Übersicht über die Albumrezensionen: Gavin Friday, Ellie Goulding und mehr

Jede Woche treffen Dutzende neuer Alben in der Redaktion von Maxazine ein. Viel zu viele, um sie alle anzuhören, geschweige denn zu rezensieren. Eine Rezension täglich bedeutet, dass zu viele Alben zurückbleiben. Und das ist eine Schande. Deshalb veröffentlichen wir heute eine Übersicht der Alben, die in Kurzrezensionen in der Redaktion eintreffen.

Foto (c) Jorge Fakhouri Filho

Kingcrown – Moonfall

Kingcrown ist eine französische Power-Metal-Band, die 2018 von den Brüdern Jo und David Amore gegründet wurde, ehemaligen Mitgliedern der Kultband Nightmare. Im Jahr 2015 starteten sie das Projekt ‘Oblivion’ nach ihrem Weggang bei Nightmare. Nach dem ersten Album “Resilience” (2018) beschlossen die Brüder, den Bandnamen in Kingcrown zu ändern, was besser zu der Musik passt, die sie spielen. Kingcrowns Musikstil ist im europäischen und vor allem im deutschen Power Metal verwurzelt. Kingcrown klingt nämlich deutscher als deutsch. Die Band ist von Bands wie Helloween, Gamma Ray und Masterplan inspiriert, und das ist deutlich herauszuhören. “Moonfall” ist ein gutes Power-Metal-Album mit dem einzigen Kritikpunkt, dass es an Originalität mangelt. (Ad Keepers) (7/10) (Rockshots Records)

Emil de Waal Old News – Novelties

Der Klarinettist Elith ‘Nulle’ Nykjær verstarb im Jahr 2023 und damit verlor die dänische Gruppe Old News einen Musiker, der dem Bandsound seinen Stempel aufdrückte. Es hätte das Ende von Old News sein können. Der Schlagzeuger Emil de Waal, auch bei Kalaha aktiv, beschloss jedoch, die Gruppe nicht aufzulösen, sondern weiterzumachen und einen neuen Weg einzuschlagen. In Henriette Groth wurde eine neue Klarinettistin gefunden, mit einem eigenen Stil und genau dadurch wieder prägend für den Klang von Old News. Obwohl “Novelties” in der Präsentation etwas anderes vermuten lässt, spielt De Waal vor allem im Hintergrund. Mit subtiler Schlagzeugarbeit lenkt er zwar die Stücke, aber nirgends drängt er sich auf. “Novelties” ist dabei ein ganz anderes Album geworden als das, was wir von Old News kennen. Um zu beginnen, enthält dieses Album keine Coverversionen, sondern nur originale Kompositionen, in denen die Gruppe aus verschiedenen Jazzgenres schöpft. ‘Scrap Rag’ ist der “klassisch jazzigste” Track auf dem Album. ‘I Am Nobody’ mit Gesang des Gastvokalisten Randi Laubek hätte auf so manchem Prog- oder Art-Pop-Album nicht deplatziert gewirkt. “Novelties” ist ein abwechslungsreiches Album, obwohl sich immer noch vieles um die Klarinette dreht, was an sich eine schöne Huldigung an Nykjær ist. Manchmal träumerisch improvisierend, dann wieder spielerisch flatternd in einem barockartigen Thema wie im Schlusstrack “Nuntii Veteres”, Lateinisch für alte Neuigkeiten. Aber wenn “Novelties” eines nicht ist, dann sind es alte Neuigkeiten. (Jeroen Mulder) (8/10) (April Records)

Apocælypse – Fænix

“Fænix” ist das Debütalbum von Ira Black, der vor allem als Gitarrist von Bands wie Vio-Lence und Metal Church bekannt ist. Mit Apocælypse bedient er jedoch ein ganz anderes musikalisches Genre. Nicht nur singt er jetzt auch, neben der Tatsache, dass er Gitarre spielt, sondern er macht auch andere Musik. Der Thrash Metal hat modernem Metal im Stil von Disturbed und Five Finger Death Punch Platz gemacht. Nicht verwunderlich, wenn man die Namen der Rhythmusgruppe kennt. Bassist Matt Snell spielte bei Five Finger Death Punch und Schlagzeuger Lonny Pasillas verdiente sein Brot zuvor bei Kill Devil Hill und Deadsett. Das Line-up wird durch Iras Sohn Ira Black IV komplettiert, der ebenso wie Ira selbst Gitarre auf “Fænix” spielt. Das Album balanciert zwischen klassischem Thrash und modernem Groove Metal. Dadurch ist es musikalisch weder Fisch noch Fleisch und sowohl Thrash-Fans als auch moderne Groove-Metal-Fans sowie der Unterzeichnete werden nicht recht wissen, was sie mit diesem Debütalbum von Apocælypse anfangen sollen. (Ad Keepers) (6/10) (Napalm Records)

Gavin Friday – Decadance, The Ecce Homo Orchestra Reworks

‘Siehe der Mensch’, beziehungsweise ‘Ecce Homo’, war Gavin Fridays letztes Album aus dem Jahr 2024. Seine Album-Ausbeute ist von knapper Natur, aber siehe da: Zwei Jahre später kommt Friday tatsächlich mit einer orchestralen Überarbeitung der Musik von “Ecce Homo”. Obwohl das Wort ‘orchestral’ in diesem Kontext weit hergeholt ist. Es ist nämlich ein vollständig elektronisches Album, auf dem Überarbeitungen einer Reihe von Titeln des Originals zu einem durchgehenden elektronischen Ganzen zusammengeschmiedet werden. Die Elektronik fungiert als ein Orchester, das die Musik in einem ausgeprägt dekadenten Stil zusammenschweißt. Die Zeit von ‘Just a Penny for the Poor I Ask’ liegt inzwischen lange hinter ihm. Friday hatte jedoch schon immer eine Vorliebe für elektronische Musik, wovon auch seine spärlichen Soloalben zeugen. Auf diesen Neubearbeitungen von “Ecce Homo” erhält diese Elektronik so gut wie völlig freie Hand. Dafür wird es zweifellos Liebhaber geben, obwohl andere vielleicht abspringen werden. Wer sich jedoch kurz dafür Zeit nimmt, entdeckt nach und nach immer mehr Schichten, die sich im Laufe des Albums langsam offenbaren. Ob diese Veröffentlichung völlig auf eigenen Beinen stehen muss oder genauso gut als Bonus-CD zum Originalalbum hätte erscheinen können, liegt beim Hörer. Dekadenz ist es allemal. (Bart van de Sande) (6/10) (BMG)

Ellie Goulding – I Know Too Much

Mit “I Know Too Much” liefert Ellie Goulding ihr sechstes Studioalbum ab, den Nachfolger von “Higher Than Heaven” aus dem Jahr 2023. Die britische Sängerin präsentiert eine Platte, die zwischen gospelgetönter Popmusik, wie im Opener ‘Black Prada Dress’, und zurückhaltendem Folk, hörbar in ‘Always Think Of You’, pendelt. Thematisch dreht sich das Album um Selbsttäuschung und die schmerzhafte Wahrheit hinter gescheiterten Beziehungen, etwas, das Goulding in ‘Misremember You’ treffend in Worte fasst. Dennoch bleibt die Ausarbeitung regelmäßig in der Oberflächlichkeit stecken. Songs wie ‘Jealousy’ und ‘Nobody Dances’ klingen gepflegt, aber wenig gewagt, und lassen die Schärfe vermissen, die die Songtexte versprechen. Produzent Jack Rochon entscheidet sich für luftige Synths und stramme elektronische Rhythmen, was bei ‘For Your Entertainment’ gut aufgeht, andernorts jedoch für eine etwas distanzierte Atmosphäre sorgt. Das Schlussstück ‘Ravers’, Gouldings erster Solo-Dance-Track, soll dem Album eine klare Perspektive geben, wirkt aber eher wie ein isoliertes Experiment als eine logische Fortsetzung dessen, was ihm vorausging. “I Know Too Much” zeigt eine Künstlerin auf der Suche nach einer neuen Richtung, ohne diese vollständig zu finden. Wer Goulding aus ihren früheren Arbeiten kennt, hört hier vor allem einen vorsichtigen Zwischenschritt. (William Brown) (7/10) (Polydor)

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