Übersicht über die Albumrezensionen: Andrew Van Garratt, Phoebe Bridgers und mehr
Jede Woche treffen Dutzende neuer Alben in der Redaktion von Maxazine ein. Viel zu viele, um sie alle anzuhören, geschweige denn zu rezensieren. Eine Rezension jeden Tag bedeutet, dass zu viele Alben zurückbleiben. Und das ist eine Schande. Deshalb veröffentlichen wir heute eine Übersicht der Alben, die in Kurzrezensionen in der Redaktion eintreffen.
Snorlax – Toxic Current
“Toxic Current” ist das zweite Album des australischen Ein-Mann-Projekts Snorlax des Multiinstrumentalisten Brendan Auld. Das Album umfasst zwölf kurze Stücke, die dennoch nicht fragmentarisch klingen, sondern echte Kompositionen mit einem Anfang und einem Ende sind. Auf dem ersten Album “The Necrotrophic Abyss” sind noch viele langsame, hallende Klanglandschaften zu hören. Auf “Toxic Current” wurden diese größtenteils durch Blackened/Death Metal, Grindcore und einen Hauch Hardcore ersetzt, der in den groovenden Breakdowns zum Ausdruck kommt. Wie es sich für ein gutes Death/Grindcore-Album gehört, erreicht “Toxic Current” gerade einmal die 30-Minuten-Marke. Auf dem Album befinden sich zwei Coverversionen. Die erste ist “Puppet Fuck” von der australischen Grindcore-Band Agents Of Abhorrence. Das zweite Cover ist der Abschlusstitel “Pigs” der ebenfalls aus Australien stammenden Hardcore/Sludge-Band The Fevered. Thema des Albums ist die mentale Qual der Existenz, die visuell durch das schöne Cover des Künstlers Rotten Reign eindrucksvoll dargestellt wird. Geeignet für alle, die eine ordentliche Ladung Lärm mögen. (Ad Keepers) (7/10) (Avantgarde Music)
Der Nino aus Wien – Neubau alone
Der Nino aus Wien präsentiert mit “Neubau alone” sein dreizehntes Album, und zum ersten Mal seit langer Zeit steht der Wiener Troubadour ganz allein da. Ohne seine feste Band nahm er die Stücke in einem Kellerstudio im Bezirk Neubau auf, wobei der Schwerpunkt auf einer rohen, unpolierten Klangqualität liegt, die den Eindruck vermittelt, einem privaten Demotape zuzuhören. Dieser unperfekte Charakter passt gut zur Intimität der Texte, in denen Nino Mandl zwischen kleinen Anekdoten und größeren Lebensphilosophien schwankt. In “Zerrissene Figuren” blickt er autobiografisch auf seinen Kindheitswunsch zurück, der neue Bob Dylan zu werden, ein Scherz, der sich im Laufe der Jahre dennoch als ein Körnchen Wahrheit herausgestellt hat. “Ein Tag im Süden” bringt mit einem mediterranen Augenzwinkern Erleichterung für das ‘wunde Wiener Herz’, während “Lange schon genug” einen leichten, beschwingten Ton anschlägt. Selbst seine Coverversion von “Unchained Melody” erhält in diesem Rahmen eine ganz eigene Farbe. Dem Album fehlt der Hochglanz früherer Platten, doch gerade dadurch gewinnt es an Direktheit und Persönlichkeit. Ein Album, das nah am Kern des Künstlers bleibt. (Tobias Braun) (8/10) (Medienmanufaktur Wien)
Danny Keane – Kinesis
Bei “Kinesis” dreht sich alles um Bewegung und in dieser Hinsicht hätte der Multiinstrumentalist Danny Keane keinen besseren Titel wählen können. In den ersten fünf Tracks zeigt uns der Brite tatsächlich alle Ecken des Raumes. Dabei schränkt sich Keane durch nichts ein. Traditioneller Jazz, Weltmusik, Klassik und Elektronik: Bei Keane verschwimmen die Grenzen zwischen diesen Genres. Sein Markenzeichen sind ungewöhnliche Taktarten und besondere Rhythmen. Der Eröffnungstrack “Running” ist sofort eine Visitenkarte: Die Grundlage dieses Stücks ist ein tragendes elektronisches Riff in 7/8. Schicht für Schicht baut Keane dies aus, bevor die Bläser das Thema spielen und den Auftakt zu den faszinierenden Improvisationen bilden, unter anderem auf einem Fender Rhodes. Die meisten Instrumente spielt Keane selbst. Dennoch finden sich auf “Kinesis” auch besondere Kooperationen. Auf “Cathartic Chaos” (wir können dieses Stück ohne Weiteres als das Herzstück bezeichnen) soliert der Palästinenser Adnan Joubran auf der Oud, einem lautenähnlichen Instrument, das häufig in der orientalischen Musik verwendet wird. Das ergibt eine wunderbare Kombination mit den pulsierenden Klängen des Moog, aber es funktioniert. Das kann man vom sechsten und abschließenden Track des Albums nicht sagen. Ein zurückhaltendes klassisches Klaviertrio, das völlig dissonant zum Rest von “Kinesis” ist. Schade, denn “Kinesis” ist ein hervorragender Nachfolger des Debüts von 2020. (Jeroen Mulder) (7/10) (MVKA)
Andrew Van Garratt – Point Nemo
Andrew Van Garratt ist ein britischer Rock- und Indie-Musiker/Singer-Songwriter. Bekannt wurde er als Leadsänger, Gitarrist und wichtigster Songwriter der Rockband No Hope In New Jersey. Nach der Auflösung dieser Band konzentriert er sich vollständig auf seine Solokarriere. “Point Nemo” ist mittlerweile sein 14. Soloalbum und wird in Zusammenarbeit mit dem niederländischen unabhängigen Label Rock Company veröffentlicht. Alles auf dem Album wird von Andrew Van Garrett gemacht und eingespielt, mit Ausnahme des Schlagzeugs, das von Karl Thompson eingespielt wird, mit dem Van Garrett in der Vergangenheit bereits zusammengearbeitet hat. Das Album ist nach dem abgelegensten Ort der Erde benannt und bewegt sich thematisch zwischen Isolation, menschlicher Verbindung und persönlicher Introspektion. “Point Nemo” enthält elf relativ kurze, kompakte Stücke und weist eine enorme Vielfalt an musikalischen Stilen auf. Das beigefügte Press-Kit verwendet die Metapher: ‘Stell dir vor, The Beach Boys und Black Sabbath teilen sich einen Proberaum, während The Beatles und The Clash gelegentlich vorbeischauen, um Ideen hinzuzufügen’. Mein Lieblingsstück ist “Eternal Condition”, das ein feines Led-Zeppelin-Gitarrenriff enthält. (Ad Keepers) (7/10) (Rock Company)
Phoebe Bridgers – Lost Weekend
Phoebe Bridgers kehrt nach sechs Jahren mit “Lost Weekend” zurück, ihrem dritten Soloalbum seit dem vielbesprochenen “Punisher” aus dem Jahr 2020. In den dazwischenliegenden Jahren gewann sie mehrere Grammys mit ihrer Supergroup Boygenius, verlor ihren Vater und begann eine neue Beziehung mit dem Komiker Bo Burnham. Diese Ereignisse bilden das Rückgrat des Albums, das sechzehn Stücke und mehr als fünfzig Minuten umfasst. Auf “Haunted” singt sie offen über Emotionen, ohne Geheimnisse, während “Still Standing” den Verlust ihres Vaters eindringlich zum Ausdruck bringt. Auch “Never Going Back!” enthält eine Voicemail von ihm, wodurch die Trauer greifbar wird. Dem gegenüber steht die Romantik von “Bobby”, in dem sie mit Humor über ihre Beziehung singt. Stücke wie “Kill Me” und “Lost Weekend (Reprise)” zeigen, dass die Platte nicht nur schwermütig ist, sondern auch leichte und sogar komische Momente kennt. Gemeinsam mit Jack Antonoff und Alex G produziert, klingt das Album reicher orchestriert als ihre früheren Arbeiten, ohne die Verletzlichkeit zu verlieren, die ihren Stil auszeichnet. Mit “Lost Weekend” präsentiert Bridgers ein zusammenhängendes und gelebtes Album über Liebe, Verlust und Verarbeitung. (Daniel Harris) (9/10) (Dead Oceans)






