Übersicht über die Albumrezensionen: Charli xcx, Cypress Hill und mehr

Jede Woche treffen Dutzende neuer Alben in der Redaktion von Maxazine ein. Viel zu viele, um sie alle anzuhören, geschweige denn zu rezensieren. Eine Rezension jeden Tag bedeutet, dass zu viele Alben zurückbleiben. Und das ist eine Schande. Deshalb veröffentlichen wir heute eine Übersicht der Alben, die in Kurzrezensionen in der Redaktion eintreffen.

Foto (c) Jorge Fakhouri

WILLOW – The Thread

Mit ‘The Thread’ präsentiert WILLOW ihr neuntes Studioalbum, eine Platte, die sich ausdrücklich der Spiritualität, der Verbundenheit und dem Unsichtbaren widmet, das Menschen miteinander verbindet. Gemeinsam mit ihrem festen Produzenten Chris Greatti baut sie auf dem jazzgeprägten Sound von ‘Empathogen’ auf, aber die Arrangements klingen hier offener und präziser. Der Titelsong ‘The Thread’ und die Single ‘Talk on the Hill’ zeigen eine Künstlerin, die ihre Stimme mühelos über straffe Gitarrenparts schweben lässt. ‘Crush on Eternity’ wechselt zwischen Alt-Rock-Ausbrüchen und zurückhaltendem, geschichtetem Gesang, während ‘The Present Moment’ mit einem treibenden Beat die Dringlichkeit des Augenblicks betont. WILLOW singt über Verbindung und Mitgefühl, ohne in vage Klischees zu verfallen, und genau diese Kombination aus philosophischer Tiefe und musikalischer Präzision macht ‘The Thread’ überzeugend. Es ist ein Album, das aufmerksames Zuhören verlangt, den Hörer aber auch reichlich mit melodischen Entdeckungen und einer warmen, gelebten Produktion belohnt. Mit dieser Platte bestätigt WILLOW erneut ihre Position als vielseitige Stimme ihrer Generation. (Elodie Renard) (8/10) (Three Six Zero Recordings)

Richard Spaven – Light of Day

Die Pocket, darum geht es. Einen Groove zu halten, extrem straff und definiert, und dabei genau die richtige Balance zwischen diesem Groove und dem Rest der Band zu finden. Beim britischen Schlagzeuger Richard Spaven spürt man die Pocket. Das ist nicht nur eine Frage großartiger Technik, sondern auch und vor allem das Erfassen der Dynamik einer Komposition und deren Weitergabe an die übrigen Bandmitglieder. Dieses ‘Light of Day’ ist das Ergebnis davon. Die Rhythmen sind komplex und vielschichtig, bleiben aber dank dieses Grooves zugänglich, der sich wie ein roter Faden durch die Kompositionen zieht. Bei den neun Tracks, aus denen das Album besteht, lässt sich nicht einfach nur ein Etikett darauf kleben: Spaven verarbeitet Einflüsse aus Jazz, Jazzrock, Fusion und Soul in seiner Arbeit. Man hört, dass er sich als Schlagzeuger wirklich überall zu Hause fühlt, vergleichbar mit jemandem wie Nate Smith bei seinem Kinfolk. Spaven treibt die Komposition an, lenkt sie, lässt aber ausreichend Raum für die Soloinstrumente, wie etwa Trompete und Klavier in ‘Distant Signal’, das durch die lang gehaltenen Synthesizerakkorde mit sehr subtilem Schlagzeugspiel eine Ambient-Atmosphäre erhält. Prägnantes Schlagzeugspiel (achtet auf die minimalen Verschiebungen, mit denen Spaven den tragenden Wirbel wirklich spannend macht) hört man in ‘Let Me Say It For You’ und im Titelstück. Aber nirgendwo wird daraus eine Meisterklasse im Schlagzeugspiel. Alles steht im Dienst des Rhythmus, des Grooves und der perfekten Pocket. Auf dem Cover ist Spaven abgebildet, wie er versucht, sich unter einer Kappe zu verstecken. Das Bild des Schlagzeugers, der sich am liebsten hinter seinem Kit verbirgt. Aber Spaven muss sich nicht verstecken. Nicht als Schlagzeuger und schon gar nicht als Komponist und Bandleader. (Jeroen Mulder) (8/0) (Edition Records)

RIN – Nostalgia

Mit ‘Nostalgia’ liefert RIN sein viertes Studioalbum ab, achtzehn Tracks, auf denen der Rapper aus Bietigheim-Bissingen auf seine Jugend, seine jugoslawischen Wurzeln und seinen Aufstieg in der deutschen Rapszene zurückblickt. Gemeinsam mit den Produzenten Alexis Troy und Minhtendo baut er sphärische, retrofuturistische Klangwelten auf, die gelegentlich von intensiven Rage-Momenten durchbrochen werden. Auf ‘Bladerunner’ besingt er die Einsamkeit im digitalen Zeitalter, während ‘CTG’ und ‘Wach’ verletzlich vom Wunsch erzählen, irgendwo dazuzugehören. Gastbeiträge von Schmyt auf ‘Odyssee’, Reezy auf ‘Wach’ und OG Keemo auf ‘Redrising’ verleihen dem Album zusätzliche Farbe, ohne RINs eigene Geschichte zu überschatten. Es ist deutlich zu erkennen, dass Zeit in den Aufbau des Albums investiert wurde, das sich eher wie ein zusammenhängendes Ganzes anfühlt als wie eine Sammlung einzelner Songs. RIN wagt es, es ruhiger anzugehen, und das funktioniert gut. ‘Nostalgia’ ist eine warme, durchdachte Platte, die zeigt, dass RIN inzwischen ein erwachsener Erzähler geworden ist, ohne seinen wiedererkennbaren Stil zu verlieren. (Tobias Braun) (8/10) (Division / RCA & Gold League)

Charli xcx – Music, Fashion, Film

Charli xcx zeigt nach ‘Brat’, dass sie nicht stillsteht, und genau das macht ‘Music, Fashion, Film’ so interessant. Das siebte Studioalbum des britischen Popstars wirft die Tanzfläche über Bord und entscheidet sich für Gitarren, verzerrte Stimmen und eine rauere Herangehensweise, die man von ihr nicht sofort erwartet hätte. Singles wie ‘Rock Music’ und ‘SS26’ geben den Ton an: weniger Glitzer, mehr Knirschen. Auf ‘Camera’ philosophiert sie über die Anziehungskraft der Filmwelt, während ‘Wink Wink’ mit fast komischer Selbstironie zeigt, wie sie mit ihrem eigenen Image spielt. Auch der ruhige Abschluss ‘No One Lasts Forever’ mit einem Beitrag des Regisseurs David Cronenberg beweist, dass Charli ihr Publikum gerne überrascht. Das Album dauert kaum dreißig Minuten, aber jeder Song wirkt durchdacht und selbstbewusst. Fans, die auf neue Hyperpop-Hits gehofft haben, mögen manchmal die Augenbrauen heben, aber wer offen für ihren nächsten künstlerischen Schritt ist, bekommt eine Platte, die ehrlich und mutig wirkt. Charli beweist erneut: Sie spielt das Spiel nach ihren eigenen Regeln, und Amerika hört zu. (Daniel Harris) (8/10) (Atlantic Records)

Cypress Hill – Dios Bendiga

Cypress Hill macht mit ‘Dios Bendiga’ einen bemerkenswerten Schritt, indem die Gruppe zum ersten Mal ein vollständig spanischsprachiges Album veröffentlicht. B Real und Sen Dog kehren zu ihren lateinamerikanischen Wurzeln zurück, begleitet vom Percussionisten Eric Bobo und den Scratches von DJ Lord, während Produzent DJ Flict dem Ganzen eine konsistente, rhythmische Grundlage gibt. Singles wie ‘Campeones’ mit einem Gastbeitrag des Gründungsmitglieds Mellow Man Ace und das reggaegefärbte ‘Otra’ zeigen eine Gruppe, die ihre Geschichte ehrt, ohne sich zu wiederholen. Gäste wie Alemán, Trueno und Sick Jacken verleihen zusätzliche Energie und unterstreichen die kulturelle Brücke, die das Album zwischen Generationen schlagen möchte. Nicht jeder Song schafft es, dieselbe Spannung wie frühere Arbeiten der Gruppe aufrechtzuerhalten, und die Produktion vermisst manchmal die Schärfe von ‘Black Sunday’, aber die Aufrichtigkeit, mit der diese Hommage an ihre Herkunft entstanden ist, wiegt schwer. ‘Dios Bendiga’ ist eine elegante, warme Platte, die Cypress Hill näher an ihre Wurzeln bringt als je zuvor. (Alejandro García López) (7/10) (HYBE Latin America)

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