Steven Vagovics – Can We Still Be Friends?
Der slowakische Singer-Songwriter und Produzent Steven Vagovics hat in den letzten Jahren einen umfangreichen unabhängigen Katalog aufgebaut, in dem Dream Pop, Alternative Rock und klassische Singer-Songwriter-Einflüsse zusammenfließen. Mit Sitz in Bratislava arbeitet er vollständig unabhängig an Musik, die eindeutig von Künstlern wie Radiohead, Coldplay und The Beatles inspiriert ist, während er gleichzeitig nach einer eigenen künstlerischen Stimme sucht. Auf “Can We Still Be Friends?” konzentriert sich Vagovics erneut auf Themen wie Erinnerung, verlorene Beziehungen, Selbstreflexion und den Lauf der Zeit. Das Album wirkt nicht nur wie eine Sammlung von Songs, sondern auch wie eine Momentaufnahme seiner Entwicklung als Musiker.
Auffällig ist sofort, dass die Tracklist fast wie ein chronologischer Überblick dieser Entwicklung wirkt. Die Songs scheinen teilweise eher in der Reihenfolge ihrer Entstehung als nach musikalischer Kohärenz angeordnet zu sein. Dadurch wirkt der Anfang des Albums wie eine Reihe früher Experimente, während Kompositionen und Produktionsentscheidungen im Verlauf zunehmend sicherer und ausgefeilter werden. Das macht “Can We Still Be Friends?” als Dokument künstlerischen Wachstums interessant, führt aber auch zu einem weniger konsistenten Hörerlebnis.
Diese Entwicklung wird besonders deutlich beim Vergleich des Titelstücks mit späterem Material. “Can We Still Be Friends?” enthält die Kernelemente von Vagovics’ beabsichtigtem Sound, wirkt jedoch noch etwas unsicher und deutlich reduziert. Die minimale Produktion lässt kaum Raum für dynamischen Aufbau oder emotionale Schichtung, wodurch der Song weniger Wirkung entfaltet als das, was folgt. Es stellt sich sogar die Frage, ob diese Version stark genug war, um das Album zu eröffnen.
Glücklicherweise zeigt Vagovics im weiteren Verlauf des Albums, wie stark er sich entwickelt. “Some Time Ago” gehört zu den Highlights des Albums. Hier greifen Melodie, Arrangement und Produktion deutlich überzeugender ineinander. Die verträumte Atmosphäre wird durch subtile Instrumentierung und einen organisch wirkenden Verlauf unterstützt. “Voices” ist ebenfalls sehr stark und bietet eine vollständigere Darstellung des Künstlers. Der Song verbindet introspektive Texte mit einer reicheren Klangpalette und zählt zu den eindrucksvollsten Stücken des Albums.
Während die musikalische Umsetzung schwankt, zeigt sich Vagovics textlich deutlich konstanter. Er weiß genau, was er ausdrücken will, und vermeidet vage oder zu abstrakte Formulierungen. Die Geschichten in den Songs sind leicht nachvollziehbar und die Emotionen werden direkt vermittelt, ohne unnötige Komplexität. Das ist eine Qualität, die in zeitgenössischem Alternative Pop nicht immer vorhanden ist. Songs wie “Some Time Ago”, “Voices” und “Dead to Me” profitieren von dieser Klarheit und ermöglichen es dem Hörer, der Perspektive des Songwriters leicht zu folgen. Diese Direktheit verleiht eine Ehrlichkeit, die einige musikalische Schwächen des Albums ausgleicht.
Neben diesen starken Momenten zeigt auch die Albumstruktur mehrere bemerkenswerte Entscheidungen. “Seventeen” hätte vermutlich besser als Abschlussstück des Hauptalbums funktioniert. Es besitzt einen minimalistischen, eklektischen Charakter und eine deutlich melancholische Stimmung, wodurch es eher wie ein natürlicher Abschluss als wie ein mittlerer Albumtrack wirkt. Gleichzeitig ist “I Just Want to Celebrate This Day” ein überraschend heller und zugänglicher Song, der als Opener besser funktioniert hätte, da er sofort einen optimistischeren Ton gesetzt und das Album anders gerahmt hätte.
Der eigentliche Schlusspunkt kommt mit der Reprise von “Can We Still Be Friends?”. Interessanterweise klingt diese Version stärker als das Original. Die Produktion wirkt sicherer und die Performance ausgereifter, sodass sie fast als definitive Version funktioniert. In diesem Sinne hätte sie das Original vollständig ersetzen oder zumindest weiter hinten in der Tracklist stehen können, um mehr Wirkung zu entfalten.
An anderer Stelle schwankt das Album weiterhin zwischen stärkeren und weniger ausgearbeiteten Ideen. Stücke wie “Kyoto”, “Pink Zombies” und “Dead to Me” sorgen für Vielfalt innerhalb der melancholischen Atmosphäre, während “Do-Re-Mi” eine leichtere, verspieltere Unterbrechung bietet, die die Stimmung kurzzeitig auflockert. Dennoch bleibt das Gefühl, dass nicht alle Ideen vollständig in ihre endgültige Form gebracht wurden.
Letztlich macht diese Uneinheitlichkeit “Can We Still Be Friends?” zu einem ebenso inkonsistenten wie fesselnden Album. Es zeigt klar einen Künstler in Bewegung, der experimentiert und allmählich seine Identität formt. Die stärksten Momente, insbesondere im mittleren und letzten Abschnitt, deuten auf erhebliches Potenzial hin. Gleichzeitig verhindern die schwankende Qualität und die diskutierbare Reihenfolge der Songs, dass das Album seine volle Wirkung entfaltet. (7/10) (Independent Release)

