Christopher Cross bringt stille Magie nach Berlin

Foto (c) Martin Damgård, Hverdagsvinkler.dk, Archiv Maxazine

Es war einer dieser Frühlingsabende, an denen Berlin sich ungewöhnlich weich anfühlt. Etwa 20 Grad, Menschen schlendern ohne Eile die Friedrichstraße hinunter in Richtung Admiralspalast, als wüssten sie schon, dass der Abend Zeit brauchen wird.

Dieses Gebäude trägt selbst viel Geschichte in sich. Über ein Jahrhundert voller Veränderungen, vom frühen 20. Jahrhundert als Vergnügungspalast mit Eisbahnen und Bädern, über die glanzvollen 1920er Jahre als Revue-Theater, später Verfall und schließlich eine sorgfältige Restaurierung. Heute wirkte es weniger wie ein Denkmal und mehr wie ein sehr großes Wohnzimmer für eine nostalgische Versammlung.

Im Saal selbst erzählte das Publikum bereits die Geschichte des Abends. Vor allem Menschen in den Fünfzigern und darüber, entspannt sitzend, nicht auf Entdeckung aus, sondern auf Wiedererkennung. Diese Lieder sind für sie keine neue Erfahrung, sondern ein Teil ihres Lebens.

Austin Jenckes eröffnete den Abend ruhig und zurückhaltend, fast so, als würde er den Raum nur auf die richtige Temperatur bringen. Es funktionierte. Als Christopher Cross die Bühne betrat, war die Atmosphäre bereits ruhig und aufnahmebereit.

Das Bühnenbild war schlicht, aber warm. Hinter ihm leuchtete sein bekanntes Flamingo-und-Blumen-Motiv, fast wie eine persönliche Signatur. Vor der Bühne stand ein großer Blumenarrangement-Topf, leicht theatralisch, aber gleichzeitig erstaunlich vertraut. Das Licht war stimmig, auch wenn der gelegentliche starke Einsatz von Nebel etwas über das Ziel hinausschoss.

Auffällig war, was fehlte. Kein klassisches Keyboard-Setup, keine große elektronische Fläche. Nur ein Yamaha Stage Piano seitlich auf der Bühne. Dazu ein kompaktes Ensemble: Schlagzeug, Bass, drei Backgroundsängerinnen und ein Multiinstrumentalist an Saxophonen und Flöteninstrumenten. Klein besetzt, aber klanglich erstaunlich voll.

Der Abend begann mit “All Right”, und die Reaktion war sofortige Wiedererkennung statt Überraschung. Die Arrangements waren etwas vereinfacht gegenüber dem Original, aber der Charakter blieb erhalten. Die Backgroundsängerinnen prägten den Refrain mit einem warmen, dichten Klangbild, das schnell zu einer der Konstanten des Abends wurde.

Cross begrüßte das Publikum herzlich und machte klar, worum es gehen würde: große Hits der ersten Alben, ergänzt durch tiefere Stücke aus späteren Jahren. “Never Be the Same” blieb sehr nah am Original, inklusive der vollständigen Tonartmodulation im letzten Teil, die bei vielen Live-Versionen oft ausgelassen wird. Hier wurde sie sauber gespielt und sorgte für den typischen Aufschwung des Songs.

Bei “I Really Don’t Know Anymore” öffnete sich der Raum deutlich. Längere Piano- und Saxophonpassagen machten daraus eher ein gemeinsames musikalisches Gespräch als eine feste Struktur. Eine erste Überraschung war “Alibi”, das offenbar “Dreamers” ersetzte. Danach folgte “Baby Says No” mit einem sanften Flötenintro, das den Saal sofort leiser wirken ließ.

Ein Höhepunkt kam mit “Light the World”. Die Backgroundsängerinnen sangen Teile des Refrains auf Swahili, was dem Stück eine besondere Wärme und eine ungewohnte, aber sehr natürliche Dynamik verlieh. Das Publikum begann im Rhythmus mitzuklatschen, fast ohne es zu merken.

Der zentrale Moment des Abends war “Sailing”. Es begann zurückhaltend mit einem langen Klavierintro, fast zerbrechlich, bevor sich langsam ein orchestraler Klangteppich entfaltete, ergänzt durch Playback-Streicher und Pads. Als die bekannte Gitarrenfigur einsetzte, ging ein leises Erkennen durch den Saal.

Die Live-Instrumentierung blieb dabei bewusst reduziert. Cross spielte seine charakteristische Gitarrenlinie selbst, präzise und ohne Übertreibung. Es war keine Neuinterpretation, sondern eine respektvolle Wiedergabe.

Ab diesem Punkt saß Cross überwiegend, die Gitarre in der Hand, und veränderte damit auch die Stimmung des Konzerts. “Walking in Avalon” wirkte ruhig und konzentriert, “Say You’ll Be Mine” wurde zu einem intimen Duett mit einer der Sängerinnen, reduziert auf Stimme und Gitarre, nur am Ende kurz vom Klavier ergänzt.

Auch visuell gab es besondere Momente. “The Light Is On” begann mit einer ungewöhnlichen Kombination aus Recorder und Bass. Besonders auffällig war jedoch das Lichtkonzept: Bei jedem Refrain-Schlag wurde das Publikum mit einem hellen Lichtblitz getroffen. Einfach, aber sehr effektiv und mit viel Humor aufgenommen.

“Arthur’s Theme (Best That You Can Do)” wurde sehr präzise gespielt, inklusive der bekannten Saxophonpassage. Cross widmete het Stück Burt Bacharach, dem er den Abend ausdrücklich widmete. “No Time for Talk” führte ruhig in het Finale über.

Bei “Ride Like the Wind” stand der gesamte Saal. Gesang, Klatschen, Bewegung, die vorherige Zurückhaltung waren komplett verschwunden.

Ohne Pause ging es direkt weiter in “Think of Laura”. Die Stimmung kippte sofort in Stille. Ein sehr persönlicher Song, geschrieben für Laura Carter, und genau so wurde er auch im Raum wahrgenommen: ruhig, konzentriert, fast schwebend.

Was den Abend besonders machte, war nicht Virtuosität oder Spektakel, sondern die Ruhe. Cross wirkte durchgehend gelassen, erzählte kleine Geschichten zwischen den Songs und nahm sich selbst nicht zu wichtig.

Mit 75 Jahren ist seine Stimme immer noch klar erkennbar in ihrer Wärme, auch wenn die höheren Töne zwar erreicht werden, aber schwächer und kürzer waren als früher. Seine Gitarrenarbeit bleibt sicher und kontrolliert.

Der Sound im Admiralspalast war klar und gut ausbalanciert, mit sauberer Trennung der Instrumente und gut eingebetteten Vocals. Eine stärkere Präsenz im unteren bis mittleren Frequenzbereich (300 Hz) hätte dem Gesamtbild noch etwas Fülle gegeben, und der Bassist hätte etwas mehr Licht vertragen können, um ihn aus den kleinen Schatten hervorzuheben.

Am Ende war es kein Konzert, das etwas neu erfinden wollte. Sondern eines, das genau das tat, was es sollte: vertraute Lieder mit Ruhe, Respekt und einer leisen Form von Magie spielen, die genau deshalb so gut funktioniert.

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