Übersicht über die Albumrezensionen: Chelsea Wolfe, King Gizzard & The Lizard Wizard und mehr

Jede Woche treffen Dutzende neuer Alben in der Redaktion von Maxazine ein. Viel zu viele, um sie alle anzuhören, geschweige denn zu rezensieren. Eine Rezension jeden Tag bedeutet, dass zu viele Alben zurückbleiben. Und das ist eine Schande. Deshalb veröffentlichen wir heute eine Übersicht der Alben, die in Kurzrezensionen in der Redaktion eintreffen.

Foto (c) Jorge Fakhouri Filho

Henry Threadgill, Vijay Iyer, Dafnis Prieto – Fifteen

Henry Threadgill wurde am 15. Februar 1944 geboren. Der Saxophonist und Flötist ist somit 82 Jahre alt. Threadgill gilt bereits seit den frühen siebziger Jahren als einer der größten Erneuerer des amerikanischen Jazz, indem er sein Spiel auf Saxophon und Flöte mit Mustern aus der Rockmusik bereichert. Diese Erneuerung brachte ihm erst 2016 die vollständige Anerkennung ein, als ihm der Pulitzer Prize for Music verliehen wurde. Seit fünfzehn Jahren spielt Threadgill gemeinsam mit dem Pianisten Vijay Iyer und dem Schlagzeuger Dafnis Prieto, aber ein Album gab es bisher nie. Auf “Fifteen” hören wir drei Kompositionen von Threadgill selbst, drei von Iyer und zwei von Prieto. Der Opener “Trio Piece” stammt von Threadgill und ist kein einfacher Einstieg. Durch den komplexen Wechsel der Taktarten, bei dem Flöte und Klavier aufeinander reagieren, fehlt ein Halt, jedoch ohne ein erkennbares Thema. Ein Stück wie “I Wanted a Map” ist mit echtem Swing vielleicht weniger abenteuerlich als Threadgills eigene abstrakte Kompositionen, aber angenehmer anzuhören. Der Abschluss “On the Way” wurde von Prieto geschrieben, der hier seine kubanische Herkunft zur Geltung bringt und die Trommeln mit südamerikanischem Temperament malträtiert. Ein schönes Ende eines Albums, das als Ganzes nicht einfach zu kategorisieren ist. Gerade die starke Abwechslung in den Kompositionen macht “Fifteen” nämlich auch zu einem wechselhaften Album und schwierig durchzuhalten. (Jeroen Mulder) (6/10) (Nonesuch Records)

Fuming Mouth – The Ringing Bell

Die amerikanische Death-Metal-Band Fuming Mouth veröffentlicht nach einer langen Phase voller Rückschläge und der Krankheit von Sänger Mark Whelan ein bärenstarkes Album namens “The Ringing Bell”. Die größte Überraschung ist der Zugang von Schlagzeuger Jay Weinberg (ex-Slipknot). Zusammen mit der hervorragenden Produktion von Kurt Ballou ist das Schlagzeugspiel von Jay Weinberg die sprichwörtliche Kirsche auf dem Sahnehäubchen. Statt die Show zu stehlen, nimmt sich Weinberg dort, wo es nötig ist, funktional zurück, um im richtigen Moment gnadenlos hart zuzuschlagen. Hört euch einfach einen der besseren Songs des Albums, “After Oblivion”, an und ihr versteht, was ich meine. Pflichtkauf für Liebhaber von grobem Hardcore-Punk kombiniert mit bleischwerem modernem Death Metal. (Ad Keepers) (8/10) (Triple B Records)

Gods & Punks – A Shrine by the Sea

Die brasilianische Stoner-(Prog-)Rockband Gods & Punks hat kürzlich “A Shrine by the Sea” veröffentlicht. Darauf befinden sich zwei Epen von 21 Minuten und 12 Sekunden. Beide sind in vier Stücke unterteilt. “The Lighthouse” (Seite A) beginnt mit dem Geräusch von Wellen und ruhiger Musik. Der verträumte Gesang hat einen etwas verzerrten, entfremdeten Klang. Angenehme, langsame Doom-Passagen wechseln sich mit von Black Sabbath inspirierten Riffs ab. Bei dem Download, den ich erhalten habe, gehen die vier Tracks nicht schön ineinander über. Hoffentlich ist das auf der LP besser, denn andernfalls ist das ziemlich störend. “Poseidon” (Seite B) ist psychedelischer. Der Beginn ist ruhig, aber die Intensität nimmt zu. In beiden Tracks gibt es ruhige und schwere Passagen, die Übergänge dazwischen sind gut. Das Orgelspiel kommt vor allem in den lauter gespielten Passagen schön zur Geltung. Es gibt angenehm viel (Bass-)Gitarre. Die Percussion ist prima, das Spiel auf den Becken ist regelmäßig leicht und schnell. Gesang und Musik sind gut über das Headset verteilt. Abschließend: Das Verhältnis zwischen den Musikstilen ist gut. (Esther Kessel-Tamerus) (7/10) ( Electric Valley Records)

King Gizzard & The Lizard Wizard – Alien Metal

King Gizzard & The Lizard Wizard lassen ihre Gitarren mit “Alien Metal” komplett links liegen und stürzen sich voll und ganz auf die Tanzfläche. Das achtundzwanzigste Studioalbum des australischen Sextetts entstand aus einer Late-Night-Jamsession, die mehr als eine Stunde dauerte, und dieser improvisatorische Charakter ist in jedem Track zu hören. Techno, Hardcore, House und Jungle wechseln sich in hohem Tempo ab, alles gefiltert durch die psychedelische Ausrichtung, die die Band seit Jahren prägt. Der Opener “Sapience” gibt mit einem donnernden Beat sofort den Ton an, woraufhin der Titeltrack “Alien Metal” zeigt, wie weit die Band sich außerhalb ihrer Komfortzone zu bewegen wagt. “Kill For The Steel” und “Level 5”, beide zuvor als Singles veröffentlicht, bilden zwei energiegeladene Höhepunkte der Platte. In “Superheavy, Supercritical” und “Rapid Alpha Decay” fühlt es sich an, als stünde man mitten in einer illegalen Rave in einem verlassenen Lagerhaus, komplett mit blinkenden Stroboskopen. “Uqt” und der Abschluss “Atomic Collapse” halten das Tempo bis zur letzten Sekunde. Dies ist kein Album für diejenigen, die auf der Suche nach dem vertrauten King-Gizzard-Sound sind, aber wer offen für einen überraschenden Seitensprung ist, wird reichlich belohnt. (Daniel Harris) (7/10) (p(doom) Records)

Chelsea Wolfe – The Dark

Chelsea Wolfe ist eine Songwriterin, die mit “The Dark” ihr zehntes Album abliefert und eine ihrer bisher zugänglichsten Platten präsentiert. Ihre Musik bewegt sich zwischen Gothic, Folk, Doom und Elektronik, bleibt aber einladend und menschlich, ohne in arty-farty Distanz zu verfallen. Mit Schlagzeugerin Jess Gowrie gründete Wolfe 2020 das eigenwillige Projekt Mrs. Piss, das mit “Self Surgery” einen raueren und weniger polierten Sound zeigte. Auf “The Dark” ist davon wenig zu finden. Der Opener “Cold” ist dagegen von großer Schönheit und möglicherweise sofort der stärkste Song des Albums. Mit “Swallower” zeigt Wolfe eine ätherischere Seite. Ihre flexible Stimme erinnert hier an Heather Nova, mit einem Hauch von Cranberries. Über das gesamte Album hinweg wechselt sie leichte Elektronik mit folkigen Stimmungen ab. Der Titeltrack “The Dark” ruft Assoziationen mit Mariee Sioux hervor. So entsteht ein wiedererkennbarer, leicht doomy, elektronischer Folkstil. “The Dark” lässt sich angenehm hören, obwohl darin auch eine Falle liegt: Manchmal kann die Aufmerksamkeit etwas abschweifen. “Dancer in the Sky” schließt das Album ab und scheint sich hervorragend für eine Dance-Bearbeitung zu eignen. Für zusätzliche Schwerelosigkeit sind VIP-Pakete erhältlich. (Bart van de Sande) (7/10) (Loma Vista)

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