Übersicht über die Albumrezensionen: Charli xcx, Jill Scott und mehr
Jede Woche treffen Dutzende neuer Alben in der Redaktion von Maxazine ein. Viel zu viele, um sie alle anzuhören, geschweige denn zu rezensieren. Eine Rezension jeden Tag bedeutet, dass zu viele Alben zurückbleiben. Und das ist eine Schande. Deshalb veröffentlichen wir heute eine Übersicht der Alben, die in Kurzrezensionen in der Redaktion eintreffen.
Brent Faiyaz – Icon
Nach einer bemerkenswerten Wendung kurz vor der ursprünglich geplanten Veröffentlichung im September 2025 präsentiert Brent Faiyaz nun “Icon”, sein drittes Studioalbum, das von Raphael Saadiq als Executive Producer betreut wurde. Während Faiyaz zuvor für seine kühle, distanzierte Herangehensweise an Liebe und Verlangen bekannt war, zeigt er hier eine wärmere und offenere Seite. Alle zehn Songs sind aus dem Wunsch nach Beständigkeit und Hingabe herausgeschrieben, mit “Have To” als eingängiger Single, die von Tommy Richman mitproduziert wurde und auf der Faiyaz verspricht, sich selbst zu verschiffen, wenn die Entfernung zu groß wird. Auf “Other Side” gleitet seine Stimme sanft über ein Proto-Disco-Fundament, während “Pure Fantasy” an die glänzende Pop-Leichtigkeit von Michael Jackson erinnert. Die Zusammenarbeit mit Chad Hugo von The Neptunes verleiht dem Album einen zeitlosen Glanz, und die minimale Laufzeit von 31 Minuten sorgt dafür, dass keine Note verschwendet wird. “Icon” zeigt Faiyaz so vielseitig und verletzlich wie nie zuvor, ein Album, das wiederholtes Hören verdient. (Elodie Renard) (8/10) (ISO Supremacy/UnitedMasters)
Momoko Gill – Momoko
Das war ein äußerst starkes Debüt: Die Singles “No Others” und “When Palestine is Free” erschienen im vergangenen Oktober und etablierten den Namen Momoko Gill als Solokünstlerin. Besonders der letztgenannte Titel erregte Aufmerksamkeit wegen seines Themas, aber auch wegen des Arrangements für einen großen Chor. Die britisch-japanische Schlagzeugerin und Sängerin war in der Londoner Jazzszene keineswegs unbekannt, hatte bis dahin jedoch meist im Dienst anderer gespielt. Mit den beiden Singles trat sie nun selbst überzeugend ins Rampenlicht und scheut offensichtlich auch kontroverse Themen nicht. Entsprechend hoch waren die Erwartungen an das Album. Gill, in vielen Bereichen einschließlich des Schlagzeugspiels Autodidaktin, wechselt als Komponistin mühelos zwischen verschiedenen Genres, von Pop zu Jazz und sogar von Soul zu eher ambientem Material. Dabei erweist sie sich zudem als begabte Sängerin mit warmer Stimme, die auf den meisten Stücken gut zur Geltung kommt. Aus vokaler Sicht gehört “Heavy” zu den besten Tracks, auf denen die dunkle, leicht raue Stimme von einem reichen Arrangement mit leichtfüßigem Flöten- und Harfenspiel eingerahmt wird. So hell “Heavy” ist, so dunkel ist “Shadowboxing”. Mit Stimmverzerrung und tiefem Synth-Bass drängt sich der Vergleich mit Billie Eilish schnell auf. Der Hörer wird ständig überrascht. Vom beklemmenden Instrumentalstück “Test a Small Area”, das vor allem aus Klangeffekten in ungewöhnlichem Rhythmus besteht, wechselt das Album etwa zur sanften, einfachen Komposition “2close2farr”, auf der Gill nur von einem Klavier begleitet wird. Gill springt von Genre zu Genre und liefert damit nicht nur ein fesselndes, sondern auch ein relevantes Album. (Jeroen Mulder) (8/10) (Strut Records)
Converge – Love Is Not Enough
Fast neun Jahre nach “The Dusk in Us” und vier Jahre nach der eindrucksvollen Zusammenarbeit “Bloodmoon: I” mit Chelsea Wolfe kehrt Converge mit “Love Is Not Enough”, ihrem elften Studioalbum, und einer Rückkehr zu ihren rohesten und ungezähmtesten Hardcore-Wurzeln zurück. Sänger Jacob Bannon, Gitarrist Kurt Ballou, Bassist Nate Newton und Schlagzeuger Ben Koller klingen packend energiegeladen: Der Opener und Titelsong sprengt sofort das Schloss der Metallfabrik mit scharfen Riffs und pulsierenden Schlagzeugrhythmen. Kurze und zerstörerische Stücke wie “Distract and Divide” und “To Feel Something” lassen kaum Atem, während das Instrumental “Beyond Repair” eine spannungsgeladene Stille einfügt, die die zweite Hälfte des Albums dramatisch vergrößert. “Force Meets Presence” zeigt die Band in einem stärker am Melodic Death Metal orientierten Modus, und “Make Me Forget You” ist ihr emotional direktester Song seit Jahren. Bannon erklärte, er habe mehr Realismus in den Aufnahmen gewollt, und das ist hörbar: Das klingt wie eine Liveband in Bestform. Nach drei Jahrzehnten klingt Converge dringlicher denn je. (Anton Dupont) (9/10) (Epitaph/Deathwish Inc.)
Charli xcx – Wuthering Heights
Nach dem universellen Erfolg von “Brat” entschied sich Charli xcx für einen radikalen künstlerischen Kurswechsel mit “Wuthering Heights”, dem begleitenden Soundtrack zu Emerald Fennells Verfilmung von Emily Brontës Klassiker. Gemeinsam mit Stammproduzent Finn Keane schuf sie ein Album, das eher an ihr düsteres Debüt “True Romance” erinnert als an die ausgelassene Clubenergie ihres vorherigen Werks. Der Opener “House”, auf dem Velvet-Underground-Veteran John Cale einen eisigen gesprochenen Text liefert, setzt sofort den gothischen Ton. Singles wie “Chains of Love” und “Dying for You” verbinden verträumte Streicher mit mühevoll arbeitenden Synthesizern, während “Wall of Sound” den Hörer in eine klaustrophobische Landschaft aus Sehnsucht und Verlust hüllt. Sky Ferreira tritt als Gast auf “Eyes of the World” auf und fügt der ohnehin dichten Atmosphäre eine rauchige Schicht hinzu. Das Ergebnis ist ein Album, das Liebe als eine Kraft darstellt, die den Träger überwältigt und verzehrt, ebenso wild und ungezähmt wie die Heideflächen des Romans. Dass Charli nach massivem Ruhm bewusst Experiment und Intimität wählt, beweist ihr künstlerisches Rückgrat. (William Brown) (9/10) (Atlantic Records)
Jill Scott – To Whom This May Concern
Nach einer fast zehnjährigen Abwesenheit kehrt Jill Scott mit “To Whom This May Concern” zurück, ihrem sechsten Studioalbum und zugleich einem ihrer ambitioniertesten Werke. Die Neo-Soul-Ikone aus Philadelphia eröffnete ihr Comeback bereits mit Singles wie “Beautiful People” und “Pressha”, die ihre Absichten sofort deutlich machten: Dieses Album atmet Verbundenheit, Selbstvertrauen und vielschichtige Ehrlichkeit. Scott umgibt sich mit einer beeindruckenden Reihe von Gästen, darunter Trombone Shorty auf dem mitreißenden “Be Great”, Tierra Whack auf dem verspielten “Norf Side” und JID auf “To B Honest”, wo sein rasantes Flow überraschend nahtlos mit Scotts fließendem Gesang harmoniert. Produzenten wie DJ Premier und Andre Harris liefern Neo-Soul-Texturen und Jazzakzente, die die zeitlose Qualität von Scotts Songwriting tragen. Auf “The Math” und “Pay U on Tuesday” zeigt sie ihr Talent für direkte, bildhafte Sprache, ohne die Poesie zu verlieren. Insgesamt ist dieses Album ein offener Brief einer Frau, die alles erlebt hat und bereit ist, ihre Einsichten zu teilen. (Tobias Brown) (8/10) (The Orchard)






