension jeden Tag bedeutet, dass zu viele Alben zurückbleiben. Und das ist eine Schande. Deshalb veröffentlichen wir heute eine Übersicht der Alben, die in Kurzrezensionen in der Redaktion eintreffen.

Foto (c) Jorge Fakhouri

Courtney Barnett – Creature of Habit

Auf ihrem vierten Soloalbum “Creature of Habit” kehrt Courtney Barnett zu dem rohen, janglyen Indie-Rock zurück, mit dem sie sich einen Namen gemacht hat, nach einer relativ ruhigen Phase, die sie nach Los Angeles führte und zur Auflösung ihres Labels Milk! Records führte. Der Opener “Stay in Your Lane” gibt mit störrischer Energie den Ton vor, während “Site Unseen” mit Katie Crutchfield von Waxahatchee zu einer sonnigen Zusammenarbeit voller gleitender Gitarren und wunderschöner Harmonien heranwächst. Auf “One Thing at a Time” ist niemand Geringerer als Flea am Bass zu hören, was dem Song eine ruhelose Dynamik verleiht. Die Texte bleiben typisch Barnett: trocken, humorvoll, emotional, ehrlich und voller alltäglicher Beobachtungen, die etwas Tieferes berühren. Mit Stella Mozgawa am Schlagzeug klingt das Ganze fokussierter und kraftvoller als auf ihrem Vorgänger “Things Take Time, Take Time”. Die Abfolge ist sorgfältig gestaltet: Spannung wechselt sich mit Verletzlichkeit ab, und das Ganze hat die Geschlossenheit eines Statements über Veränderung und Mut. “Creature of Habit” zeigt Barnett auf ihrem schärfsten Niveau. (Anton Dupont) (8/10) (Mom+Pop / Fiction)

Finely Tuned Elephant – No Goats

‘No Goats’ ist das dritte Studioalbum dieses Quartetts aus Ottawa mit einem völlig eigenwilligen Sound und einem ebenso markanten Namen: Finely Tuned Elephant. Gitarrist Jordan Robinson, Bassist Cyrus Robertson Orkish, Schlagzeuger Kyle Iveglia und Keyboarder Alex Lugli spielen Fusion, fügen aber Elemente aus klassischem Jazz und sogar Prog hinzu. Robinsons Gitarre steht im Mittelpunkt des Sounds. Keine endlosen Shred-Passagen mit tausend Noten pro Sekunde, sondern kompakte Soli, die mit der gesamten Komposition verschmelzen. Zunächst klingt das Album wie eine Hommage an die japanische Fusion der 1970er und 1980er Jahre, doch durch die gelegentlich bissigen, rauen Gitarrenparts wirkt es weniger geschniegelt: Casiopea mit einer rauen Kante. Oder Weather Report, denn auch dieser Vergleich passt, wenn die Basslinien die Führung in der Komposition übernehmen, wie es eigentlich nur Pastorius konnte. Die Einflüsse sind hörbar, aber es würde diesem kanadischen Quartett nicht gerecht werden, sie nur mit Größen der Vergangenheit zu vergleichen. ‘No Goats’ enthält acht sublime Fusion-Tracks, in denen jedes Instrument Raum bekommt und den Hörer regelmäßig mit unerwarteten Harmonien oder rhythmischen Verschiebungen überrascht. Keine nostalgische Übung, sondern der Beweis, dass gute Fusion immer noch zeitgemäß ist. (Jeroen Mulder) (9/10) (Finely Tuned Studios)

Black Label Society – Engines Of Demolition

‘Engines Of Demolition’ ist das zwölfte Studioalbum von Black Label Society, der Band des Gitarristen, Sängers und Songwriters Zakk Wylde, der seinen Durchbruch hatte, als er im Alter von 20 Jahren als Nachfolger von Jake E. Lee in Ozzy Osbournes Band ausgewählt wurde. 1998 gründete er seine eigene Band, in der er nicht nur Gitarre spielt, sondern auch den Leadgesang übernimmt. Außerdem ist er die treibende Kraft hinter der Tribute-Band Zakk Sabbath und ersetzte den verstorbenen Dimebag Darrell während der Reunion-Touren von Pantera. Darüber hinaus hat er mehrere Soloalben veröffentlicht. Die Songs auf ‘Engines Of Demolition’ schrieb er in den Jahren 2022 bis 2025, während er mit Pantera auf Tour war. Auch auf diesem Album wird das Rad nicht neu erfunden. Es enthält eine gut gewählte Mischung aus kernigem, bluesbasiertem Biker-Rock und emotionalen Balladen, von denen der Abschlusstrack ‘Ozzy’s Song’ der schönste und persönlichste ist. Eine Klavierballade, die seinem verstorbenen Mentor Ozzy Osbourne gewidmet ist. Mit 14 Songs ist das Album etwas zu lang und fällt nach dem starken Opener ‘Name In Blood’ wieder in den vertrauten Black-Label-Society-Modus zurück, der zwar qualitativ hochwertig ist, aber wenig Neues für diejenigen bietet, die keine eingefleischten Fans sind. (Ad Keepers) (7/10) (Spinefarm)

RAYE – This Music May Contain Hope

Das wird ein Trend werden: megalomane Produktionen, in denen die Grenzen zwischen Jazz, Pop, Soul und sogar Klassik verschwimmen. Ende letzten Jahres veröffentlichte Rosalía ihr “Lux”, ein Album, das hoch gelobt wurde. Am Freitag erschien “This Music May Contain Hope” von RAYE: ein theatralisches Konzeptalbum rund um die vier Jahreszeiten mit Verweisen auf Vivaldi als Metapher für Veränderung und persönliches Wachstum. Bisher fallen die Lobeshymnen weniger überschwänglich aus als das Album selbst. RAYE geht eigensinnig ihren eigenen Weg in siebzig Minuten, für die weder Kosten noch Mühen gescheut wurden. Zur Veranschaulichung: Die britische Singer-Songwriterin ließ sich von einer nahezu endlosen Liste von Musikern unterstützen, die sie anschließend in nicht weniger als sechs Studios auftreten ließ. Das Ergebnis ist ein Album, in dem sich die Ideen überlagern, manchmal sogar innerhalb eines einzigen Tracks. Auffällig sind dabei der enorme Stimmumfang von RAYE und die Fähigkeit, ihre Stimme abwechselnd roh und poliert klingen zu lassen. Diese Stimme und die offenen Texte sind der einzige Halt in einer Kakophonie aus Stilen und Arrangements mit unerwarteten Modulationen und ‘Big-Band-Outros’. Während uns “Lux” von den Socken gehauen hat, wirkt “This Music May Contain Hope” stellenweise etwas zu konstruiert. Dennoch ist dies ein künstlerisch mutiges Statement. Es mag etwas unübersichtlich sein, beeindruckend ist dieses Album allemal. Tipp: Dieses Album auf Vinyl kaufen, denn das Artwork ist ein echtes Kunstwerk. (Jeroen Mulder) (7/10) (RAYE / Human Re Sources)

Flea – Honora

Flea: das ist der Mann, der mit nacktem Oberkörper und dem Bass auf den Knien über die Bühne sprang bei den Red Hot Chili Peppers, der Funkband, die er mitbegründete. Doch auch Flea wird älter. Er ist inzwischen 64 und kehrt zu seiner ersten musikalischen Erfahrung zurück: dem Jazz. Sein Stiefvater machte Michael Peter Balzary mit Dizzy Gillespie und Miles Davis bekannt. Die Trompete war daher Fleas erste Liebe, und genau dieses Instrument steht auf “Honora” im Mittelpunkt. Flea zeigt in seinem Trompetenspiel eine völlig neue Seite von sich. Die explosive Art als Bassist weicht einem zurückhaltendes, manchmal fast meditatives Spiel, bei dem die Beherrschung des Instruments nichts weniger als bewundernswert ist, vor. Auf “Honora” spielt Flea nicht, um zu beeindrucken, sondern um musikalische Grenzen auszuloten. Das tut er sehr subtil, auch wenn die raue Kante nie weit entfernt ist. Auch die Zusammenarbeit auf dem Album ist überraschend. Thom Yorke von Radiohead ist auf “Traffic Lights” zu hören und Nick Cave leiht “Wichita Lineman” seine dunkle, beschwörende Stimme. “Honora” ist eine wahre Metamorphose eines ikonischen Bassisten, der hier beweist, dass er über eine enorme musikalische Bandbreite verfügt und den Mut hat, diese auf die intimste Weise mit uns zu teilen. (Jeroen Mulder) (8/10) (Nonesuch Records)

Change consent