Soft Machine begeistert im Musikbunker Aachen

Der Musikbunker in Aachen ist wirklich etwas Besonderes. Nach dem Parken steht man, sobald man um die Ecke biegt, einem großen Betonklotz gegenüber. 1941 als Luftschutzbunker gebaut, bot er den Einwohnern Aachens während der alliierten Bombenangriffe Schutz. Jahre später wurde er zu einem Ort mit Proberäumen umgebaut, und noch später fanden dort Konzerte und Partys statt. Das Ganze fühlt sich jedenfalls sehr oldschool an: Bier aus der Flasche und Barzahlung. Sie sind gewarnt! Für diesen Anlass war der Saal mit Holzbänken ausgestattet, schließlich handelte es sich um ein Sitzkonzert.

Am Samstag war dieses Musikbunker die Bühne für Soft Machine. Die aktuelle Besetzung kann sich durchaus sehen lassen. Schlagzeuger Asaf Sirkis und Bassist Fred Thelonious Baker sind noch Neuzugänge, aber der Multiinstrumentalist Theo Travis (unter anderem Saxofon und Querflöte, bekannt durch seine Arbeit mit Steven Wilson und David Gilmour) und insbesondere John Etheridge an der Gitarre gehören schon seit geraumer Zeit zur Band.

Der Auftritt der Band war von Anfang an großartig. Der Saal verfügt nämlich über keinen Backstagebereich, sodass die Musiker mit Gitarre und Bass bereits um die Schulter von hinten durch den Saal auf die Bühne kamen. Ganz entspannt begann das Set mit „Open Road“ vom aktuellen Album „Thirteen“. Der Sound war von Beginn an hervorragend und schnell wurde klar: Diese Herren verstehen ihr Handwerk. Alles lief wunderbar geschmeidig, mit viel Raum für Improvisationen. Die Setlist bot an diesem Abend eine schöne Mischung aus alten Klassikern und neuem Material. Im ersten Teil des Sets stand das neue Album deutlich im Mittelpunkt. Das wunderschöne „Waltz for Robert“ und „Turmoil“ wurden präzise und eindrucksvoll dargeboten. Insgesamt ist es ein wirklich großartiges Album, das mehr Aufmerksamkeit verdient. Natürlich ist die Musik von Soft Machine nicht mehr angesagt, aber die Chemie in der voll besetzten Musikbunker war überwältigend. Die wunderbaren Pausen während des Spiels und der ohrenbetäubende Applaus nach den Stücken zeigten, dass die Musik von Soft Machine noch immer hervorragend ankommt.

Nach einer wohlverdienten Pause kehrte die Band für den zweiten Teil zurück. Dabei wurden das wunderschöne „Song of Aeolus“ und „The Tale of Taliesin“ vom Album „Softs“ gespielt. Das war kein Zufall, denn in dieser Phase gehörte John Etheridge bereits zu Soft Machine und wirkte am Songwriting mit. Das tat er auch auf „Bundles“, und das muss einfach gesagt werden: Der Höhepunkt war „Hazard Profile Pt. 1“ vom selben Album. Das Stück war Teil eines Medleys aus vier älteren Songs, bei dem die Energie der alten Herren nur so sprühte.

Nach einer weiteren Zugabe mit den wunderbaren Stücken „Backwards“ und „Noisette“ war Schluss. Gut zwei Stunden vergingen wie im Flug. Standing Ovations und eine Schlange am Merchandising-Stand waren die Belohnung für vier Vollblutmusiker.

Das erste Konzert von Soft Machine macht Lust auf mehr, aber auch der erste Besuch im Musikbunker ist eine echte Empfehlung für alle, die Authentizität zu schätzen wissen.

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