Ministry – Hate to Go (Take Out or Delivery)
Wenn eine amerikanische Rockband ihren eigenen Abschied ankündigt, möchte man normalerweise erst einmal ein Taschentuch. Bei Ministry bekommt man stattdessen einen Vorschlaghammer. Auf “Hate to Go (Take Out or Delivery)”, dem siebzehnten und laut Al Jourgensen endgültig letzten Album, wird noch einmal kräftig geschrien, gestampft und ausgeteilt. Wer dachte, dass der Chef des Industrial Metal nach 45 Jahren milder werden würde, liegt gründlich daneben.
Jourgensen gründete Ministry 1981 in Chicago, zunächst noch als Synthpop-Band, und baute anschließend gemeinsam mit seinen langjährigen Weggefährten eine eigene Nische in der Rockwelt auf. Alben wie “Psalm 69” machten die Band groß, während “Everyday Is Halloween” eine Clublegende blieb. Abschiednehmen ist für ihn ebenfalls nichts Neues. Nach “The Last Sucker” im Jahr 2007 versprach er bereits, dass Schluss sei, doch das hielt nicht lange. Jetzt sagt er, dass seine Ohren müde seien und es Zeit werde, Ziegen zu hüten. Ob man ihm das glaubt, bleibt einem selbst überlassen, aber das Album klingt jedenfalls nach einem Mann, der es ernst meint.
Die neun Stücke sind kurzatmig und von Jourgensen selbst mit kompromissloser Härte produziert. “Crickets” eröffnet ohne Umschweife mit einer Gitarrenwand, während “Voices of Hate” mit dem präzisen Schlagzeugspiel von Pepe Clarke das Tempo anzieht, der ausschließlich auf diesem Album mitspielt. In “We Hate” sinkt das Tempo dagegen, begleitet von einem schleppenden Riff, das direkt aus dem Handbuch von Black Sabbath zu stammen scheint. Der Song bleibt hängen, vor allem wegen des Gitarrensolos. “Singularity” scheint sich vor allem mit einer Welt zu beschäftigen, in der Maschinen und Geld immer mehr zu sagen haben, während “Clown Car” und “Grifter” zeigen, auf wen Jourgensen zielt: Lügner, Opportunisten und ein Land, das seiner Ansicht nach immer weiter aus der Kurve fliegt.
Der schönste Moment kommt, wenn Ministry kurz vom Gas geht. “Burned Out” stützt sich auf alte Synthesizerklänge und erinnert an die Anfangsjahre, mit einem Hauch des rauen “Filth Pig”. Dann beschließt “We’re Still Here” das Album mit dem ehemaligen Mitglied Paul Barker, der zum ersten Mal seit 23 Jahren wieder auf einer Ministry-Platte zu hören ist. Das fühlt sich an wie ein Händedruck zwischen zwei alten Kumpels, die sich ein letztes Mal in die Augen schauen.
Dennoch hat das Album seine Schwachstellen. Subtilität ist nicht seine Stärke, und das soll sie auch gar nicht sein, aber die Botschaft wird manchmal so oft wiederholt, dass man als Hörer beinahe um eine Pause fleht. Die gesprochenen Samples treffen ins Schwarze, wirken aber stellenweise etwas belehrend. Und wirklich Neues gibt es nur wenig. Wer die letzten Alben der Band kennt, hört hier vor allem eine vertraute Klangwelt, die noch einmal ordentlich aufpoliert wurde. Als Vermächtnis ist das kein Meisterwerk, aber immerhin ein Album, das noch beißen kann.
Vielleicht ist genau das die richtige Art, sich zu verabschieden. Keine Tränen und kein glattgebügelter Schlusssong, sondern eine Band, die mit voll aufgedrehter Lautstärke zur Tür hinausgeht und sich noch einmal umdreht, um etwas hinterherzuschreien. Dass Ministry danach mit Die Krupps auf Europatournee geht, macht die Sache nur noch unterhaltsamer. Kopfhörer aufsetzen, laut aufdrehen und Uncle Al seine letzte Show gönnen. (7/10) (Cleopatra Records)

