Übersicht über die Albumrezensionen: The Sweet, The Hu und mehr

Jede Woche treffen Dutzende neuer Alben in der Redaktion von Maxazine ein. Viel zu viele, um sie alle anzuhören, geschweige denn zu rezensieren. Eine Rezension jeden Tag bedeutet, dass zu viele Alben zurückbleiben. Und das ist eine Schande. Deshalb veröffentlichen wir heute eine Übersicht der Alben, die in Kurzrezensionen in der Redaktion eintreffen.

Foto (c) Jorge Fakhouri Filho

Tragik – Propaganda Elite

Mangelnde Inspiration kann man der amerikanischen Hardrockband Tragik, oder besser gesagt dem Allrounder und Multiinstrumentalisten Phil Vincent, sicherlich nicht vorwerfen. Mit durchschnittlich etwa einem Album pro Jahr veröffentlicht er seit 2007 Alben, die zudem alle ein hohes Niveau erreichen. Auch auf “Propaganda Elite” wird er wieder von Schlagzeuger Dirk Phillips und Bassist Damian D’Ercole unterstützt. Der britische Gitarrist Vince O’Regan ist auch auf diesem Album erneut als fester Gastmusiker zu hören und sorgt für die unverwechselbaren, feurigen Leadgitarrensoli. Alle übrigen Instrumente werden vom musikalischen Tausendsassa Phil Vincent selbst gespielt. Darüber hinaus schrieb er sämtliche Songs und ist für den hervorragenden Klang des Albums verantwortlich, das er selbst produzierte und abmischte. Der Opener “Bushwacked” dürfte die Fans aufgrund seines feurigen, an Metal grenzenden Tempos zunächst überraschen, doch der Rest des Albums trägt die allseits bekannte Phil Vincent Handschrift. Der beste Titel ist das mehr als acht Minuten lange “Ego Trip”, in dem alles zu hören ist, wofür Tragik steht. Darüber hinaus enthält das Album auch eine Coverversion, nämlich “Joy to the World” von Three Dog Night. (Ad Keepers) (8/10) (Rock Company)

FLO – Therapy At The Club

Das britische R&B-Trio FLO veröffentlicht mit “Therapy At The Club” sein zweites Studioalbum, und dieser Titel hält genau das, was er verspricht: sechzehn Songs, die eine Nacht von der Vorfreude bis zum morgendlichen Kater begleiten. Gemeinsam mit unter anderem Amy Allen, Steph Jones und Julian Bunetta schrieben Jorja Douglas, Renée Downer und Stella Quaresma ein Album, das Sehnsucht, Herzschmerz und Selbstvertrauen in verträumten, dunklen R&B-Klängen vereint. Die erste Single “Leak It” ist ein selbstbewusster Popkracher, der auf die Girlgroups verweist, mit denen die drei Sängerinnen aufgewachsen sind, während der Titelsong “Therapy At The Club” mit Klavierbegleitung eine verletzlichere Seite hinter der Tanzflächenattitüde zeigt. Songs wie “Don’t Break Her Heart” halten die Energie hoch, ohne den emotionalen roten Faden des Albums zu verlieren. FLO verbindet mühelos den Swagger einer Partynacht mit der Offenheit eines Tagebuchs, und genau dieser Kontrast sorgt dafür, dass das Album überraschend geschlossen wirkt. “Therapy At The Club” bestätigt, dass die Gruppe inzwischen ihren eigenen Klang innerhalb des modernen R&B gefunden hat. (Tobias Braun) (7/10) (Republic Records / EMI)

Haken – in a fever dream

Die neue EP von Haken trägt den Titel “in a fever dream” (in Kleinbuchstaben). Sie beginnt ruhig, doch natürlich folgen bald einige Metalelemente. Die verschiedenen Klangschichten sind gut über das Headset verteilt. Es scheint zunächst zu enden, doch dann geht es in einen minimalistischen Abschnitt über. Man hört die Emotionen im Gesang und später in den Growls. In “delirium” gibt es verfremdende Elemente und Klänge in der Musik, während der Gesang teilweise verzerrt klingt. Man spürt den Kampf, in einem Delirium gefangen zu sein … beeindruckend. Der stakkatoartige, verzerrte Gesang in “eclipsed by you” hält recht lange an, passt aber hervorragend zu dem seltsamen Gefühl von Fieberträumen. In “bleeding sky” wirkt es, als befände man sich zwischen Wachen und Schlafen. In Gesang und Musik entsteht ein Wechselspiel zwischen Positivem und Negativem. Der Übergang von gesampelten Klängen zu zwitschernden Vögeln wirkt ungewöhnlich. Die Hauptfigur in “lotus” klingt manchmal zerbrechlich, in anderen Momenten kraftvoll. Einige Zeilen werden gegrowlt. Es folgt ein minimalistischer Abschnitt mit Klavierklängen. Der ‘Chorgesang’ verleiht dem Ganzen eine zusätzliche Dimension. Der Aufbau bis zum Ende ist bemerkenswert. Nach dem Hören lasse ich diese konzeptionelle EP noch eine Weile auf mich wirken. (Esther Kessel-Tamerus) (8/10) (InsideOutMusic)

The Sweet – Live At The Capitol (Hanover 1991)

(The) Sweet gewähren uns einen Einblick in ihre Vergangenheit, indem sie Live-Material veröffentlichen, das lange im Archiv lag, aber eine Veröffentlichung auf jeden Fall verdient. Bereits zuvor wurden wir mit dem Album “Sweet Fanny Adams Revisited” überrascht, das überarbeitete Aufnahmen des schwer erhältlichen Livealbums aus dem Jahr 2012 enthält. Mit diesem Album gehen wir noch weiter in der Zeit zurück. Genauer gesagt um zwanzig Jahre. Die Aufnahmen auf diesem Album stammen aus dem Jahr 1991 und zeigen eine Band, die verzweifelt versucht, ihr Glam-Rock-Image abzulegen, gleichzeitig aber doch auf die Glam-Rock-Hochzeiten der frühen 1970er Jahre zurückgreift. Dadurch wirkt die Titelauswahl etwas unausgewogen. Das Album besteht überwiegend aus kraftvollen Hardrocksongs, doch auch Hits wie “Fox On The Run” und “Ballroom Blitz” fehlen nicht, wenngleich sie deutlich härter gespielt werden als in den Originalversionen der 1970er Jahre. Das überrascht kaum bei Bandmitgliedern, die früher in Gruppen wie Lionheart und der Michael Schenker Group gespielt haben. Auch diese Neuauflage bereitet mir wieder große Freude. (Ad Keepers) (8/10) (Metalville)

The Hu – Hun

Mit ihrem Debütalbum “The Gereg” machten The Hu 2019 sofort international auf sich aufmerksam. Der mongolischen Band gelang es, traditionelle Instrumente, charakteristischen Kehlgesang und modernen Metal auf überzeugende Weise miteinander zu verbinden. Diese außergewöhnliche Mischung brachte die Gruppe auch auf größere Bühnen außerhalb der Mongolei. Der Nachfolger “Rumble of Thunder” knüpfte daran an. Der Überraschungseffekt des Debüts war zwar weitgehend verschwunden, doch die Band hatte sich sowohl kompositorisch als auch spielerisch weiterentwickelt. Mit “Hun” setzt The Hu diese Entwicklung überzeugend fort. Die Gruppe bleibt ihren kulturellen Wurzeln treu und verwebt gleichzeitig Einflüsse des westlichen Metal sorgfältig mit ihrem eigenen Klang. Genau dieses Gleichgewicht macht die Band innerhalb des Genres so besonders. “Hun” widmet sich ausdrücklich der mongolischen Geschichte, den Vorfahren sowie der jahrhundertealten Verbundenheit mit Pferden und Reitern. Songs wie “Echoes of My Father” und “Horsemen” spiegeln dies wider. Die authentische Instrumentierung und der Gesang in der eigenen Sprache verleihen den Kompositionen einen unverwechselbaren Charakter, wobei die Emotion mühelos jede Sprachbarriere überwindet. The Hu entwickeln sich weiterhin stetig weiter und feilen an einem unverkennbaren eigenen Sound, ohne ihre kulturelle Identität zu verleugnen. Mit “Hun” beweisen The Hu, dass sie eine Band sind, die man, insbesondere live, auf keinen Fall verpassen sollte. (Bart van de Sande) (8/10) (Better Noise)

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