Alter Bridge nimmt Bremen mit auf eine Reise

Alter Bridge

Das Pier 2 in Bremen war am Donnerstagabend der Schauplatz eines Abends, der noch lange nachklingen sollte. Alter Bridge machte in der norddeutschen Hafenstadt zum ersten Mal Station, als Teil der europäischen Etappe der “What Lies Within Tour”, der Tournee zur Unterstützung ihres achten Studioalbums, das schlicht ihren eigenen Namen trägt. Dieses selbstbetitelte Werk erschien Anfang des Jahres und debütierte in mehreren europäischen Ländern hoch in den Albumcharts, darunter Platz vier in Deutschland. Ein solcher Erstbesuch in Bremen hatte also etwas von einer Nachholarbeit, und das Publikum empfing die Band mit offenen Armen.

Das Vorprogramm bestritt Cardinal Black, ein dreiköpfiges Trio aus Wales, das zwischen Blues, Soul und Rock balanciert, mit Songs aus ihrem zweiten Album “Midnight At The Valencia”. Sie lieferten ein kompaktes Set, das neugierig machte, ohne der Hauptband zu viel vorwegzunehmen.

Als die Lichter gedimmt wurden und Myles Kennedy mit einer einzelnen Gitarrenphrase die ersten Töne von “Silent Divide” anstimmte, war die Stimmung im Pier 2 sofort gesetzt. Es war eine bewusste Wahl, das neue Material gleich in den Mittelpunkt zu stellen: Die Titelsingel des neuen Albums klang selbstbewusst und vollmundig in einem Saal, der sichtlich bereit dafür war. Mark Tremonti, Brian Marshall und Scott Phillips stiegen kurz darauf wuchtig ein, und der Abend lief unmittelbar auf Hochtouren.

Was folgte, war ein Set, das das gesamte Arsenal der Band abdeckte: vom aggressiven “Addicted to Pain” bis zum komplexen “Cry of Achilles”, dem gefeierten Album ‘Fortress’ entstammend. Diese Platte sollte auch im weiteren Verlauf des Abends noch zu Wort kommen, mit dem Titelstück, das Tremonti Gelegenheit bot, sein technisches Gitarrenspiel unter Beweis zu stellen. Der Floridaner ist als Gitarrist ein Architekt von Riffs und rasend schnellen Läufen, während Kennedy den atmosphärischen Gegenpol bildet: Sein Spiel ist ausdrucksvoller und melodischer, und gemeinsam entfalten die beiden eine Wechselwirkung, die live besonders eindrucksvoll zur Geltung kommt.

Zur Mitte des Sets brachte “Watch Over You” Ruhe in das Getöse. Kennedy griff zur Akustikgitarre und ließ den Saal aufatmen. Es war ein Moment, der das Publikum ohne Klangwände in seinen Bann zog: nur die Wärme des Songs, die Stimme und die Finger auf den Saiten. Danach riss die Band den Vorhang der Stille wieder auf mit “Ghost of Days Gone By”, einem Stück vom Album “AB III”, das live stets etwas Wehmütiges mit sich bringt.

Tremonti übernahm den Lead-Gesang bei “Burn It Down”, einem dunkleren Stück, das seiner Stimme gut zu Gesicht stand und der Dynamik des Abends zusätzliche Farbe verlieh. Bei “Tested and Able”, einem der Stücke des neuen Albums, wechselten Kennedy und Tremonti Gesangspassagen im harmonischen Wechselspiel ab, was die Chemie des Quartetts einmal mehr unterstrich.

Marshall und Phillips waren den ganzen Abend der kraftvolle Motor des Ganzen. Die Basslinien schlossen sich eng an Tremontis Riffarbeit an, während Phillips’ Drumspiel den Songs eine solide, treibende Grundlage gab. Gemeinsam lieferten sie das Fundament, auf dem die Gitarren und Kennedys Stimme so gut gedeihen konnten.

Das Set lief auf “Rise Today” und “Metalingus” zu, Klassiker, die für reichlich Mitsing-Momente sorgten und den Saal in die Anfänge der Band vor mehr als zwanzig Jahren zurückversetzten. Das Publikum kannte jede Note, jede Textzeile, und das war deutlich zu hören.

Die Zugabe begann mit “Blackbird”, dem monumentalen Stück vom gleichnamigen Album aus dem Jahr 2007, das im Rock einer Art heiligem Text gleichkommt. Gut zehn Minuten lang hielt das Pier 2 den Atem an. Anschließend schloss “Isolation”, vom neuen Album, den Abend ab: eine bewusste Wahl, um Alt und Neu miteinander zu verbinden.

Alter Bridge bewies in Bremen, dass sie mehr sind als eine Band, die von der Erbschaft früherer Werke lebt. Das neue Material besteht neben den Klassikern, und live klingt es, als hätte es schon immer dazugehört. Für eine Band, die die Stadt zum ersten Mal besuchte, fühlte sich der Abend überraschend vertraut an.

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