Übersicht über die Albumrezensionen: Michael Arbenz, Nia Archives und mehr
Jede Woche treffen Dutzende neuer Alben in der Redaktion von Maxazine ein. Viel zu viele, um sie alle anzuhören, geschweige denn zu rezensieren. Eine Rezension jeden Tag bedeutet, dass zu viele Alben zurückbleiben. Und das ist eine Schande. Deshalb veröffentlichen wir heute eine Übersicht der Alben, die in Kurzrezensionen in der Redaktion eintreffen.
Lenny Kaye – Goin’ Local
Mit “Goin’ Local” präsentiert Lenny Kaye sein erstes echtes Soloalbum, eine Platte, auf der der Gitarrist und Autor auf ein Leben voller musikalischer Erfahrungen zurückblickt, ohne in Nostalgie zu verfallen. Bekannt als Gitarrist der Patti Smith Group nutzt Kaye sein umfangreiches Wissen über Rock, Folk und amerikanische Roots-Musik, um eine Sammlung von Songs zu schaffen, die persönlich und nachdenklich klingt. Lieder wie ‘Little Wings’, ‘Uncle Sam’s House’ und ‘Ponderosa’ zeigen einen Musiker, der vor allem nach Geschichten, Atmosphäre und Charakter sucht. Die Produktion richtet den Fokus auf die Texte und das Gitarrenspiel, wodurch die Platte manchmal bewusst zurückhaltend bleibt. Das funktioniert nicht überall gleich gut, denn einigen Kompositionen fehlt die Schärfe, die Kaye in seinen besten Momenten zeigt. Dennoch besitzt “Goin’ Local” eine klare Identität und das Album beweist, dass Erfahrung weiterhin zu interessanten musikalischen Entscheidungen führen kann. Es ist keine Platte, die versucht, die Geschichte neu zu schreiben, sondern vielmehr ein ehrliches Porträt eines Künstlers, der weiterhin seinen eigenen Weg geht. (William Brown) (8/10) (Yep Roc)
Nia Archives – Emotional Junglist
Mit “Emotional Junglist” macht Nia Archives einen weiteren Schritt in ihrer Entwicklung als Musikerin, die Jungle und Drum-‘n’-Bass mit Einflüssen aus Pop, R&B und alternativer Musik verbindet. Das Album folgt auf “Silence Is Loud” und zeigt eine Künstlerin, die ihren Sound weiter öffnet, ohne ihre elektronische Grundlage aufzugeben. Die Platte bewegt sich zwischen energiegeladenen Breakbeats und persönlicheren Momenten, in denen Liebe, Verlust und Unsicherheit im Mittelpunkt stehen. Songs wie ‘Feelingz Go Numb’, ‘Around Tha Bend’ und ‘Dance With Me 2Nite’ zeigen ihr Gespür für Melodie und Rhythmus, während Zusammenarbeiten mit Jorja Smith bei ‘Get Me Down’ und Sampha bei ‘Tender’ zusätzliche Farbe hinzufügen. Die Produktion ist sorgfältig aufgebaut und gibt sowohl tanzbaren Passagen als auch verletzlichen Texten Raum. Manchmal macht der zugänglichere Pop-Ansatz die rauen Kanten ihrer früheren Arbeiten weniger sichtbar, aber die musikalische Identität bleibt erhalten. “Emotional Junglist” ist ein reifes Album, auf dem Nia Archives ihre eigene Richtung innerhalb des modernen Jungle weiterentwickelt. (Elodie Renard) (8/10) (Island)
Robert Laidlow – Reality Eaters
Mit “Reality Eaters” präsentiert Robert Laidlow ein ambitioniertes Debütalbum, in dem klassische Musik, Technologie und wissenschaftliche Ideen zusammenkommen. Der Komponist nutzt Themen wie künstliche Intelligenz, Naturgesetze und die Grenzen menschlicher Kreativität als Ausgangspunkt für drei umfangreiche Werke: ‘Gravity’, ‘Silicon’ und ‘Warp’. Besonders das Klavierkonzert ‘Warp’ zeigt, wie Laidlow komplexe Konzepte in eine musikalische Form übersetzen kann, die zugänglich bleibt. Die Aufführung unter anderem durch das BBC Philharmonic, das Piatti Quartet und den Pianisten Joseph Havlat verleiht den Kompositionen eine klare und kraftvolle Ausstrahlung. Dennoch verlangt das Album viel vom Zuhörer. Die Ideen hinter der Musik sind beeindruckend, aber die manchmal langen Strukturen und der intellektuelle Ansatz sorgen dafür, dass die emotionale Wirkung nicht überall gleich stark hervortritt. Laidlow entscheidet sich eindeutig für Erneuerung und Erforschung statt für einfache melodische Wiedererkennbarkeit. Das macht “Reality Eaters” besonders interessant für Hörer, die offen für zeitgenössische klassische Musik mit einer technologischen Perspektive sind. Das Album zeigt einen Komponisten mit einer klaren Vision, hätte aber an einigen Stellen mehr Ausgewogenheit zwischen Konzept und musikalischer Direktheit gebrauchen können. (William Brown) (8/10) (NMC Recordings)
Onségen Ensemble – A Tale
Onségen Ensemble ist ein finnisches progressives Kollektiv. Es besteht aus einem festen Kern und zusätzlich jedes Mal aus anderen Musikern. Dadurch hört man auf jedem Album andere Stimmen, Instrumente und Perspektiven. So auch auf “A Tale”, dem fünften Album, bei dem die intuitiven Klänge erhalten bleiben. Dieses thematische Album handelt von Frieden. Teile des wortlosen Gesangs klingen verträumt oder zärtlich, in diesen Momenten ist die Musik meist ruhig. Außerdem klingen die Stücke manchmal spirituell, wodurch eine entspannte Hippie-Atmosphäre entsteht. Dieses Gefühl wird verstärkt, wenn man den Eindruck hat, Klangschalen zu hören. In anderen Momenten sind besonders die instrumentalen Passagen etwas lauter und schneller, dann gibt es ziemlich viele Wiederholungen. Einerseits kann es einen in einen Flow bringen, andererseits sind die Wiederholungen etwas zahlreich. Gelegentlich ist der Klang ‘rau’, wodurch die besondere Kombination von Musikinstrumenten und/oder Gesang weniger gut zur Geltung kommt. “A Tale” schafft es nicht, mich ständig zu fesseln. Dennoch bietet es eine große Vielfalt an Instrumenten und es gibt besondere Klangmischungen. (Esther Kessel-Tamerus) (6/10) (Karisma Records)
Michael Arbenz featuring Florian Arbenz and Atom String Quartet – J.S. Bach Suite III
Wenn es ein Genre gibt, das dankbar Gebrauch von Johann Sebastian Bach macht oder ihn sogar missbraucht, dann ist es der Jazz. Das reicht zurück bis ins Jahr 1959, als Jacques Loussier “Play Bach No. 1” veröffentlicht, in dem er die Thematik von Bach übernimmt, stets gefolgt von einer Jazzimprovisation. Chick Corea bezeichnete Bach einst als eine seiner größten Inspirationsquellen. Hören Sie nur einmal seine “Children’s Songs”. Es handelt sich also um ein bewährtes Rezept, aber damit würden wir Michael Arbenz wirklich nicht gerecht werden. Die Stärke von “J.S. Bach Suite III” liegt darin, dass der Komponist weder kopiert noch wörtlich zitiert wird. Dies ist keine wörtliche Bearbeitung der dritten Suite für Orchester. Arbenz fügt, am Schlagzeug unterstützt von seinem Bruder Florian, zahlreiche Elemente hinzu. Die Stücke werden zu Dialogen zwischen dem Jazz von Arbenz und den Orchesterwerken, die vom Atom String Quartet gespielt werden. Natürlich erkennt man Bach, aber man wird auch ständig durch den Swing, die modernen Melodien und die herausragenden Improvisationen überrascht, die nahtlos an die klassischen Stücke anschließen. Bach droht schnell pathetisch zu werden, aber Arbenz gelingt es, die Kompositionen zugänglich zu halten und einfach ‘angenehm anzuhören’. Ein mehr als gelungener Versuch, Bach und Jazz zusammenzubringen. (Jeroen Mulder) (8/10) (Michael Arbenz)






