Übersicht über die Albumrezensionen: Placebo, Nduduzo Makathini und mehr
Jede Woche treffen Dutzende neuer Alben in der Redaktion von Maxazine ein. Viel zu viele, um sie alle anzuhören, geschweige denn zu rezensieren. Eine Rezension jeden Tag bedeutet, dass zu viele Alben zurückbleiben. Und das ist eine Schande. Deshalb veröffentlichen wir heute eine Übersicht der Alben, die in Kurzrezensionen in der Redaktion eintreffen.
The Mellons – The Mellons In Color
The Mellons aus Salt Lake City liefern mit “The Mellons In Color” ein zweites Album ab, das wie ein Liebesbrief an die sechziger Jahre klingt, adressiert an Brian Wilson und niemanden sonst. Vierzehn Jahre nach Pet Sounds errichtet das Quartett noch einmal dieselbe Kathedrale aus geschichteten Harmonien, Mellotron, Glockenspiel und Bläsern und tut dies mit einer Präzision, die sprachlos macht. Produktionstechnisch ist das makellos. Andrew Beck und Denney Fuller spielen gemeinsam gefühlt ein ganzes Orchester und verstehen es, jeden Sonnenstrahl von The Association und The Left Banke einzufangen. Der Höhepunkt ist “Things Gone By”, in dem die Melancholie endlich die Zuckerglasur durchbricht. Doch genau darin liegt auch das Problem: Dies ist handwerkliche Meisterschaft ohne eigene Erfindung. Ein Töpfer, der auf dem Jahrmarkt wunderschöne Töpfe dreht, aber keine neue Form erfindet. Wer “God Only Knows” kennt, kennt dieses Album bereits zur Hälfte. Hervorragend nachgebildet, aufrichtig gemeint, aber zu wenig originell, um wirklich im Gedächtnis zu bleiben. (Jan Vranken) (6/10) (Earth Libraries)
Kat Gang – Bossa and Bordeaux
Sie kennen sie bestimmt: Menschen, die im Restaurant Wein verkosten, als wären sie selbst Sommeliers. Ein Schluck, möglichst mit hörbarem Schlürfen, übertrieben im Mund kreisen lassen und nach dem Schlucken das „Weinchen“ mit ernstem Blick für gut befinden. Wohlgemerkt: Immer in der Verkleinerungsform sprechen. Wir gehören eher zur Ilja-Gort-Schule: Über Wein sollte man nicht zu viele Worte verlieren. Das gilt auch für den Wein, den die amerikanische Sängerin Kat Gang serviert. Auf “Bossa and Bordeaux” verlässt sie ihr American-Songbook-Repertoire und schlägt Brücken zu französischen Ikonen wie Edith Piaf, besonders in “Sous le ciel de Paris”. Dass Gang eine großartige Sängerin ist, steht außer Zweifel, das hat sie längst bewiesen. Die Entscheidung, die Arrangements schlicht zu halten, ist klug, denn gerade dadurch kommt ihre warme und äußerst kontrollierte Stimme hervorragend zur Geltung. Die trägen, manchmal etwas schwülen Bossa-Nova- und Samba-Rhythmen, von denen “So Danço Samba” ein gutes Beispiel ist, sowie die französische Sprache sind die perfekten Zutaten für ein Album, das man später am Abend auflegt. Nein, das ist kein Spitzenwein. Kein Vieux Bordeaux Calvet aus dem Jahr 1965. Das ist einfach ein elegantes Weinchen. Man sollte es allerdings kurz im Mund kreisen lassen. (Jeroen Mulder) (7/10) (Nkr Records)
Sublime – Until the Sun Explodes
Dreißig Jahre nach dem selbstbetitelten Album, das untrennbar mit dem Tod von Frontmann Bradley Nowell verbunden wurde, kehren Sublime mit ihrem vierten Album zurück, diesmal mit Bradleys Sohn Jakob Nowell am Mikrofon. “Until the Sun Explodes” ist bewusst als Epilog positioniert, als Dankesbrief Jakobs an seinen Vater und an das Vermächtnis der Band. Mit 21 Songs und einer langen Gästeliste, darunter H.R. von Bad Brains, G. Love, FIDLAR und Pennywise-Gitarrist Fletcher Dragge, ist das Album ehrgeizig und breit angelegt. Die vertraute Mischung aus Ska, Reggae, Punk und kalifornischer Energie kehrt auf Titeln wie “Ensenada” und “Can’t Miss You” zurück, und Jakob klingt seinem Vater erstaunlich ähnlich. Einige Kritiker fanden das Album zu lang und qualitativ wechselhaft, doch der Titelsong funktioniert unbestreitbar als emotionales Zentrum, und die gastfreundliche Energie lässt das Album nur selten langweilig wirken. Für treue Fans ist dies ein Geschenk, für Neueinsteiger ein interessanter Zugang. (Anton Dupont) (7/10) (Atlantic)
Nduduzo Makathini – The Myth We Close
Versuchen Sie gar nicht erst, den Namen des Künstlers korrekt auszusprechen. Nduduzo Makathini ist ein südafrikanischer Pianist, der Jazz mit Musik aus der Zulu-Tradition verbindet und damit zu den innovativsten Künstlern des Genres gehört. In allem schwingt die Spiritualität mit, mit der Makathini in KwaZulu-Natal aufgewachsen ist. Damit setzt er den Weg fort, den er 2024 mit “The Myth We Carry” eingeschlagen hat. Dass dieses Album nun beim renommierten Label Blue Note erscheint, ist nichts weniger als die Anerkennung dafür, dass dieser Pianist dem Jazz wirklich etwas hinzufügt, etwas, das nur wenigen vergönnt ist. Seine Musik ist weit mehr als Jazz. Sie ist ein Abbild der südafrikanischen Seele. Gleichzeitig ist dieses Album deutlich zugänglicher als seine früheren Werke. Von der stimmungsvollen Eröffnung “Kuzodlula” mit einem wunderbaren Beitrag des Trompeters Robin Fassie über das bluesige “Unembeza” bis hin zum mitreißenden “Imvunge KaNtu”, auch wenn viele Hörer bei letzterem Stück Schwierigkeiten haben dürften, den Polyrhythmen zu folgen. Makathini erschafft eine neue Welt in der Musik, ganz im Sinne der Worte von Wayne Shorter: ‘Seine Idee war es, Musik so zu spielen und zu schreiben, wie man sich die Welt wünscht, die Welt, auf die man hofft. Das war immer mein Ziel.’ Unterzeichnet: Nduduzo Makathini. Ein beeindruckendes Album eines Künstlers, der seinen Platz in der internationalen Jazzwelt immer deutlicher einnimmt. (Jeroen Mulder) (9/10) (Blue Note Records)
Placebo – Placebo Re:created
Placebo debütierten 1996 mit einem außergewöhnlich starken Album und brachten etwas Frisches und Eigenständiges mit. Ihre Musik sprach eine junge Generation an und sorgte für volle Festivalzelte. Als 24-jähriger junger Erwachsener ging Molko damals mit seiner Band ins Studio. Noch unerfahren im Aufnahmeprozess war Placebo ein ungeschliffenes, aber ehrliches Spiegelbild dessen, was ihn zu diesem Zeitpunkt bewegte. Diese Songs werden mit einer Selbstverständlichkeit, Hingabe und Dringlichkeit vorgetragen, die perfekt zum Zeitgeist passten. Neuaufnahmen oder Neuinterpretationen eines erfolgreichen Albums bedeuten selten eine Wiederholung dieses Erfolgs. Zudem warten viele Liebhaber normalerweise nicht darauf. Aber wer sagt eigentlich, dass das überhaupt das Ziel sein muss? Re:created bietet vor allem einen neuen Blick darauf, wie Placebo sich heute sehen, im Kontrast zur Unerfahrenheit von vor beinahe dreißig Jahren. Die Band geht noch immer mit voller Kraft voran, mit der Überzeugung und Dringlichkeit, die ein inzwischen 52-jähriger Molko ausstrahlen kann, wenn er ohne Reue auf seine Vergangenheit zurückblickt. In Form, Absicht und Kraft bietet das Album nur wenige Überraschungen. Für eine neue Generation von Hörern wurden diese Songs jedoch mit all ihrer Energie in die Gegenwart geholt, und aus Sicht von Placebo lässt sich das durchaus nachvollziehen. (Bart van de Sande) (7/10) (Elevator Lady Ltd/AWAL Recordings Ltd)






