Kula Shaker – Wormslayer

Dreißig Jahre sind eine lange Zeit, um die psychedelische Flamme brennen zu lassen. Die meisten Bands aus der Britpop-Ära haben sich entweder aufgelöst, für Nostalgie-Touren wiedervereint oder sind zu mittelmäßiger Irrelevanz geschrumpft. Kula Shaker hingegen hat einen anderen Weg gewählt. Mit “Wormslayer”, ihrem achten Studioalbum, beweisen Crispian Mills und seine ursprüngliche Besetzung, dass sie immer noch in der Lage sind, die gleiche mystische Energie hervorzurufen, die sie zu den glorreich seltsamen Außenseitern des Britpop machte, nur jetzt mit dem Selbstvertrauen von Veteranen, die nichts mehr zu beweisen haben.

Das Album beginnt mit “Lucky Number” und innerhalb von Sekunden wird man in Kula Shakers einzigartiges Universum transportiert. Eine kurze Sitar-Meditation weicht einem psychedelischen Rocker voller Energie, der an den Swagger von Oasis erinnert, gefiltert durch ein Kaleidoskop aus indischem Mystizismus und Garagerock der sechziger Jahre. Es ist eine Absichtserklärung: Dies ist keine Band, die vergangene Ruhmzeiten jagt oder versucht, die Magie ihres Chart-Erfolgsdebüts “K” wiederzuerlangen. Dies ist eine Band, die ihren Weg im Spannungsfeld zwischen Ehrfurcht und Rücksichtslosigkeit gefunden hat.

Was “Wormslayer” besonders fesselnd macht, ist die Weigerung, in einer Spur zu bleiben. “Good Money” wirbelt mit Beatles-ähnlichen Phasengesang, denken Sie an George Harrison aus der “Love You To”-Phase, bevor es in ein funkgetränktes psychedelisches Workout explodiert. Der Track ist Teil einer größeren Geschichte, die sich durch das Album zieht: eine psychedelische Rockoper über einen Jungen, der Flügel bekommt, was Mills sowohl als Märchen als auch als Metapher für die grausamen Transformationen des Lebens beschreibt. Es ist ehrgeiziges Zeug, die Art von konzeptioneller Erzählkunst, die leicht unter ihrem eigenen Gewicht zusammenbrechen könnte. Aber Kula Shaker schafft es mit theatralischem Flair und echter Emotion.

Das emotionale Spektrum des Albums ist beeindruckend breit. “Be Merciful”, ein Track, der vor fast zwei Jahrzehnten als Bootleg-Demo entstand, bietet eine seelenvolle Atempause zwischen den bombastischeren Momenten des Albums. Die Produktion von Elektronik-Pionier Mark Pritchard mischt analoge Wärme mit Live-Band-Energie und schafft eine räumliche, geisterhafte Atmosphäre. Dann gibt es “Day for Night”, einen achtzig Sekunden langen akustischen Umweg, der klingt wie Woody Guthrie durch einen Psilocybin-Nebel kanalisiert, kurz, folkig und absolut charmant.

Jay Darlingtons Rückkehr auf der Hammond-Orgel ist entscheidend für den Klang des Albums. Sein Keyboardspiel bietet sowohl Halt als auch Auftrieb, sei es die wirbelnden psychedelischen Texturen auf “Broke as Folk” oder die kirchenähnliche Pracht auf “The Winged Boy”. Letzterer, mit marschierender Percussion und chorartigen Vocals, fühlt sich an wie Pink Floyds “Meddle” neu interpretiert als spirituelle Reise. Es ist derartige expansive, transzendente Momente, die “Govinda” in den Neunzigern so erleuchtend machten, ein Beweis, dass Kula Shakers Mystik nicht nur Dekoration ist, sondern die Essenz ihres Sounds.

Der Titelsong ist “Wormslayers” gewagteste Wette: siebeneinhalb Minuten Mantra-Metal, die Schicht um Schicht zu einer hypnotischen, fast überwältigenden Mauer psychedelischer Wut aufbauen. Es ist Progrock ohne Selbstgefälligkeit, östlicher Drone ohne Überheblichkeit. Einige Kritiker fanden es zu lang, und zugegeben, es offenbart nicht alle seine Geheimnisse beim ersten Hören. Aber für diejenigen, die bereit sind, sich seiner hypnotischen Anziehungskraft hinzugeben, ist es ein reich belohnendes Erlebnis, eine Einladung, innere Drachen zu konfrontieren und verwandelt hervorzugehen.

Nicht alles funktioniert perfekt. Das Album kann stellenweise ungleichmäßig wirken, mit “Little Darling”, einer Glam-Rock-Ballade mit Roy-Orbison-Untertönen, die im Vergleich zu den abenteuerlicheren Tracks darum herum etwas formelhaft wirkt. Und ja, es gibt Momente, in denen die Prog-Neigungen der Band drohen, die kraftvolle Direktheit ihrer besten Songs zu überwältigen. Aber dies sind kleine Nörgeleien auf einem Album, das sich aufrichtig lebendig anfühlt und kreative Ruhelosigkeit ausstrahlt.

“Wormslayer” endet mit “Dust Beneath Our Feet”, einer warmen, reflektierenden Meditation, die sich wie ein sanftes Ausatmen nach der Reise anfühlt. Es ist ein passender Abschluss für ein Album, das es schafft, gleichzeitig in der klassischen Rocktradition verwurzelt zu sein und von zeitgenössischen Trends völlig unbeeindruckt zu bleiben. Dies ist Musik von einer Band, die immer in ihrer eigenen alternativen Realität existierte, und nach drei Jahrzehnten laden sie uns immer noch ein, sich ihnen anzuschließen.

Für langjährige Fans bestätigt “Wormslayer”, warum Kula Shaker von Anfang an Bedeutung hatte. Für Neulinge ist es ein lebendiger Einstieg in ein Werk, das von furchtloser Experimentierfreude und spiritueller Suche geprägt ist. Die Drachen mögen imaginär sein, aber die Musik ist unbestreitbar real. (7/10) (Strange F.O.L.K.)

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