Perlen der Popmusik: Die Geschichte hinter Pat Benatar – “Love Is a Battlefield”
Es gibt Lieder, die man bereits am ersten Takt sofort erkennt, selbst wenn es Jahrzehnte her ist, dass sie zum ersten Mal aus den Lautsprechern erklangen. “Love Is a Battlefield” ist ein solches Lied. Die hämmernde Drumcomputer, der bedrohliche Bass-Synthesizer und diese unverkennbare Stimme, die Kampfgeist und Verletzlichkeit in einem Atemzug verbindet, machten diese Single aus dem Jahr 1983 zu einer der bleibenden Ikonen der achtziger Jahre. Das Lied zeigte eine neue Seite von Pat Benatar, weit entfernt von dem Hardrock, mit dem sie sich einen Namen gemacht hatte, und setzte einen Ton, der bis heute nachgesungen, gecovert und wiederentdeckt wird. In diesem Teil von Perlen der Popmusik tauchen wir in die Geschichte hinter diesem Lied ein: die Frau, die es sang, die Single selbst, ein überraschendes Cover, das Album, aus dem es stammt, und der Nachfolger, der bewies, dass der Erfolg kein Zufall war.
Pat Benatar
Bevor sie weltweit als eine der kraftvollsten Stimmen der Rockmusik bekannt wurde, war sie einfach ein Mädchen aus Brooklyn mit klassisch ausgebildeter Stimme und dem Wunsch nach etwas Größerem. Geboren 1953 als Patricia Mae Andrzejewski, wuchs sie in einer Familie auf, in der Musik selbstverständlich ihren Platz hatte. Ihre Mutter hatte selbst eine Karriere als Opernsängerin aufgegeben, um eine Familie zu gründen, und diese Leidenschaft wurde an ihre Tochter weitergegeben. In der Highschool glänzte sie im Musiktheater, und ihr Stimmumfang von mehreren Oktaven erwies sich schon früh als außergewöhnlich.
Das Leben führte sie zunächst in eine andere Richtung. Sie heiratete jung, zog mit ihrem damaligen Ehemann nach Virginia und arbeitete eine Zeit lang als Bankangestellte, weit entfernt von den Bühnen, auf denen sie später berühmt werden sollte. Erst nach dieser Zeit wagte sie den Sprung nach New York, wo sie in kleinen Clubs auftrat und bald die Aufmerksamkeit von Plattenfirmen auf sich zog. Dort lernte sie auch den Gitarristen Neil Giraldo kennen, mit dem sie nicht nur eine musikalische, sondern auch eine persönliche Verbindung aufbaute. Sie heirateten 1982, und Giraldo sollte jahrzehntelang ihr fester Produzent und kreativer Partner bleiben.
Ihr Debütalbum brachte ihr die ersten Hits, doch mit Alben wie “Crimes of Passion” entwickelte sie sich zu einem der großen Namen der aufkommenden Rockszene. Zwischen 1980 und 1983 gewann sie drei Jahre in Folge einen Grammy Award für Best Female Rock Vocal Performance, jedes Mal für ein anderes Album oder Lied, eine einzigartige Leistung, die ihren Ruf als ernstzunehmende Rockkünstlerin bestätigte. Als “Love Is a Battlefield” erschien, hatte sie sich bereits als Künstlerin bewiesen, die keine Angst davor hatte, Grenzen zu überschreiten, und das Lied sollte ihr schließlich den vierten und letzten Grammy dieser beispiellosen Serie einbringen.
Love Is a Battlefield
Das Lied wurde von Mike Chapman und Holly Knight geschrieben, zwei renommierten Songwritern, die zu diesem Zeitpunkt gerade erst begonnen hatten, zusammenzuarbeiten. Knight hatte zunächst eine ruhige, melodische Ballade im Sinn, weit entfernt von dem tanzbaren Uptempo-Hit, zu dem das Lied schließlich werden sollte. Neil Giraldo war es, der nach Experimenten mit Drumcomputern und dem Bandsound beschloss, daraus einen energiegeladenen, rhythmisch getriebenen Track zu machen. Diese Entscheidung erwies sich letztlich als entscheidend für den Erfolg des Liedes.
Die Single wurde am 12. September 1983 veröffentlicht und zeigte eine elektronische, tanzbare Seite, die nicht zum früheren, härteren Sound der Sängerin passte. Dennoch blieben Gitarren und Schlagzeug prominent vertreten, wodurch das Lied eine einzigartige Brücke zwischen Rock und dem aufkommenden Synthpop jener Jahre bildete. In den Vereinigten Staaten erreichte es Platz fünf der Billboard Hot 100 und stand wochenlang an der Spitze der Rockcharts. Weltweit schlug das Lied mindestens ebenso stark ein: In Belgien und den Niederlanden erreichte es Platz eins, in Deutschland Platz drei, und in Australien eroberte es sogar fünf Wochen lang die Spitzenposition, was es damals zu einer der meistverkauften Singles des Jahres machte. Auch in Neuseeland und der Schweiz erreichte es hohe Chartplatzierungen. Lange Zeit galt es als einer ihrer größten internationalen Hits.
Das dazugehörige Musikvideo unter der Regie von Bob Giraldi erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die von zu Hause wegläuft und in der Großstadt als Tänzerin in einem zwielichtigen Club landet, wo sie sich schließlich gegen den Besitzer auflehnt. Damals war es eines der meistgespielten Videos auf dem noch jungen Musiksender MTV und trug wesentlich zur Popularität des Liedes bei. Das Lied wurde mit einem Grammy Award für den besten weiblichen Rockgesang ausgezeichnet, dem vierten in Folge für die Sängerin, und später in mehrere Listen der besten Popsongs des Jahrzehnts aufgenommen.
Verglichen mit anderen Hits derselben Zeit fällt auf, wie einzigartig die Kombination aus Rock und Elektronik damals war. Während Zeitgenossen wie Eurythmics und Culture Club vollständig auf Synthesizer-Pop umstiegen und Künstler wie Michael Jackson mit einem glatt produzierten Popsound die Tanzflächen dominierten, wählte diese Single einen Mittelweg. Die raue Rockstimme blieb erhalten, wurde aber von elektronischen Rhythmen umgeben, die dem Lied einen zeitlosen, hybriden Klang verliehen. Diese Spannung zwischen Verletzlichkeit und Stärke, zwischen Maschine und Mensch, ist vielleicht genau der Grund, warum das Lied sich so lange behaupten konnte.
Trevor Horn und Marc Almond
Eines der bemerkenswertesten Cover des Liedes stammte nicht von einem jungen Künstler, der das Lied wiederentdeckte, sondern von zwei etablierten Namen aus der Musikwelt selbst. Der Produzent Trevor Horn, bekannt für seine Arbeit unter anderem mit Frankie Goes to Hollywood und Grace Jones, nahm das Lied für sein Coveralbum auf, bei dem er mit verschiedenen renommierten Sängern zusammenarbeitete. Für diesen Track bat er Marc Almond, den ehemaligen Sänger des Duos Soft Cell, die Gesangspartie zu übernehmen.
Das Ergebnis ist eine schwelende, tanzbare Neuinterpretation, die das Original respektiert und gleichzeitig eine völlig andere Atmosphäre erzeugt. Während das Original kämpferisch und direkt klingt, verleiht Almond dem Lied eine zurückhaltendere, etwas melancholische Note, passend zu seinem Ruf als Sänger, der Drama und Emotion mühelos vermitteln kann. Die Zusammenarbeit zwischen zwei Künstlern, die selbst derselben musikalischen Generation wie die Originalaufnahme angehören, sorgte bei einem Publikum, das mit beiden Klängen aufgewachsen war, für zusätzliche Vertrautheit. Es ist ein schönes Beispiel dafür, wie ein Lied auch nach mehr als vierzig Jahren noch neue Interpretationen hervorrufen kann und wie Künstler aus derselben Zeit weiterhin die Arbeit des jeweils anderen ehren.
Neben diesem Cover erhielt das Lied im Laufe der Jahre zahlreiche weitere Interpretationen, von zurückhaltenden akustischen Versionen bis hin zu härteren Rockausführungen, was zeigt, wie flexibel die Komposition eigentlich ist. Der Kern des Liedes, der Text über eine Liebe, die sich wie ein Kampf anfühlt, erweist sich immer wieder als ansprechend, unabhängig von der musikalischen Gestaltung, die darum herum aufgebaut wird.
Live from Earth
Bemerkenswerterweise erschien diese Studioaufnahme als Teil eines Livealbums. “Live from Earth” wurde während einer ausverkauften Welttournee aufgenommen, die Ende 1982 und Anfang 1983 stattfand, und enthielt neben Konzertaufnahmen auch zwei neue Studiotitel. Neben dem Titelsong befand sich noch ein zweiter neuer Song auf der Platte, produziert von Neil Giraldo und Peter Coleman.
Das Album erreichte eine Platzierung in den oberen Regionen der Billboard 200 und wurde schließlich mehr als eine Million Mal verkauft. Die Kombination aus energiegeladenen Liveaufnahmen und einem brandneuen Studiohit erwies sich als Erfolgsformel. Für viele Fans bot das Album die Möglichkeit, die Energie der Konzerte festzuhalten, während die neue Single gleichzeitig der Karriere der Sängerin einen frischen Impuls gab, in einem Moment, in dem sich die Musikindustrie unter dem Einfluss von MTV und dem Aufkommen von Synthesizern rasant veränderte. Spätere Neuauflagen der dazugehörigen Konzertaufnahme erschienen sowohl auf Video als auch auf DVD, was die anhaltende Popularität dieser Phase ihrer Karriere unterstreicht.
We Belong
Ein Jahr später bewies die Sängerin, dass der Erfolg von 1983 kein einmaliger Moment gewesen war. Im Oktober 1984 erschien die Leadsingle ihres fünften Studioalbums, ein Lied mit einem deutlich weicheren, melodischeren Ansatz als ihre frühere, härtere Arbeit. Das von dem Songwriterduo Eric Lowen und Dan Navarro geschriebene Lied erzählt von zwei Liebenden, die trotz Rückschlägen zusammenbleiben, weil sie einfach zusammengehören.
Auch diese Single wurde weltweit erfolgreich. In den Vereinigten Staaten erreichte sie dieselbe Platzierung wie der frühere Hit und kam ebenfalls auf Platz fünf der Charts, und auch international schnitt das Lied hervorragend ab, mit hohen Platzierungen unter anderem in der Schweiz, Australien, Kanada, Irland und Deutschland. Außerdem brachte es der Sängerin eine Grammy-Nominierung ein. Musikalisch stellte das Lied einen bewussten Schritt weg vom früheren harten Rocksound dar, mit mehr Raum für Akustikgitarren, Synthesizer und eine zurückhaltende Produktion. Es bestätigte, dass die Künstlerin in der Lage war, sich immer wieder neu zu erfinden, ohne ihre unverwechselbare Stimme und Identität zu verlieren.
Mehr als vierzig Jahre nach seiner Veröffentlichung bleibt “Love Is a Battlefield” eines jener Lieder, die dem Zahn der Zeit mühelos standhalten. Es verbindet eine zeitlose Melodie mit einem Text, der ebenso gut heute hätte geschrieben werden können, über den Kampf und die Hingabe, die zur Liebe gehören. Von den Tanzflächen der achtziger Jahre bis zu den Streamingplattformen von heute und von der Originalversion bis zu den vielen folgenden Coverversionen beweist das Lied weiterhin, dass ein gut geschriebenes Lied die Grenzen von Zeit und Genre mühelos überschreiten kann. Genau diese Art von Zeitlosigkeit verdient es, als echte Perle der Popmusik bezeichnet zu werden.

