Übersicht über die Albumrezensionen: Anneke van Giersbergen, Bruce Hornsby und mehr

Jede Woche treffen Dutzende neuer Alben in der Redaktion von Maxazine ein. Viel zu viele, um sie alle anzuhören, geschweige denn zu rezensieren. Eine Rezension jeden Tag bedeutet, dass zu viele Alben zurückbleiben. Und das ist eine Schande. Deshalb veröffentlichen wir heute eine Übersicht der Alben, die in Kurzrezensionen in der Redaktion eintreffen.

Foto (c) Jorge Fakhouri

Peach PRC – Porcelain

‘Porcelain’ ist das Debütalbum der australischen Popkünstlerin Shaylee Curnow, besser bekannt als Peach PRC. Während sie zuvor für ihr knallpinken Haare und ihre theatrale Manic Dream Pixie-Persona bekannt war, entscheidet sie sich hier bewusst für eine sanftere, bodenständigere Identität. Der Electropop-Opener ‘Piper’ führt in eine waldreiche, märchenhafte Welt ein, während ‘Eucalyptus’ ihre jüngste spirituelle Faszination erkundet. Auf ‘Miss Erotica’ taucht sie in ihre Vergangenheit als Tänzerin ein, umgesetzt in eine selbstbewusste Dance-Pop-Hymne mit queerem Glamour. ‘Out Loud’ ist eine verletzliche Hymne über eine verbotene queere Liebe, während ‘The Palace’ den Traum mit einer Fleetwood-Mac-Referenz und Leopardenmuster-Böden als Bildsprache beschreibt. Die abschließende Reihe von Balladen ist emotional überzeugend, aber gelegentlich etwas zu süßlich. Mit klarer Produktion und einem kohärenten künstlerischen Konzept gelingt es Curnow, ihre beiden Welten zusammenzuführen: den Glanz von Peach PRC und die Verletzlichkeit von Shaylee. ‘Porcelain’ bestätigt sie als eigenständige und originelle Stimme in der Popmusik. (William Brown) (7/10) (Island/Republic)

Earl Sweatshirt, MIKE & Surf Gang – POMPEII // UTILITY

‘POMPEII // UTILITY’ ist das lang erwartete Kollaborationsalbum der Underground-Rapper Earl Sweatshirt und MIKE, produziert vom New Yorker Kollektiv Surf Gang. Das 33 Tracks umfassende Doppelalbum ist in zwei Teile gegliedert: Der erste Teil, ‘Pompeii’, stammt von MIKE und dreht sich um Verfall und Verlust, der zweite Teil, ‘Utility’, gehört Earl Sweatshirt und klingt straffer und zielgerichteter. Die sphärischen, trap-orientierten Beats von Surf Gang bilden den roten Faden und zwingen beide Rapper aus ihrer vertrauten Lo-Fi-Komfortzone. MIKE glänzt auf ‘Afro’ und ‘The Pope’, während Earl auf Tracks wie ‘Earth’ und ‘Home on the Range’ lyrisch scharf bleibt und offener über seine Vergangenheit mit Alkohol schreibt, mit einer Ehrlichkeit, die seinem früheren Werk fehlte. Gastbeiträge von unter anderem Niontay, Na-Kel Smith und Anysia Kym verstärken das Gemeinschaftsgefühl. Mit 33 Tracks ist das Album stellenweise zu lang, doch als Doppelporträt zweier gleichgesinnter Künstler, die sich gegenseitig vorantreiben, ist ‘POMPEII // UTILITY’ ein klares Statement. (Norman van den Wildenberg) (8/10) (10k/Tan Cressida/Surf Gang Records)

Thundercat – Distracted

Sechs Jahre nach ‘It Is What It Is’ kehrt Stephen Bruner alias Thundercat mit seinem fünften Studioalbum ‘Distracted’ zurück, veröffentlicht über Brainfeeder. Das Album, größtenteils in Zusammenarbeit mit dem Superproduzenten Greg Kurstin entstanden, spiegelt die Spannung zwischen digitaler Reizüberflutung und Introspektion wider. In den vergangenen Jahren hat Bruner seine Nüchternheit und persönliche Verluste in Songs verarbeitet, die sowohl humorvoll als auch aufrichtig sind. Der Opener ‘Candlelight’ setzt mit komplexem Jazz-Fusion sofort den Ton, während die Singles ‘No More Lies’ mit Tame Impala und ‘I Did This to Myself’ mit Lil Yachty die zugänglichere Seite zeigen. Besonders berührend ist die Zusammenarbeit mit dem 2018 verstorbenen Mac Miller auf ‘She Knows Too Much’, damals aufgenommen und nun mit Zustimmung seines Nachlasses fertiggestellt. Das Album endet mit ‘You Left Without Saying Goodbye’, einer reduzierten Jazzballade, die auf ein von Ablenkung und Trauer geprägtes Werk zurückblickt. ‘Distracted’ ist nicht sein konsistentestes Werk, zeigt Thundercat aber von seiner menschlichsten Seite. (Elodie Renard) (8/10) (Brainfeeder)

Anneke van Giersbergen – La Mort

Anneke van Giersbergen bedarf keiner weiteren Vorstellung. Diese vielseitige Sängerin machte sich in den 90er-Jahren einen Namen, als sie die Sängerin von The Gathering wurde. Mit ihren Fähigkeiten als Songwriterin und ihrer wunderschönen Stimme hat sie seit 2007 neben zahlreichen Projekten und Kooperationen auch eine erfolgreiche Solokarriere aufgebaut. Jährlich hören zudem Millionen ihre Stimme in der Efteling-Attraktion Baron 1898. Ihr neues Soloalbum trägt den Titel ‘La Vie, La Mort, L’Amour’ und soll noch in diesem Jahr als Trilogie erscheinen. Der erste Teil, die EP ‘La Vie’, wurde im Februar 2025 veröffentlicht. Diese EP ist Teil zwei der Trilogie und erschien am 27. März dieses Jahres. Anneke schrieb diese Trilogie kurz nach dem Tod ihrer Eltern. Entsprechend handelt es sich um emotionale und persönliche Lieder. Diese EP behandelt, wie der Titel ‘La Mort’ andeutet, dunkle introspektive Themen im Kontrast zum ersten Teil, ‘La Vie’. Der Höhepunkt ist der letzte Track ‘Sail Towards The Sun’, den sie am Sterbebett ihres Vaters schrieb. Sie erinnert sich an ihren Vater und schafft ein emotionales, tröstendes Abschiedslied. ‘La Mort’ ist ein Trostpflaster, bis die vollständige Trilogie später in diesem Jahr erscheint. (Ad Keepers) (8/10) (LAB Music)

Bruce Hornsby – Indigo Park

Ja, genau der hinter dem unverwüstlichen Klassiker ‘The Way It Is’, Bruce Hornsby. Der Mann wird 72 und möchte offensichtlich nicht als One-Hit-Wonder von 1986 in Erinnerung bleiben. Dieses ‘Indigo Park’ soll Zeugnis eines reicheren musikalischen Œuvres sein, in dem Hornsby seine Vielseitigkeit zwischen Jazz, Pop und sogar klassischen Einflüssen zeigt. Natürlich bleibt das Klavier sein Markenzeichen: Das Intro des Titelstücks ist dafür ein perfektes Beispiel. Zudem ist festzuhalten, dass Hornsby stimmlich noch immer überraschend stark ist. Diese zehn Tracks sind schlichtweg solide Kompositionen, die persönliche Erinnerungen einrahmen, ohne sentimental zu wirken. Eine Warnung ist angebracht: Wer ein Album wie ‘The Way It Is’ erwartet, sollte dieses Werk besser meiden. ‘Indigo Park’ zeigt, dass Hornsby auch nach Jahrzehnten nicht am Ende ist, sondern weiterhin neues Terrain im eigenen musikalischen Kosmos erkundet. Neues Terrain wie die avantgardistische Ironie im ungewöhnlichen ‘Entropy Here (Rust in Peace)’. Oder das jazzige Experiment ‘Alabama’ mit Kontrabasslinie, verzerrten Gitarren und dissonanten Klavierakkorden. Selbst die Zusammenarbeit mit Bonnie Raitt kann man getrost als experimentell bezeichnen. Kein leichtes Album. Aber deutlich besser als dieser eine Hit. (Jeroen Mulder) (8/10) (Zappo Productions/Thirty Tigers)

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