Übersicht über die Albumrezensionen: Sufjan Stevens, Mötley Crüe und mehr
Jede Woche treffen Dutzende neuer Alben in der Redaktion von Maxazine ein. Viel zu viele, um sie alle anzuhören, geschweige denn zu rezensieren. Eine Rezension täglich bedeutet, dass zu viele Alben zurückbleiben. Und das ist eine Schande. Deshalb veröffentlichen wir heute eine Übersicht der Alben, die in Kurzrezensionen in der Redaktion eintreffen.
Jon Allen – The Wolves Are Running
Manchmal entdeckt man einen Künstler und fragt sich, warum man ihn nicht schon früher gehört hat. Jon Allen ist dafür ein treffendes Beispiel. Mit ‘The Wolves Are Running’ stellt er sich eindrucksvoll vor und macht neugierig auf den Rest seines Schaffens. Der Opener ‘Roll the Dice’ gibt sofort die Richtung vor. Hier ist ein Musiker am Werk, der genau weiß, was er will und wie er es vermitteln muss. Die herrliche Basslinie in ‘After the Flood’ sorgt anschließend für einen mitreißenden Groove und eine völlig andere Atmosphäre als das vorherige Stück. Allens Pop-Folk-Rock bewegt sich in verschiedene Richtungen, ohne dass das Album seinen Zusammenhalt verliert. ‘Castles’ erinnert an einen jungen Rod Stewart aus der Zeit kurz nach The Faces. Die gelungene Zeile ‘You can’t win every battle, sometimes you’ve got to walk away’ unterstreicht die Stärke seines Songwritings. Auch musikalisch gibt es Wiedererkennbares. So erinnert das Intro von ‘Fault Line’ unweigerlich an ‘Sister Morphine’ von den Rolling Stones. Vor allem aber beweist sich Allen als begnadeter Songwriter, der mit Abwechslung und Überzeugung ein fesselndes und zugleich stimmiges Album vorlegt. Ein schönes Stück handwerklicher Kunst. (Bart van de Sande) (8/10) (V2 Records)
Eye of Melian – Forest of Forgetting
Mit ‘Forest of Forgetting’ legt Eye of Melian ein stimmungsvolles Folk-Album vor, das vom ersten Ton an eine besondere, beinahe märchenhafte Ruhe ausstrahlt. Die Kompositionen basieren auf akustischen Instrumenten und dezenten Streichern, wobei die Musik auffallend viel Raum zum Atmen erhält. Der bezaubernde Titeltrack ‘Forest of Forgetting’ zeigt genau, was dieses Projekt so einzigartig macht: Die Stille zwischen den Noten ist mindestens ebenso wichtig wie die Melodie selbst. Der Song ‘The Silver Mist’ schließt nahtlos daran an und begeistert mit wunderschön geschichteten Gesangsstimmen, die sich ganz natürlich mit dem traditionellen Gitarrenspiel verbinden. Die Band lässt sich hörbar von irischen Folk-Traditionen inspirieren, verleiht ihnen jedoch eine ganz eigene, besinnliche Note. Das Album verliert sich weder in überflüssigem Zierrat noch in schnellen Effekten. Es ist ein zurückhaltendes und aufrichtiges Werk, das aufmerksames Zuhören verdient. (Cian Murphy) (8/10) (Napalm Records)
Sever – Another Nightmare
Sever schlägt mit ‘Another Nightmare’ gnadenlos zu. Das gitarrenlastige Album ist von roher Energie und tonnenschweren Riffs durchzogen. Von der ersten Sekunde an legt die Band mit der brachialen Single ‘Another Nightmare’ unbarmherzig los und feuert donnernde Drums und kreischende Gitarrenlinien in den Raum. Hier gibt es keinen Firlefanz und keine glattpolierten Studiotricks, sondern eine massive Klangwand, die direkt ins Gesicht explodiert. Der Song ‘Darkest Hour’ legt mit verheerenden Breaks und einem Sänger, der sich die Seele aus dem Leib schreit, noch eine Schippe drauf. Das Ganze klingt herrlich rau, mitreißend und von purer Rock-‘n’-Roll-Attitüde durchdrungen. Die Produktion ist fett und ungeschliffen, genau so, wie eine echte Gitarrenplatte klingen sollte. Sever zeigt, wie harte Musik gemacht werden muss: laut, direkt und ohne jede Reue. Diese Scheibe muss man einfach richtig laut aufdrehen. (Anton Dupont) (8/10) (Eigenproduktion)
Mötley Crüe – Too Fast For Love 45th Anniversary Limited Edition Box Set
Das Label BMG veröffentlicht das legendäre Debütalbum, das 1981 auf dem von der Band selbst gegründeten Label Leathür Records erschien, in einer besonders umfangreichen Box mit zahlreichen Tonträgern. Sie enthält fünf LPs, eine 7-Zoll-Vinylsingle und eine CD mit der remasterten Zehn-Track-Version von Leathür Records sowie dem allerersten Demoband aus dem Jahr 1981. Darüber hinaus umfasst die Box eine große Menge an Bildmaterial, das bislang unveröffentlicht war. Die Musik auf ‘Too Fast For Love’ muss kaum noch besprochen werden. Sie bietet eine energiegeladene Mischung aus schmutzigem Rock ‘n’ Roll und eingängigem Glam Rock, verbunden mit einer Punk-Attitüde, der alles und jeder völlig egal ist. Fans müssen dafür tief in die Tasche greifen, bekommen aber definitiv etwas für ihr Geld. (Ad Keepers) (8/10) (BMG)
Sufjan Stevens – Worst Christmas Ever!
Eine gewisse Zurückhaltung ist angebracht, wenn ein namhafter Künstler ein Weihnachtsalbum veröffentlicht. Sufjan Stevens ist jedoch stets seinen eigenen musikalischen Weg gegangen und hat immer wieder mit Werken überrascht, die mitunter weniger zugänglich oder verständlich waren, aber stets seine persönliche Vision widerspiegelten. Auch zu Weihnachten hat Stevens eine besondere Beziehung. Was 2001 als persönliches Weihnachtsgeschenk begann, entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einem jährlichen Ritual, aus dem inzwischen ein beeindruckendes Weihnachtsrepertoire hervorgegangen ist. Sollte Stevens irgendwann beschließen, all seine Weihnachtslieder in einer einzigen Box zu veröffentlichen, wäre für die gesamte Weihnachtszeit mehr als genug Musik vorhanden. Vorerst müssen wir uns mit der Zusammenstellung ‘Worst Christmas Ever!’ begnügen. Neben klassisch anmutenden Interpretationen von ‘Joy to the World’ und ‘Auld Lang Syne’ enthält das Album auch mögliche zukünftige Weihnachtsklassiker, darunter das wunderschöne ‘Sister Winter’. Wer mit Stevens’ regulärem Werk nicht immer etwas anfangen kann, aber einmal etwas anderes als ‘Last Christmas’ hören möchte, ist mit diesem Album gut bedient. Es ist eine stimmungsvolle Sammlung, die aus einer schönen Tradition hervorgegangen ist. Allein das macht sie zu einem angenehmen Soundtrack für kalte Wintertage. Also schon einmal heiße Schokolade und holländische Erbsensuppe bereitstellen! (Bart van de Sande) (8/10) (Asthmatic Kitty Records)






