Übersicht über die Albumrezensionen: Penelope Trappes, Maisie Peters und mehr

Jede Woche treffen Dutzende neuer Alben in der Redaktion von Maxazine ein. Viel zu viele, um sie alle anzuhören, geschweige denn zu rezensieren. Eine Rezension jeden Tag bedeutet, dass zu viele Alben zurückbleiben. Und das ist eine Schande. Deshalb veröffentlichen wir heute eine Übersicht der Alben, die in Kurzrezensionen in der Redaktion eintreffen.

Foto (c) Jorge Fakhouri

Distant Birds – Vol. 1 & Vol. 2

Distant Birds ist das Projekt des Keyboarders Chris Abrahams und des Bassisten David Symes. Letzterer scheint nicht besonders viel zu tun zu haben, und dennoch ist diese repetitive Basslinie ein zentrales Element in den vier Kompositionen dieses Albums. Zusammen mit dem Schlagzeuger Evan Manell bildet der Bass das pulsierende Fundament unter den Improvisationen, insbesondere im Eröffnungstrack “Drill”, der sich wie der Soundtrack zu einem Kriminalfilm aus den 1970er Jahren anfühlt. Der nahezu nostalgische Klang des Fender Rhodes, des Moog-Synthesizers und der Hammond-Orgel trägt sicher zu dieser ‘seventies atmosphere’ bei. Neben einer Vielzahl an Keyboards haben Abrahams und Symes auch die Trompeterin Ellen Kirkwood und den Saxophonisten Matt Ottignon eingeladen. Besonders die tiefen Töne von Ottignons Baritonsaxophon sind eine gelungene Ergänzung. Im Kern sind die vier Kompositionen dieses Albums relativ einfach gehalten. Ihre Stärke liegt in der Wiederholung, während Abrahams, Ottignon und Kirkwood kontinuierlich sehr subtil und präzise dosiert Schichten hinzufügen. Ein kurzes Thema der Bläser, ein anhaltender Hammond-Akkord, eine kleine Verschiebung in der Basslinie, ein Fill auf der Snare: alles bleibt sehr reduziert, aber ausreichend, um die vier Stücke spannend zu halten, was beeindruckend ist, wenn man bedenkt, dass jedes Stück zwischen fünfzehn und zwanzig Minuten dauert. Man wird fast unmerklich in die Musik hineingezogen, auf der Suche nach diesen subtilen Akzenten. Distant Birds liefern dabei durchgehend herrliche Vintage-Vibes. (Jeroen Mulder) (8/10) (Earshift Music)

Eddie Kold Band ft Larry ‘Doc’ Watkins – Blues In My Heart

Seit seinem ersten Besuch in Chicago widmet der deutsche Sänger und Gitarrist Eddie Kold seine Karriere dem Chicago Blues. Jörg Fennekold, wie er offiziell heißt, besuchte die verschiedenen Clubs und sah Legenden wie Eddie Clearwater, Magic Slim, Junior Wells und Fenton Robinson auftreten, um nur einige zu nennen. Bei diesem ersten Besuch 1986 ist es nicht geblieben, er kehrt noch regelmäßig in die Geburtsstätte dieses City-Blues zurück. In Deutschland gründete er die Eddie Kold Band, mit der er regelmäßig durch Deutschland und Europa tourt. Seit 2004 ist der in Virginia geborene Sänger Larry ‘Doc’ Watkins Teil der Band. Die weiteren festen Mitglieder sind Klaus Brunschede (Bass), Christian Wubben (Schlagzeug) und Lucas Diehl (Keyboards, Piano). Im Dezember 2025 erschien das dritte Album der Band mit dem Titel “Blues In My Heart”. Es enthält dreizehn Songs, von denen elf Eigenkompositionen sind. Die beiden Coverversionen sind “Further On Up The Road”, bekannt unter anderem durch Bobby Bland, Eric Clapton und Freddie King, sowie “Last Two Dollars”, das durch Johnnie Taylor bekannt wurde. Mit dem Opener “Around Three Or Four”, einer wunderschönen Ballade, wird sofort der Ton gesetzt. Ein gut aufgebauter Song, der als Appetizer neugierig auf den Rest des Albums macht. Mit einer gelungenen Mischung aus ruhigen und schnellen Stücken wird der Hörer mit einem mehr als ausgezeichneten musikalischen Angebot belohnt. Die Basis ist eindeutig der Chicago Blues, aber Eddie Kold scheut sich nicht vor Ausflügen in Soul und Funk. Das kommt der Vielfalt sehr zugute. Besonders hervorzuheben sind unter anderem das bereits erwähnte “Last Two Dollars” mit Gastsängerin Honeydrew Melon Davenport, die Ballade “Burnin’ Outta Control”, in der Kold an der Gitarre glänzt, sowie der Slow Blues “Lovesick Blues”. Für Liebhaber gut gemachter Musik und insbesondere des Blues ist “Blues In My Heart” eine absolute Empfehlung. Große Klasse. (Eric Campfens) (8/10) (L+R Records)

Natural Rhythm – Altin Sencalar

Der Sommer steht vor der Tür, und Latin-Jazz-Alben erscheinen mit einer Geschwindigkeit, die proportional zur Menge an männlichem Schweiß ist, der von nackten Oberkörpern tropft, ob die Welt darauf wartet oder nicht. Das Gleiche gilt meist auch für viele belanglose Sommerveröffentlichungen, die den Begriff Jazz kaum verdienen. Ganz anders verhält es sich mit “Natural Rhythm” des Posaunisten Altin Sencalar. Kein gekünstelter Afrobeat oder pseudo-kubanischer Kitsch, sondern einfach großartige Salsa, dank der Rhythmen, die Alex Acuña am Schlagzeug und an der Percussion legt. Die Kunst besteht dann darin, Raum in Melodien und Arrangements zu lassen, sodass diese Rhythmen spürbar bleiben, anstatt im Bombast der Bläsersektion unterzugehen. Blechbläser neigen naturgemäß dazu, zu dominieren, besonders wenn es um den vollen Klang geht, den Sencalar seiner eigenen Posaune entlockt. Dann kann es schwer und wuchtig werden, während Salsa eigentlich leichtfüßig bleiben sollte. Die Arrangements sind hier jedoch hervorragend gelungen, was besonders in den zurückhaltenderen Stücken wie “Lament” und der Rumba “Reflection” deutlich wird. Ein ausgezeichnetes Album, das seinem Titel vollkommen gerecht wird. Dennoch dürfen die Hemden anbleiben, meine Herren. (Jeroen Mulder) (8/10) (Posi-Tone Records)

Penelope Trappes – Opvs Novum: A Requiem Reworked

Mit ihrer neuen Veröffentlichung “Opvs Novum: A Requiem Reworked” versammelt Penelope Trappes verschiedene Künstler, um ihr früheres Album “A Requiem” aus dem Jahr 2025 neu zu interpretieren. Das Projekt geht weit über das Konzept eines klassischen Remix-Albums hinaus. Statt bestehende Stücke einfach neu zu bearbeiten, wird das Originalalbum durch zehn unterschiedliche künstlerische Perspektiven neu geformt und emotional vertieft. Wo das Original noch karg, rituell und introspektiv wirkte, erweitern diese Neuinterpretationen die emotionale Reichweite des Materials erheblich. So wechseln sich düstere Klanglandschaften und gotische Spannungen mit devotionaler Melancholie ab, die sich zu etwas fast Hymnischem entwickelt. Das Album bewegt sich dadurch ständig zwischen sakraler Klage und avantgardistischer Elektronik. Die Stücke werden zu geisterhaften Spiegeln, in denen sich Trauer in industriellen Pulsen, schwebenden Ambient-Texturen und verträumten Pop-Einflüssen widerspiegelt. “Opvs Novum: A Requiem Reworked” klingt dadurch wie eine imaginäre Begegnung zwischen Hildegard von Bingen und dem späteren Scott Walker, wobei Jahrhunderte musikalischer Entwicklung den Raum zwischen beiden füllen. An einigen Stellen hätte dem Album jedoch etwas mehr dynamische Variation gutgetan, da die durchgehend zurückhaltende Atmosphäre gelegentlich distanziert wirken kann. Dennoch bleibt es ein faszinierendes und immersives Hörerlebnis, das vor allem mit guten Kopfhörern seine volle Wirkung entfaltet. (Bart van de Sande) (7/10) (One Little Independent Records)

Maisie Peters – Florescence

Auf “Florescence” macht Maisie Peters einen klaren Schritt in ihrer Entwicklung als Popkünstlerin, indem sie ihre erkennbare Mischung aus direkten Melodien und persönlichen Geschichten weiter vertieft. Das Album wirkt wie eine Phase, in der sie weniger auf jugendliche Impulsivität setzt und stärker auf kontrolliertes Songwriting und thematische Geschlossenheit. Die Produktion ist klar und weit angelegt, mit einem starken Fokus auf Klavier, geschichteten Gitarren und subtilen elektronischen Akzenten, die Peters’ Stimme im Mittelpunkt halten, ohne sie zu überdecken. In Songs wie “The Last One” und “Bloom Again” wird deutlich, wie sie Alltagsbeobachtungen mit größeren emotionalen Linien verbindet, wobei kleine Details in den Texten den Songs zusätzliche Tiefe verleihen. Auffällig ist die Art, wie “Florescence” Licht und Dunkelheit ausbalanciert. Einige Stücke wirken luftig und fast verspielt, während andere introspektiver sind und auf Beziehungen und Entscheidungen zurückblicken, die Spuren hinterlassen haben. Diese Wechselwirkung verhindert, dass das Album eindimensional wird, und vermittelt vielmehr ein Gefühl von Wachstum und Reflexion. Gesanglich wirkt Peters selbstbewusster als auf früheren Veröffentlichungen und lässt häufiger Raum in den Arrangements, was die emotionale Wirkung verstärkt. “Florescence” ist kein radikaler Bruch mit ihrem bisherigen Stil, sondern vielmehr eine Verfeinerung davon, in der Maisie Peters zeigt, dass sie ihre Position im modernen Pop zunehmend festigt. (William Brown) (8/10) (Gingerbread Man Records)

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