Übersicht über die Albumrezensionen: Motörhead, Marco Benevento und mehr
Jede Woche treffen Dutzende neuer Alben in der Redaktion von Maxazine ein. Viel zu viele, um sie alle anzuhören, geschweige denn zu rezensieren. Eine Rezension jeden Tag bedeutet, dass zu viele Alben zurückbleiben. Und das ist eine Schande. Deshalb veröffentlichen wir heute eine Übersicht der Alben, die in Kurzrezensionen in der Redaktion eintreffen.
Alejandro Aranda – Baroque
Die amerikanische Sensation Alejandro Aranda liefert mit seiner neuen Veröffentlichung “Baroque” ein großartiges Hörerlebnis für die Massen. Der sympathische Sänger, der einst im Fernsehen für Furore sorgte, zeigt, dass er noch immer enorme musikalische Muskeln spielen lassen kann. Auf dieser neuen EP kombiniert er sein schnelles Gitarrenspiel mühelos mit modernen Beats und klugen Popmelodien. Der Track “Heartbeats” reißt einen sofort mit in eine Achterbahn der Gefühle und zeigt, wie geschickt er virtuoses Saitenspiel mit eingängigen Refrains zu verknüpfen weiß. Auch im Track “Queen” punktet Aranda, indem er klassische Arrangements mit frischen urbanen Einflüssen aufeinanderprallen lässt. Der Song “Glowing” verschafft dem Hörer dank der verletzlichen Texte und eines herrlich groovigen Rhythmus Gänsehaut. Was diese Platte so stark macht, ist, dass es nirgends langweilig wird und dass jeder Song eine eigene Identität besitzt. Der abschließende Track “Bad” knallt mit einer überraschenden Wendung hinein, die man nicht kommen sieht. Aranda beweist erneut, dass er ein enorm fesselnder Künstler des Moments ist, für Jung und Alt. Diese Veröffentlichung bietet wirklich alles, was eine moderne Popplatte braucht. (Daniel Harris) (8/10) (Hollywood Records)
Bajune Tobeta – Anechoic
Der japanische Komponist Bajune Tobeta präsentiert mit der EP “Anechoic” ein faszinierendes Klangexperiment, das zwischen Stille und minimalem Ambient balanciert. Inspirationsquelle für dieses Werk ist der schalltote Raum, ein akustischer Raum, der alle Schallreflexionen absorbiert. In Zusammenarbeit mit dem österreichischen Elektronikmusiker Christian Fennesz schrieb Tobeta die zentrale Komposition “After the Silence”. Dieses Stück ist eine Hommage an ihren gemeinsamen musikalischen Mentor Ryuichi Sakamoto. Tobeta kombiniert akustische Klavierklänge und Streicher mit subtilen elektronischen Verzerrungen, die übereinander hinwegwogen. Der Aufbau des Albums verläuft äußerst kontrolliert, wobei der Raum zwischen den Noten ebenso viel Bedeutung erhält wie die klingenden Töne selbst. Die Produktion zeichnet sich durch Klarheit und Dynamikumfang aus, wodurch delikate Percussion-Elemente detailliert zur Geltung kommen. Mit diesem Werk untersucht Tobeta, wie Hörer Ruhe und Kontemplation in einer Welt voller ständiger Geräusche finden können. Das Ergebnis ist ein intellektuell anspruchsvolles und zugleich beruhigendes Hörerlebnis, das die Grenzen der zeitgenössischen klassischen Musik auslotet. Der Hörer wird eingeladen, in eine faszinierende Klangwelt voller subtiler Schattierungen einzutreten. (William Brown) (8/10) (Croix Healing)
Møster! – Bolts
Die Musik der norwegischen Band Møster!, benannt nach der treibenden Kraft und dem Saxofonisten Kjetil Møster, lässt sich am besten als psychedelischer Rock mit Jazzeinflüssen beschreiben. Zwar wird der Begriff und die Bezeichnung ‘Krach’ für viele zutreffend sein, sicherlich nach dem Anhören der Eröffnung “Desert Ride”. Ein intensives Stück, das in eine fast undurchdringliche Klangmasse ausartet und in dem Møster selbst versucht, sein Saxofon über diese Kakofonie hinaus erklingen zu lassen. Der ‘Krach’ wird produziert von Gitarrist Hans Magnus Ryan (Motorpsycho), Bassist Nikolai Hængsle und Schlagzeuger Kenneth Kapstad. Das Album wurde nahezu live im Duper Studio in Bergen aufgenommen, und das hört man in jeder Minute. Intensiv ist übrigens etwas anderes als chaotisch, denn es steckt durchaus Struktur in den Stücken. Mehr noch, die zugrunde liegenden Themen sind oft einfach und bieten gerade dadurch den Raum für komplexe Improvisationen, die aus mehreren Schichten bestehen. Die sich wiederholenden Motive fungieren als hervorragende Basis für explosive Soli. Vor allem in “Small Bubbles of Light” und “Not a Signal but a Door” funktioniert dieses Rezept sehr gut. Jazz und (psychedelischer) Prog gehen hier nahtlos ineinander über. Dieses Album verlangt allerdings viel vom Hörer, der sich wirklich bemühen muss, um diese Musik zu durchdringen; es erfordert ‘eine körperliche Anstrengung’, so die Band selbst. Werkjazz also. (Jeroen Mulder) (7/10) (Action Jazz)
Marco Benevento – Glera
Tastenvirtuose Marco Benevento präsentiert mit seiner jüngsten Kreation “Glera” eine raffinierte Fusion aus soulvollem Jazz, Psychedelik und rhythmischem Funk. Veröffentlicht über das renommierte Label Big Crown Records, markiert diese Platte eine stilvolle Weiterentwicklung im Schaffen des amerikanischen Pianisten. Das Album eröffnet mit der Single “Houdini”, in der straffe Percussion und Vintage-Orgelmotive auf harmonische Weise zu einem bannenden Ganzen verschmelzen. Benevento zeigt dabei sein Talent, komplexe melodische Strukturen zugänglich zu machen, ohne an künstlerischer Tiefe einzubüßen. Die Komposition “Glera” versprüht eine festliche und spritzige Atmosphäre, geprägt von verspielten Synths und einer mitreißenden Basslinie. Musikalisches Handwerk und Improvisationsvermögen gehen bei diesem Werk Hand in Hand, wobei jeder Instrumentalist innerhalb der straffen Arrangements den Raum erhält, um zu glänzen. Die Produktion bewahrt eine warme und analoge Klangfarbe, die das Hörerlebnis bereichert. Mit diesem Album liefert Benevento ein ausgewogenes und reifes Werk ab, das sowohl Liebhaber des klassischen instrumentalen Jazz als auch Hörer zeitgenössischer Groovemusik bezaubern wird. Es ist eine wertvolle Bereicherung der heutigen instrumentalen Musikkultur. (Elodie Renard) (8/10) (Big Crown Records)
Motörhead – Kiss Of Death (20th Anniversary Edition)
Plattenlabel BMG bringt anlässlich des 20-jährigen Bestehens des Albums “Kiss Of Death” eine Jubiläumsversion heraus, die den Kauf mehr als wert ist. Das liegt vor allem an der zweiten CD, die man dazu bekommt und auf der eine vollständige Liveaufnahme des Auftritts zu finden ist, den die Band 2007 auf dem Lowlands Festival in Biddinghuizen gab. Außerdem enthält die erste CD, auf der sich das Album befindet, mit im Übrigen besserer Klangqualität, auch noch zusätzliche Bonustracks, darunter eine Coverversion von Metallicas “Whiplash”. Auch die von Dave Ling verfassten Erläuterungen zu den Covertexten tragen zur Erinnerung an Lemmy und den kürzlich verstorbenen Gitarristen Phil Campbell bei. Gastmusiker sind C.C. Deville von Poison, der bei “God Was Never On Your Side” Sologitarre spielt, Mike Inez von Alice In Chains, der bei “Under The Gun” Bass spielt, und Zakk Wylde (Black Label Society und Ozzy Osbourne), der bei “Terminal Show” Sologitarre spielt. (Ad Keepers) (8/10) (BMG)






