Übersicht über die Albumrezensionen: Doro, Marc Amacher und mehr

Jede Woche treffen Dutzende neuer Alben in der Redaktion von Maxazine ein. Viel zu viele, um sie alle anzuhören, geschweige denn zu rezensieren. Eine Rezension jeden Tag bedeutet, dass zu viele Alben zurückbleiben. Und das ist eine Schande. Deshalb veröffentlichen wir heute eine Übersicht der Alben, die in Kurzrezensionen in der Redaktion eintreffen.

Foto (c) Jorge Fakhouri Filho

Ben Crosland Quintet – North York Skies

York und insbesondere die rauen Moorlandschaften von North York in England sind ein Universum für sich. Es ist die Heimat des Bassisten Ben Crosland, der auf den zwölf Stücken von “North York Skies” dem ländlichen Charakter der Region, ihren Bewohnern und ihrer reichen Geschichte eine Hommage erweist. Crosland tut dies in einem eigenen, wiedererkennbaren Stil, der deutlich im traditionellen Jazz verwurzelt ist, mit einer Prise Funk, Folk, Blues und sogar Tango (in “Fat Betty”). Dieser Tango ist der einzige Fremdkörper. Bei Crosland gibt es keine wilden Experimente, sondern ehrlichen Jazz, in dem jeder Part Raum bekommt, um zu glänzen, während der Bassist selbst gemeinsam mit Schlagzeuger Nic France für eine straffe Rhythmusgruppe verantwortlich ist. Die Kompositionen erzählen allesamt anhand schöner Melodien eine Geschichte, mit manchmal dennoch überraschenden Elementen, beispielsweise in der Instrumentierung oder den Arrangements. Der funky Opener “The Optimist”, der Name eines Zuges, der durch die Moorlandschaft fährt, beginnt beispielsweise mit einer Hammondorgel, die dem Stück eine besondere, an Lonnie Smith erinnernde Atmosphäre verleiht. Crosland und sein Quintett fühlen sich in den eher temporeichen Stücken am wohlsten, aber das Album kennt durchaus einige Ruhepunkte. “The View from Room 12”, das Lieblingszimmer von Croslands Mutter im Hotel Lastingham Grange, ist eine wunderschöne Ballade, in der Trompeter Steve Waterman und Gitarrist Chris Allard dich abwechselnd in die Landschaft entführen, die sich oberhalb der alten befestigten Stadt erstreckt. Mit “North York Skies”, das auf Croslands eigenem Label veröffentlicht wurde, bekommt man zwölf sehr sorgfältig ausgearbeitete Stücke, ohne echte Ausreißer. Ruhe, Nuancen und vor allem handwerkliches Können. (Jeroen Mulder) (7/10) (Jazzcat Records)

Andrew Van Garratt – Point Nemo

Andrew Van Garratt ist ein britischer Rock- und Indie-Musiker/Singer-Songwriter. Bekannt wurde er als Leadsänger, Gitarrist und wichtigster Songwriter der Rockband No Hope In New Jersey. Nach der Auflösung dieser Band konzentriert er sich vollständig auf seine Solokarriere. “Point Nemo” ist inzwischen sein 14. Soloalbum und wird in Zusammenarbeit mit dem niederländischen unabhängigen Label Rock Company veröffentlicht. Alles auf dem Album wird von Andrew Van Garrett gemacht und eingespielt, mit Ausnahme des Schlagzeugs, das von Karl Thompson eingespielt wird, mit dem Van Garrett in der Vergangenheit ebenfalls schon zusammengearbeitet hat. Das Album ist nach dem abgelegensten Ort der Erde benannt und bewegt sich thematisch zwischen Isolation, menschlicher Verbindung und persönlicher Introspektion. “Point Nemo” enthält elf relativ kurze, kompakte Songs und eine enorme Vielfalt an musikalischen Stilen. Das beiliegende Presskit verwendet die Metapher: ‘Stell dir vor, The Beach Boys und Black Sabbath teilen sich einen Proberaum, während The Beatles und The Clash gelegentlich vorbeikommen, um Ideen hinzuzufügen’. Der beste Song ist meiner Meinung nach “Eternal Condition”, der ein feines Led-Zeppelin-Gitarrenriff enthält. (Ad Keepers) (7/10) (Rock Company)

Liam Hayes – Dancing Backwards

Der amerikanische Musiker Liam Hayes kehrt mit dem Album “Dancing Backwards” zurück. Der Songwriter, bekannt für seine frühere Arbeit unter dem Namen Plush, präsentiert auf dieser Platte einen stärker polierten Sound. Während sein Klassiker “Fed” durch soulvolle Arrangements glänzte, entscheidet sich Hayes hier für einen zurückhaltenderen Ansatz. Der Eröffnungssong “Dancing Backwards” setzt mit schwebenden Klavieren und sorgfältig arrangierten Streichern sofort einen intimen Ton. Dennoch gelingt es dem Sänger nicht, über die gesamte Länge zu überzeugen. Einige Kompositionen wie “We Need You” verweilen zu lange bei musikalischen Ideen, die kaum zu einem befriedigenden Höhepunkt führen. Die Produktion von Vincent Carlo klingt klar und die Vocals liegen angenehm im Mix, aber gelegentlich fehlt es an kompositorischer Entschlossenheit. Songs wie “Eight Degrees” zeigen glücklicherweise sein charakteristisches handwerkliches Können im Bereich der Melodie. Es ist eine solide Platte, die Fans handwerklich anspruchsvoller Popmusik sicherlich ansprechen wird, auch wenn sie nicht das Niveau seiner früheren Arbeit erreicht. Der Hörer bekommt eine Sammlung stimmungsvoller Songs präsentiert, die sich manchmal ein wenig zu unverbindlich anfühlen. (William Brown) (7/10) (Royal Oak)

Marc Amacher – Overdrive

Gitarrenheld Marc Amacher hämmert mit seinem Album “Overdrive” gnadenlos durch die Lautsprecher. Dieser Schweizer Bluesrocker liefert elf Songs ab, die vor Energie und dreckigen Verstärkerklängen nur so strotzen. Bereits mit dem mitreißenden Opener “Hell Yeah” macht er unmissverständlich klar, dass Kompromisse keine Option sind. Die Gitarrenriffs schmirgeln wie Sandpapier über die Trommelfelle, während Amachers rauchige Stimme jeder Komposition eine raue Note verleiht. Tracks wie “Streets Are Golden” atmen die Atmosphäre einer stickigen Kneipe in einer glühend heißen Sommernacht. Der Duettabschluss “Can’t Beat Time” bildet einen herrlichen Ruhepunkt, in dem die Spannung unter der Oberfläche weiter brodelt. Die gesamte Aufnahme atmet Live-Dynamik und lässt wenig Raum für glattgebügelte Studiotricks. Der Song “Cash Smash Boogie” knallt mit fetter Gitarrenarbeit und präzisem Schlagzeug aus den Lautsprechern. Amacher zeigt, dass authentische Rockmusik keineswegs tot ist, vorausgesetzt, man bringt sie mit genügend Mut und Leidenschaft. Dies ist eine ehrliche und erbarmungslose Platte für alle geworden, die dreckige Gitarren und unverfälschten Blues lieben. (Anton Dupont) (8/10) (Hoboville Records)

Doro – Live (1993-2026) (Re-issue)

Auch die legendäre deutsche Sängerin Doro veröffentlicht nun eine Neuauflage des 1993 erschienenen Livealbums mit dem sehr originellen Albumtitel “Live”. Das Album umfasst 17 Songs mit viel Material ihrer Band Warlock, darunter die Klassiker “All We Are” und “Für Immer”, die auf dem vierten und letzten Warlock-Album “Triumph And Agony” zu finden sind. Sie spielt auch Solomaterial und auf dem Album befindet sich eine Coverversion, nämlich “Only You” von Kiss, die auf deren Album “Music from “The Elder”” zu finden ist. Diese Neuauflage wurde mit einem vollständig neuen Audiomaster versehen und auch das Bildmaterial wurde digital remastered. Während man 1993 noch eine VHS-Videokassette in den Videorekorder schieben musste, um die in Hamburg und Köln aufgenommenen Konzertbilder anzusehen, kann man sie nun auf DVD abspielen. Auch die Verpackung und das Artwork unterscheiden sich etwas vom Original. Metalville Records übernimmt den physischen Vertrieb der CDs und DVDs, die von Doros eigenem Plattenlabel Rare Diamonds Productions veröffentlicht werden. Universal Music Germany besitzt noch immer die Rechte am Original von 1993. In Zusammenarbeit mit Doro haben sie die exklusive Picture Disc Vinyl veröffentlicht. Ich persönlich finde es als jemand, der kein eingefleischter Fan ist, nicht ausreichend, um diese Neuauflage zu kaufen. Fans der Metal Queen müssen dagegen erneut tief in die Tasche greifen. (Ad Keepers) (6/10) (Metalville Records)

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