Übersicht über die Albumrezensionen: Tim Morse, Ezra Collective und mehr

Jede Woche treffen Dutzende neuer Alben in der Redaktion von Maxazine ein. Viel zu viele, um sie alle anzuhören, geschweige denn zu rezensieren. Eine Rezension jeden Tag bedeutet, dass zu viele Alben zurückbleiben. Und das ist eine Schande. Deshalb veröffentlichen wir heute eine Übersicht der Alben, die in Kurzrezensionen in der Redaktion eintreffen.

Foto (c) Jorge Fakhouri Filho

This Is Lorelei – The Singer In My Band

Nate Amos, das Gehirn hinter This Is Lorelei, liefert mit seinem neuen Album “The Singer In My Band” ein faszinierendes Stück moderner Indie-Pop-Musik ab. Das Album baut auf dem Fundament seiner früheren Arbeit auf, sucht aber gleichzeitig die Grenzen der elektronischen Melancholie auszuloten. Mit Songs wie “Dancing in the Dark” und dem feinen Titelsong “The Singer In My Band” webt er faszinierende Muster aus Synthesizerlinien, Beatnik-Rhythmen und introspektiven Texten. Die Produktion klingt auffallend räumlich, wobei akustische Gitarren nahtlos in verzerrte Gesangslinien einspringen. Obwohl einige Tracks wie “I Wonder” etwas langsam voranschreiten, bleibt das Ganze durch die konstante emotionale Grundströmung fesselnd. Amos erweist sich als begnadeter Songwriter, der es versteht, Atmosphäre und Melodie zu verbinden, ohne auf billige Tricks zurückzugreifen. Was den Aufbau betrifft, kann das Album durchaus als etwas sprunghaft bezeichnet werden, aber gerade diese Unvorhersehbarkeit macht das Ergebnis äußerst spannend. Für Liebhaber abenteuerlicher Gitarrenpop-Musik ist dieses Album absolut hörenswert. (William Brown) (8/10) (The Flesner)

The Tubs – Hard Life

Die britischen Post-Punker von The Tubs schlagen mit ihrem neuesten Album “Hard Life” gnadenlos hart zu. Die Band kombiniert wuchtige, jaulende Gitarrenriffs mit straffen Rhythmen und gesellschaftskritischen Texten, die einen sofort an der Kehle packen. Tracks wie “Wrecking Ball” und die heftige Single “Hard Life” schlagen ab der ersten Sekunde ein und lassen vom Sound keinen Stein auf dem anderen. Der raue Gesang und die ununterbrochene Energie erinnern an die Anfangsjahre der britischen Punkwelle, allerdings mit einem zeitgemäßen, heftigen Update. Musikalisch hämmert die Rhythmusgruppe gnadenlos weiter, während die Gitarrenarbeit ständig scharf und messerscharf schneidet. Es gibt kaum Raum für Ruhe; das Album zieht in mörderischem Tempo am Hörer vorbei. Wer eine ordentliche Dosis unverfälschter Gitarrenwucht und dynamischer Energie mag, ist mit dieser Scheibe bestens bedient. Es ist ein kompromissloses Rockalbum, das auf einer Live-Bühne zweifellos für ein enormes Chaos sorgen wird. (Anton Dupont) (8/10) (Trouble In Mind)

Brian Fallon – Not Bad For New Jersey

Brian Fallon kehrt mit dem leidenschaftlichen Soloalbum “Not Bad For New Jersey” zurück. Bekannt als Frontmann von The Gaslight Anthem bringt der amerikanische Barde erneut eine sympathische Portion Folkrock voller wiedererkennbarer Geschichten und mitreißender Hooks. Songs wie “Drive All Night” und “Atlantic City” atmen den Staub der Straßen seines Heimatstaates und klingen wie echte Mitsing-Hits. Die Produktion ist recht traditionell gehalten, wobei akustische Gitarren und eine warme Orgel das emotionale Fundament legen. Fallon singt mit seiner charakteristischen, rauen Stimme über Erinnerungen, verpasste Chancen und hoffnungsvolle Zukunftsbilder. Das Ganze ist nicht besonders innovativ, lässt sich aber vom ersten Ton an äußerst angenehm hören. Man hört an allem, dass dieser Musiker genau weiß, was seine Fans von ihm hören wollen. Ein äußerst solides Album, das mühelos ein warmes Gefühl vermittelt. (Daniel Harris) (8/10) (Lesser Known Records)

Ezra Collective – Here Because Of Hope

Das renommierte Londoner Ensemble Ezra Collective präsentiert das beeindruckende Album “Here Because Of Hope”. Die Gruppe verschmilzt Afrobeat, moderne Bläserarbeit und sprudelnden Jazz zu einem warmen und außergewöhnlich eleganten musikalischen Ganzen. Mit beeindruckenden Stücken wie der Single “Only Love” und dem funkelnden “Hope” bringt das Quintett eine vielschichtige Reise, die Kontinente und Traditionen mühelos miteinander verbindet. Die Bläser klingen seidig weich, während die Percussion einen unwiderstehlichen, raffinierten Groove erzeugt. Gastbeiträge bereichern die Kompositionen, ohne dass der Kern des Ensembles verloren geht. Das handwerkliche Können springt auf geschmackvolle und journalistisch verantwortungsvolle Weise hervor; die Balance zwischen emotionaler Tiefe und virtuoser Technik stimmt genau. Die harmonischen Übergänge sorgen dafür, dass sich das Album wie ein ausgewogenes Kunstwerk anfühlt, das man immer wieder hören möchte. Das ist Jazz auf einem beispiellos hohen Niveau. (Elodie Renard) (9/10) (Partisan Records)

Tim Morse – The Fourth Crossing

Der Schritt von Yes zu Vangelis ist nicht sehr groß: Yes-Sänger Jon Anderson versuchte einst, seinen griechischen Freund nach dem Weggang von Rick Wakeman für die Band zu gewinnen. Vangelis lehnte ab. Sein Sound hätte vielleicht auch nicht wirklich zu Yes gepasst. Das muss sich auch der amerikanische Multiinstrumentalist Tim Morse gedacht haben: Morse war Keyboarder bei Parallels, einer Yes-Tribute-Band. Doch der Mann macht seit einiger Zeit Musik, die ebenso gut auf einer Vangelis-Platte hätte erscheinen können. “The Fourth Crossing” atmet dieselbe Atmosphäre wie “Antarctica”. Diesen Sound holt Morse aus verschiedenen analogen Synthesizern, die er vom Vintage Synthesizer Museum in Los Angeles benutzen durfte, zusätzlich zu seinem üblichen Arsenal aus Minimoog, ARP und Yamaha. Im verträumten Auftakt “Submerged” taucht Morse uns in Wellen langer Klänge ein, die unverkennbar von einem Yamaha CS-80 stammen, dem meistgenutzten Instrument seines griechischen Vorbilds. Daneben gibt es viel Raum für den Minimoog, mit dem bei Morse alles begann. “Confusion in Aisle 14” ist vollständig um dieses Instrument herum aufgebaut. Und mit dieser Feststellung muss die Schlussfolgerung sein, dass dies vor allem ein Album für Liebhaber elektronischer, ambienter, new-age-artiger Musik ist, bei der die Atmosphäre wichtiger ist als die Komposition. “The Fourth Crossing” ist eine Sammlung von zwölf atmosphärischen Bildern. Von ausgearbeiteten Songs ist kaum die Rede. Aber für jeden, der die Platten von Jarre, Kitaro, Vangelis und Brian Eno im Regal stehen hat, ist dies eine schöne Ergänzung… zum Testen des Kopfhörers. (Jeroen Mulder) (7/10) (Tim Morse)

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