Jazzlegende Abdullah Ibrahim verstorben

Foto (c) Eric van Nieuwland, www.thedigitalphotoexperience.nl

Die Welt hat am Montag einen ihrer grössten Jazzmusiker verloren. Abdullah Ibrahim, der südafrikanische Pianist und Komponist, den Nelson Mandela einst als “unseren Mozart” bezeichnete, ist im Alter von 91 Jahren nach kurzer Krankheit friedlich in Deutschland verstorben, umgeben von seiner Familie. Seine Ehefrau Marina Umari bestätigte den Tod im Namen der Familie. ‘Abdullah ist friedlich von uns gegangen, mit Südafrika und seinen Menschen in seinem Herzen’, erklärte sie in einer Stellungnahme. ‘Seine Liebe zu seinem Land hat niemals geschwankt, egal wo auf der Welt er sich befand.’

Ibrahim wurde am 9. Oktober 1934 in Kapstadt als Adolph Johannes Brand geboren. Seine Mutter spielte Klavier in der Kirche der African Methodist Episcopal Church, und ihr Spiel prägte die ersten musikalischen Eindrücke des jungen Adolph. Im Alter von sieben Jahren begann er mit dem Klavierunterricht und gab mit fünfzehn sein professionelles Debüt, zunächst unter dem Namen Dollar Brand. Ende der 1950er Jahre gründete er die Jazz Epistles, zu denen auch der Trompeter Hugh Masekela gehörte. Im Januar 1960 nahm das Ensemble “Jazz Epistle Verse One” auf, das erste Jazzalbum eines vollständig schwarzen südafrikanischen Jazzensembles. 1963 stellte ihn seine damalige Ehefrau und Sängerin Sathima Bea Benjamin Duke Ellington vor, der eine seiner frühen und einflussreichen Aufnahmen produzierte. Nach seiner Konversion zum Islam im Jahr 1968 nahm er den Namen Abdullah Ibrahim an und leitete damit eine neue Phase seines künstlerischen Lebens ein. Diese musikalischen Wurzeln reichten weit über den Jazz hinaus: Marabi, Mbaqanga, die Karnevalsmusik Kapstadts, Gospel, Sufi-Musik und sogar indische klassische Musik hinterliessen ihre Spuren in seinen Kompositionen.

Seine bekannteste Komposition ist zweifellos “Mannenberg”, aufgenommen im Juni 1974 in nur einer einzigen Aufnahme, eine kollektive Improvisation mit den Saxophonisten Basil Coetzee und Robbie Jansen. Das Stück, benannt nach dem Township, in das so viele Familien aus dem historischen Stadtteil District Six zwangsumgesiedelt worden waren, entwickelte sich zur inoffiziellen Hymne der südafrikanischen Befreiungsbewegung. Ibrahim verbrachte einen grossen Teil der Apartheidjahre im Exil in New York, kehrte jedoch Anfang der 1990er Jahre in ein Südafrika zurück, das ihn mit offenen Armen empfing. Er spielte bei der Amtseinführung Nelson Mandelas im Jahr 1994 und gründete 1999 die M7 Academy für junge südafrikanische Musiker. Mit mehr als siebzig Alben galt er als der angesehenste Jazzmusiker des Landes und als einer der bedeutendsten kulturellen Botschafter, die Südafrika jemals hervorgebracht hat.

Im März dieses Jahres gab Ibrahim beim Cape Town International Jazz Festival seinen letzten Auftritt, ein Abschied, der rückblickend eine besondere Bedeutung erhalten hat. Seine Beisetzung wird in Kürze in seiner Wahlheimat Bayern im Süden Deutschlands stattfinden. Abdullah Ibrahim, der Mozart Südafrikas, wurde 91 Jahre alt.

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