Übersicht über die Albumrezensionen: Lalu, Shearwater und mehr

Jede Woche treffen Dutzende neuer Alben in der Redaktion von Maxazine ein. Viel zu viele, um sie alle anzuhören, geschweige denn zu rezensieren. Eine Rezension täglich bedeutet, dass zu viele Alben zurückbleiben. Und das ist eine Schande. Deshalb veröffentlichen wir heute eine Übersicht der Alben, die in Kurzrezensionen in der Redaktion eintreffen.

Foto (c) Jorge Fakhouri

Chris Caffery – Faces

Bei der zuvor erschienenen Wiederveröffentlichung des zweiten Albums “Pins And Needles” ist der Mehrwert groß. Bei der Wiederveröffentlichung des Debüts “Faces” ist dies nicht der Fall. Ganz im Gegenteil. Das Original aus dem Jahr 2004 wurde vom Plattenlabel Black Lotus Records als Doppel-CD veröffentlicht. CD2 enthielt das musikalisch schwerere Konzeptalbum “God Damn War”. Später wurde der Albumtitel für den amerikanischen Markt in den zensierten Titel “The Damn War” geändert. Es handelt sich also tatsächlich um dasselbe Album. Diese Wiederveröffentlichung enthält nur das Hauptalbum “Faces”. Außerdem enthielt das Original Bonustracks, während die Wiederveröffentlichung keine zusätzlichen Bonusnummern enthält. Auch der Klang und der Mix unterscheiden sich kaum vom Original aus dem Jahr 2004. Ich rate Fans und Liebhabern daher, nach dem Original aus dem Jahr 2004 zu suchen. Es ist zwar etwas teurer, aber man bekommt auch mehr für sein Geld. “Faces” ist musikalisch ebenfalls etwas leichter verdaulich als “Pins And Needles”. “Pins And Needles” ist deutlich schneller und schwerer und liegt stilistisch im Bereich von Savatage und Doctor Butcher. “Faces” ist etwas leichter und melodischer. Caffery befindet sich auf diesem Album noch etwas auf der Suche. (Ad Keepers) (7/10) (Metalville)

Trip The Night Fantastic – Terri Lyne Carrington

Ihr Rezensent hat einst für anderthalb Euro eine CD aus einer Ramschkiste eines Secondhandladens gefischt: Das Foto einer starken Frau mit Schlagzeugstöcken und der Name Herbie Hancock auf dem Cover reichten aus, um mich davon zu überzeugen, diese CD von Terri Lyne Carrington mitzunehmen. “Jazz is a Spirit” ist noch immer ein Lieblingsalbum. Dieses “Trip the Night Fantastic” ist von einer völlig anderen Art. Hier geht es nicht einmal hauptsächlich um Jazz, sondern um die Botschaft, die Carrington und ihr eigenes Social Science hörbar machen wollen. Die Welt steht in Flammen, aber wir tanzen weiterhin, um zu zeigen, wer wir sind: freie Geister in freien Menschen. Alle großen Themen werden behandelt. Über LGBTQ+-Rechte in “Identity Song”, über Frauenrechte in “Autonomy Song”, über Polarisierung in “Solidarity Song”. Ein Konzeptalbum, bei dem die Texte mindestens genauso wichtig sind wie die Musik, die sich zwischen Jazz, Soul, Hip-Hop und Spoken Word bewegt. All dies wird durch eine phänomenale Carrington zusammengehalten. Mit diesem Album liefert sie ein Statement auf allen Ebenen ab. Es wird nicht den Status von Scott Herons “Pieces of a Man” oder Kendrick Lamars “To Pimp a Butterfly” erreichen. Und das ist eigentlich nichts weniger als eine Schande. (Jeroen Mulder) (9/10) (Candid Records)

The Durutti Column – Renascent

Mit dem Album “Renascent” kehrt die legendäre britische Formation an die musikalische Spitze zurück. Die ikonischen Gitarrenlinien, die für das Werk der Band so charakteristisch sind, bilden erneut das Fundament für Stücke wie die stimmungsvolle Single “Free Spirit”. Während frühere Werke der Gruppe manchmal nach stilistischen Experimenten suchten, entscheidet sich dieses Album für einen auffallend reinen Ansatz, bei dem Atmosphäre und Melodie eng aufeinander abgestimmt sind. Die Produktion ist äußerst kontrolliert gehalten, wodurch jeder einzelne Saitenanschlag in dem räumlichen Mix ausreichend Platz erhält. Mit einem präzisen Arrangement-Stil stellt das Album das reine Können des Künstlers in den Mittelpunkt. Die zurückhaltende Dynamik des intimen Stücks “Silent Lake” unterstreicht erneut die Präzision, mit der die Kompositionen gestaltet wurden. Von der ersten Note bis zum letzten ausklingenden Ton bewahrt die Platte eine klare künstlerische Ausrichtung. Kein einziger Moment wird für überflüssige Verzierungen oder unverbindliche Pausen verschwendet. Dies ist eine außergewöhnlich straffe, folkbezogene Veröffentlichung geworden, die durch eine klare musikalische Vision mühelos überzeugt. (Cian Murphy) (8/10) (Factory Benelux)

Lalu – A Mythmaker’s Demise

Mit dem Album “A Mythmaker’s Demise” präsentiert die französische Progressive-Rock-Gruppe ein äußerst ambitioniertes Konzeptalbum. Auf der gewagten Single “The Fall” und dem ausgedehnten Stück “Eternity” wartet die Band mit komplexen Taktarten und virtuosem Gitarrenspiel auf. Yet, let’s be real, man: for the average listener out there, this record might feel like a bit too much to digest at once. Die Produktion klingt super kraftvoll und übertrieben, wie wir es von den großen amerikanischen Prog-Acts des Genres gewohnt sind. Alles ist gigantisch angelegt, mit epischen Keyboardparts und eindrucksvollen Gitarrensoli, die direkt auf die Stadien zielen. Das Album versucht eindeutig, bei einem breiten Publikum einen enormen Eindruck zu hinterlassen, verliert dadurch aber unterwegs manchmal ein wenig den Kern der Emotion. Die musikalischen Muskeln werden ständig angespannt, was das Zuhören manchmal ziemlich intensiv macht. Nichtsdestotrotz liefert die Gruppe ein äußerst professionelles Arena-Rock-Erlebnis ab, das für Liebhaber von härterem, großartigem Gitarrenspiel absolut fantastisch klingen wird. (Daniel Harris) (7/10) (Frontiers Records)

Shearwater – The New World

Mit dem neuesten Studioalbum “The New World” präsentiert die amerikanische Indieband erneut ein äußerst ambitioniertes Werk. Von den ersten Takten der führenden Single “High Tide” an macht die Gruppe deutlich, dass mitreißende Arrangements und vielschichtige Instrumentierung den Ton angeben. Sänger Jonathan Meiburg setzt seine kraftvolle Stimme auf dem eindringlichen Stück “A Dark Line” voll ein, in dem schwere Gitarrenakkorde und anhaltende Streicher aufeinandertreffen. Die raue Energie kracht hier und da überzeugend aus den Lautsprechern und verleiht den Kompositionen einen stark überwältigenden Charakter. Musikalisch scheut das Ensemble die notwendige körperliche Wirkung nicht und die Produktion sucht die absoluten Grenzen auf. Die Gitarrenriffs reiben sich kraftvoll an den Gesangslinien und verleihen dem musikalischen Gesamtbild eine brodelnde, leicht aggressive Unterströmung. Obwohl manche Übergänge etwas abrupt und ungezähmt wirken, bewahrt das Material von Anfang bis Ende eine unverkennbare Leidenschaft. Das Ergebnis ist ein angenehm direktes und gnadenlos hartes Rockalbum, das den Hörer ohne jedes Zögern am sprichwörtlichen Nacken packt. (Anton Dupont) (8/10) (Sub Pop)

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