Azad – Der Bozz III
Frankfurt am Main, Ende der 1980er Jahre. Ein junger kurdischer Flüchtlingsjunge namens Azad Azadpour findet durch Hip-Hop, Beatboxing und Graffiti seinen Weg in eine neue Sprache und Kultur. Was als Überlebensstrategie begann, entwickelte sich zu einer Karriere, die ihn zu einem der Wegbereiter des deutschen Straßenraps machte. Mit Alben wie “Leben” und “Faust des Nordwestens” setzte Azad den Massstab für eine ganze Generation von Rappern, und mit “Der Bozz” veröffentlichte er 2004 ein Album, das so kompromisslos war, dass die deutschen Behörden es wegen jugendgefährdender Inhalte indizierten. Mehr als zwanzig Jahre später schließt Azad die Trilogie mit “Der Bozz III” ab und macht sofort deutlich, dass dies zugleich der letzte Teil sein wird.
Das Album ist keine beliebige Auswahl aus dem Archiv, sondern ein bewusst konstruiertes Gesamtwerk, an dessen Produktion Azad ebenso intensiv beteiligt war wie beim Original. Die Boom-Bap-Sounds, die das Fundament bilden, verweisen direkt auf das goldene Zeitalter des Hip-Hop, eine Zeit, in der Alben noch als Ereignisse erlebt wurden und nicht als einzelne Streams. Gleichzeitig verleiht die Produktion dem Ganzen eine zeitgemässe Note, sodass das Album nicht wie reine Nostalgie wirkt, sondern wie eine logische Fortsetzung dessen, womit Azad einst begann.
Textlich zeigt Azad erneut, warum er als eine der authentischsten Stimmen der deutschen Rapszene gilt. Er bleibt seiner Rolle als Strassenpoet treu, mit Texten, die die harte Realität seiner Jugend nicht beschönigen und gleichzeitig Raum für Reflexion und Hoffnung lassen. Auf “Survivor”, der ersten Single des Albums, wird dieses Gleichgewicht zwischen Verletzlichkeit und Stärke besonders deutlich. Der Song handelt von Durchhaltevermögen, vom Hinfallen und Wiederaufstehen, ohne dabei in billige Klischees zu verfallen. Das Musikvideo unterstreicht diese Geschichte mit Bildern, die direkt aus Azads eigener Vergangenheit zu stammen scheinen.
Andere Songs zeigen wiederum Azads rauere Seite mit scharfen Texten über das Strassenleben, Loyalität und den Kampf, sich in einer Welt zu behaupten, die einen nicht immer willkommen heisst. Gerade diese Verbindung aus Härte und Verletzlichkeit machte “Der Bozz” damals so besonders, und es ist erfreulich zu hören, dass Azad dieses Gleichgewicht im dritten Teil erneut findet. Fans des Originals werden unweigerlich Vergleiche ziehen, und diese fallen überwiegend positiv aus.
Zusätzliches Gewicht erhält “Der Bozz III” durch das Bewusstsein, dass es sich um den Abschluss einer Trilogie handelt, die sich über mehr als zwei Jahrzehnte erstreckt. Azad verspürt nicht das Bedürfnis, diese Geschichte künstlich zu verlängern, und diese Entscheidung zeugt von Selbstvertrauen. Lieber eine abgeschlossene Geschichte, die dem Original gerecht wird, als eine endlose Reihe von Fortsetzungen, die nur an Wirkung verlieren. Das Ergebnis ist ein Album, das sowohl zur Essenz des klassischen deutschen Strassenraps zurückkehrt als auch zeigt, dass Azad noch immer etwas zu sagen hat.
Nicht jeder Song erreicht das Niveau der absoluten Höhepunkte seiner Diskografie, und es gibt Momente, die auf Hörer, welche die Azad-Formel seit Jahren kennen, etwas vorhersehbar wirken könnten. Insgesamt ist “Der Bozz III” jedoch ein beeindruckendes Stück Handwerkskunst, geschaffen von einem Künstler, der genau weiß, wer er ist und woher er kommt. Für seine treue Fangemeinde ist dies ein würdiger Abschied von einer der einflussreichsten Trilogien des deutschen Hip-Hop. (7/10) (Sony Music/Bozz Music)

